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Mannheim

Experte: Nach Brexit mehr sprachliche Gerechtigkeit in EU

Der Austritt Großbritanniens aus der EU hat aus Sicht eines Experten eine sprachliche Schieflage beendet. Für alle verbliebenen EU-Mitgliedsländer seien die sprachlichen Anforderungen jetzt nahezu gleich.

10.03.2020

Von dpa/lsw

Henning Lobin, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), steht in der Bibliothek. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Mannheim. Nach dem Brexit herrscht in EU-Gremien nach Ansicht eines Experten mehr sprachliche Gerechtigkeit. „Die Briten waren in komplexen Diskussionen auf Englisch sprachlich im Vorteil“, sagte Henning Lobin, Leiter des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache, in Mannheim. Als Muttersprachlern sei den Briten die Grundlage der dafür notwendigen differenzierten Ausdrucksweise in die Wiege gelegt worden. Ein Beispiel für die sprachliche Überlegenheit der Briten sei die EU-Forschungsförderung, für die komplizierte Anträge gestellt werden müssten. Als offizielle Amtssprache existiere Englisch in der EU jetzt noch in Irland und Malta, wo es neben dem keltischen Gälisch beziehungsweise dem semitischen Maltesischen gesprochen wird.

Zugleich unterstrich der Sprachwissenschaftler die Bedeutung der deutschen Sprache im Zentrum Mitteleuropas. Die Zahl der Menschen mit Deutsch als Muttersprache belaufe sich auf 100 Millionen vornehmlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hinzu kommen Belgien, Luxemburg mit Deutsch als einer von mehreren Landessprachen und Liechtenstein mit Deutsch als alleiniger Landessprache. Regionale oder Minderheitensprache sei Deutsch in Tschechien, Polen, Russland, im italienischen Südtirol und im französischen Elsass.

In Deutschland selbst wird von einigen Zehntausend Menschen in Sachsen und Brandenburg Sorbisch gesprochen, eine westslawische Sprache wie Polnisch oder Tschechisch. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Amtssprache.

Das Institut erwartete an diesem Dienstag zu seiner 56. Jahrestagung rund 300 Gäste. Thema ist „Deutsch in Europa. Sprachpolitisch, grammatisch, methodisch“. Ursprünglich war mit 400 Wissenschaftlern gerechnet worden. Jeder vierte angemeldete Besucher der Tagung hat wegen der Coronavirus-Epidemie abgesagt.

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Erstellt:
10. März 2020, 07:49 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2020, 07:18 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 07:18 Uhr

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