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Die maximale Sicherheit

Experten-Gespräch Strahlentherapie mit Vertretern des Uni-Klinikums am 19. November im Steinhaus

Wer an Krebs erkrankt ist und eine Strahlentherapie braucht, muss im Kreis Freudenstadt bislang weite Wege auf sich nehmen. Künftig bietet das Universitätsklinikum Tübingen für die Patienten eine wohnortnahe Versorgung in Horb an: Anfang 2016 wird die Praxis für Strahlentherapie im ehemaligen Horber Krankenhaus in Betrieb genommen.

14.11.2015

Derzeit laufen die letzten Feinjustierungen in der künftigen strahlentherapeutischen Praxis. Das Bestrahlungsgerät ist installiert, die Räume im ehemaligen Krankenhaus sind nach den entsprechenden Vorschriften umgebaut. Im nächsten Schritt kommen die Medizinphysiker des Universitätsklinikums Tübingen nach Horb, um den Betrieb des Bestrahlungsgeräts vorzubereiten. Die Büroräume werden eingerichtet, das Praxisteam zusammengestellt. Ende des Jahres, so ist der Plan, wird die Praxis ihren Betrieb aufnehmen und den ersten Patienten Beratungsgespräche anbieten können. Die ersten Bestrahlungen sollen im Januar beginnen. Damit löst das Universitätsklinikum ein, was in einem Kooperationsvertrag mit den Krankenhäusern Landkreis Freudenstadt (KFL) bereits 2011 festgeschrieben wurde.

Mehr als 50 Prozent aller Krebspatienten erhalten eine Strahlentherapie, erklärt Prof. Daniel Zips, Ärztlicher Direktor der Radioonkologie am Universitätsklinikum Tübingen. In der Horber strahlentherapeutischen Praxis werden voraussichtlich viele Patientinnen mit Brustkrebs behandelt, aber auch Patienten mit Lungen-, Prostata- oder Darmkrebs.

Strahlentherapie kann das Rückfallrisiko halbieren

Was ist eine Strahlentherapie und wie läuft sie ab? Bei der Strahlentherapie werden das Körperteil und das Gewebe, in dem ein Tumor gewachsen ist, mit ionisierter Strahlung (meist Röntgenstrahlung) behandelt. Schon kurz nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung 1895, erklärt Zips, habe man festgestellt, dass man Röntgenstrahlung zur Tumorheilung nutzen kann. Das Prinzip ist im Grunde, trotz vielfacher Verfeinerung und technischer Revolutionen seit mehr als hundert Jahren gleich und bei vielen Krebsarten erfolgreich: Die Strahlung soll die Erbsubstanz der Krebszellen so nachhaltig schädigen, dass diese sich nicht mehr vermehren können.

Bestrahlt werden zum einen Tumore, die nicht mit einer Operation entfernt werden können. „Ein Drittel der Heilungen bei Krebspatienten wird durch Bestrahlung erreicht, zwei Drittel durch Chirurgie“, erklärt Zips. Auch bei Tumoren, die operiert werden können, spielt die Strahlentherapie in der Nachbehandlung eine wichtige Rolle. Ziel sei es dann, einzelne Krebszellen, die möglicherweise noch im umliegenden Gewebe sind, mit der Strahlung zu zerstören, sagt Zips. „Die Strahlentherapie kann das Rückfallrisiko halbieren“, erklärt Zips. Auch wenn das Rückfallrisiko nur bei wenigen Prozent liege, würden sich die allermeisten Patienten für die Strahlentherapie und damit „für die maximale Sicherheit“ entscheiden, so Zips.

Bislang mussten die Patienten aus dem Kreis Freudenstadt und dem Umland für eine Bestrahlung weite Wege auf sich nehmen. Die nächsten Behandlungszentren sind in Tübingen, Villingen-Schwenningen, im Ortenaukreis oder in Böblingen. Das Problem dabei: Die Bestrahlung selbst dauert zwar nur wenige Minuten – mit Vorbereitungszeiten ist der Patient nach etwa einer halben Stunde fertig. Aber für den medizinischen Erfolg der Strahlentherapie ist es wichtig, dass sie täglich erfolgt – über mehrere Wochen. Nur an den Wochenenden wird pausiert. Eine Brustkrebspatientin zum Beispiel erhält 20 bis 36 Bestrahlungen, so dass die Therapie bis zu sieben Wochen dauern kann.

Zielgenaue Planung der Bestrahlung

Für viele Patienten ist das sehr belastend, weiß Zips: täglich mehr als 100 Kilometer hin und zurück an das Tübinger Uni-Klinikum zu pendeln, für eine Behandlungsdauer von 30 Minuten. Diesen Patienten bringe die wohnortnahe Versorgung durch die strahlentherapeutische Praxis in Horb enorme Vorteile, erklärt Zips, der weiß, dass viele Patienten während der Phase der Strahlentherapie, wenn sie sich fit genug fühlen, weiterhin arbeiten gehen wollen. Oder so mit familiären Pflichten eingedeckt sind, dass der tägliche Zeitgewinn sehr wertvoll ist.

Die Horber Einrichtung ist eine Zweigstelle des Medizinischen Versorgungszentrums der Radioonkologie Tübingen. Auch in Reutlingen und Sigmaringen unterhält das Tübinger Uni-Klinikum solche Praxen. Insgesamt behandelt die Universitätsklinik für Radioonkologie mit dem Medizinischen Versorgungszentrum 2500 Patienten im Jahr, so Zips, Tendenz steigend. Die Bevölkerung werde älter und damit steige auch die Zahl der Krebserkrankungen, so der Radioonkologe.

Betreut werden die Patienten in Horb von Ärzten des Tübinger Uni-Klinikums: Ein Arzt ist immer als Ansprechpartner vor Ort. Etwa 80 Prozent aller Bestrahlungstherapien können in Horb angeboten werden. Nur für Spezialtherapien, etwa bildgestützte Hochpräzisionsbestrahlungen bei Hirntumoren, müssen Patienten weiterhin ans Tübinger Uni-Klinikum kommen, erklärt Zips. Auch Patienten, die parallel eine Chemotherapie erhalten, müssen stationär aufgenommen werden und werden deshalb in Tübingen behandelt.

Alle anderen Therapien können in Horb gemacht werden – mit genau der gleichen Qualität wie in Tübingen, so Zips. Dafür wurde ein Bestrahlungsgerät, das bislang in Tübingen im Einsatz war, in der Horber Praxis eingebaut.

Nur ein bis zwei Termine müssen auch alle künftigen Horber Patienten in Tübingen absolvieren, für die so genannte „Planungs-Computertomographie“. Mit Hilfe dieses bildgebenden Verfahrens wird genau berechnet, aus welchen Winkeln und mit welcher Dosis das Tumor-Feld bestrahlt wird. Die Radioonkologie kann dank der neuen Generation von Bestrahlungsgeräten und leistungsfähigen Computertomographen sehr zielgenau arbeiten: Bei Brustkrebs zum Beispiel sorgt die genaue Planung dafür, dass umgebendes Gewebe und Organe, dass Lunge und Herz geschont bleiben. Angelika Bachmann

Experten-Gespräch Strahlentherapie mit Vertretern des Uni-Klinikums am 19. November im Steinhaus
Patient in einer Strahlentherapie: Röntgenstrahlen zerstören die Erbinformationen in Krebszellen. Der Tumor kann dann nicht mehr wachsen. Bild: Jäger / UKT

Experten-Gespräch Strahlentherapie mit Vertretern des Uni-Klinikums am 19. November im Steinhaus
Prof. Daniel Zips ist Ärztlicher Direktorder Radioonkologischen Universitätsklinik Tübingen. Bild: Jäger / UKT

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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