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Sorge um die Sonderpädagogik

Expertengruppe der Landtags-CDU in der Reutlinger Fakultät

Die Reutlinger Fakultät für Sonderpädagogik fürchtet nicht nur ihre Verlagerung nach Ludwigsburg, sondern auch einen Angriff auf die Substanz ihrer Ausbildung. Dies wurde gestern deutlich beim Besuch einer Experten-Gruppe der Landtags-CDU.

14.09.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Am Anfang stand gestern die große Frage, ob der Umzug der Reutlinger Außenstelle auf den Campus der Pädagogischen Hochschule (PH) Ludwigsburg denn schon beschlossene Sache sei. Dekan Rainer Trost geht für seine Fakultät davon aus, dass bisher von der grün-roten Landesregierung nur eine Absichtserklärung für eine Umsiedlung abgegeben worden sei. Dieter Hillebrand, der Reutlinger CDU-Landtagsabgeordnete, glaubt dagegen, die gemeinsame Stellungnahme von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer bedeute, dass der Beschluss zum Umzug sehr wohl schon gefallen sei (wir berichteten).

Es sei in jedem Fall unverantwortlich, eine solche Entscheidung so nebenbei in der Sommerpause bekannt zu geben, kritisierte die Leonberger CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz vom Ausschuss Wissenschaft, Forschung und Kunst. Im Rahmen ihrer Fraktionsklausur in Tübingen und Reutlingen besuchten CDU-Arbeitskreise gestern die Reutlinger Fakultät der Sonderpädagogen. Sie könne noch nicht abschließend einschätzen, ob eine Zusammenlegung mit Ludwigsburg nun Sinn mache oder nicht, erklärte Kurtz offen. „Wir werden da auch noch mit Rektor Martin Fix von der PH Ludwigsburg sprechen“, sagte sie.

Allerdings wurde beim CDU-Ortstermin auch deutlich, dass beide Seiten eine Gefahr für die Sonderpädagogik an sich sehen, wenn die Fakultät zur Umsetzung der Inklusion künftig für alle PH-Studiengänge Lehrangebote machen müsse. „Wir befürchten eine Deprofessionalisierung der Sonderpädagogik und sogar die Auflösung des Studiengangs“, warnte Studiendekan Jörg Michael Kastl.

Die frühere Sozialministerin Monika Stolz äußerte den Verdacht, dass unter dem Deckmantel struktureller und räumlicher Effizienz bereits eine ganz andere Ausbildung erarbeitet werde. „Das, was hier an sonderpädagogischer Kompetenz aufgebaut wurde, ist einmalig. Das darf nicht im Zuge der Inklusion nivelliert werden. Sonderschullehrer ‚light‘ wollen wir definitiv nicht!“, betonte Stolz.

Die Sonderschulen könnten nicht einfach zerschlagen werden, erläuterte Kurtz die bei der CDU vorherrschende Tendenz in dieser Frage. 90 bis 95 Prozent der Eltern seien der Meinung, dass ihre Kinder in den entsprechenden Einrichtungen bestens aufgehoben seien, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Wilhelm Röhm, Abgeordneter des Wahlkreises Hechingen-Münsingen.

Angesichts von gut 50 000 Jugendlichen mit sonderpädagogischem Bedarf, denen 1,2 Millionen Jugend und Mädchen an den Regelschulen gegenüberstehen, forderte Dekan Trost, dass gezielt dort auf die Sonderpädagogen gesetzt werden müsse, wo sie auch gebraucht würden. Die PH Ludwigsburg würde zwar durch einen möglichen Zuzug der Reutlinger einen Standortvorteil bekommen – „aber eben auch eine geschwächte Fakultät“. Bei der Führung durch die Reutlinger Räumlichkeiten seiner Fakultät betonte Trost, dass in Ludwigsburg noch überhaupt nichts dergleichen vorhanden sei.

Deshalb müssten in Ludwigsburg auf jeden Fall Neubauten für Seminarräume und Büros errichtet werden, sagte Martina Hielscher-Fast-abend, demnächst neue Dekanin der Fakultät (siehe unten). „Dann dürfen sie sich ja beruhigt zurücklehnen, denn da tut sich auf lange Zeit nichts!“, erklärte Kurtz mit Hinweis auf die entstehenden Kosten. Ihr Kollege Tobias Wald kündigte da gleich an, die Finanzierung des angestrebten Umzugs in einer der nächsten Finanzausschuss-Sitzungen auf die Tagesordnung zu setzen.

Lesen Sie dazu auch “Mit Engelszungen” in der gedruckten Ausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

Expertengruppe der Landtags-CDU in der Reutlinger Fakultät
Die Arbeitskreise der Landtags-CDU informierten sich gestern bei den Reutlinger Sonderpädagogen: (von links) Sabine Kurtz, Karl-Wilhelm Röhm, Dieter Hillebrand, Martina Hielscher-Fastabend sowie Dekan Rainer Trost von der Fakultät, Tobias Wald und Viktoria Schmid.Bild: Haas

Vom 1. Oktober an wird Martina Hielscher-Fastabend für vier Jahre die Leitung der Reutlinger Fakultät für Sonderpädagogik übernehmen: Sie ist zur Nachfolgerin von Dekan Rainer Trost gewählt worden. Nachfolger von Jutta Schäfer ist Wolfgang Mack als Prodekan, Werner Bleher wird neuer Studiendekan an Stelle von Jörg Michael Kastl. „Ich glaube eher nicht, dass ich in meiner Amtszeit den Umzug nach Ludwigsburg erleben werde“, sagt Hielscher-Fastabend – „aber wer weiß, manchmal geht es auch sehr schnell.“

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14.09.2012, 12:00 Uhr

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