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Interview mit Rektor Bernd Engler

Exzellenzinitiative bringt bis zu 110 Millionen Euro

Die Terminkalender im Rektorat ist noch voller geworden. Die gesamte Verwaltung steht vor einer, so Rektor Bernd Engler im Gespräch mit AUDIMAX, „sportlichen Herausforderung“. Aber man fühlt sich für den Beginn der Projekte gut vorbereitet.

11.07.2012
  • Ulrike Pfeil und Hans-Joachim Lang

AUDIMAX: Es heißt, die Entscheidung für die Universität Tübingen war knapp.

Exzellenzinitiative bringt bis zu 110 Millionen Euro
Bernd Engler

BERND ENGLER: Das sagen Sie. Davon weiß ich nichts. Mir hat niemand gesagt: das war aber knapp für Tübingen.

Der „Spiegel“ berichtete, Tübingen sei ein Wackelkandidat gewesen.

Wir erfuhren hinterher, dass die Absteiger offenbar relativ schnell feststanden. Dann wurde in der Kommission noch gerungen, ob es zehn, elf oder zwölf Eliteuniversitäten geben solle. Zu welchem Zeitpunkt wir zum Zuge kamen, wissen wir nicht. Das ist auch nicht wichtig.

Was ist Ihnen wichtig?

Wir fragten uns, wo will die Universität in zehn, fünfzehn Jahre sein? Entspricht der Antrag unserem Tübinger Profil? Ist die Exzellenzinitiative geeignet, das Wir-Gefüge zu stärken? Die Exzellenz-Initiative ist für uns ein Mittel, die Universität voranzubringen. Aber nur dorthin, wo die Uni auch hin will. Wir haben keine Maßnahmen erfunden, die besonders chic für internationale Gutachter waren

Wie viel Geld bekommt die Uni?

Wir wissen das noch nicht. Wohl zwischen 100 und 110 Millionen.

Wieso weiß man das nicht so genau?

Wir rechnen damit, dass die DFG bei allen Projekten einen Abschlag vornimmt, um die Finanzierung sicherzustellen. Das war auch bei der letzten Runde so. Sobald die Zahlen auf dem Tisch liegen, werden wir entscheiden, ob die eine oder andere Maßnahme komplett oder reduziert verwirklicht wird.

Das heißt, jetzt verzögert sich alles?

Überhaupt nicht. Die Aktivitäten sind so gestaltet, dass wir in diesen Tagen ausschreiben können.

Wer entscheidet darüber, wo die Schwerpunkte für das Zukunftskonzept der Exzellenzinitiative gesetzt werden?

Das haben wir in den Fakultäten intensiv vorbesprochen. Wir wollen zum Beispiel bei den Berufungen in den Naturwissenschaften einen deutlich höheren A nteil an Frauen erreichen. Das ist einer der Akzente des Zukunftskonzepts. Unsere Naturwissenschaftler sind nun angehalten, nach herausragenden Frauen in ihrem Feld zu suchen.

Gehen an der Uni auch Verlierer aus der Exzellenzinitiative hervor?

Natürlich fragt man sich das. Auch, ob es sie jetzt schon gibt oder womöglich zu einem späteren Zeitpunkt. Insgesamt haben wir eine sehr gute Balance gefunden. Es ging nicht darum, mit möglichst viel Geld etwas Zusätzliches aufzubauen. Sondern darum, nachhaltige Strukturen zu schaffen. Wir wollen das, was wir ohnehin schon gut können, intensivieren – und vernetzen.

Und das sehen alle so?

Als die Gutachter vor Ort das Konzept prüften, haben alle Gruppen gesehen, dass in unserem Konzept die Interessen der Universität als Gesamtinteresse abgebildet sind. Bei unserer Vorbereitung war auch ein ganz wichtiges Kriterium, dass es nicht zu großen Verschiebungen kommt. Wir werden diese Universität nicht in eine Belastungsprobe führen, die zu einem Kampf aller gegen alle führen wird. Ganz im Gegenteil.

Also nicht wie vor elf Jahren, als es in Folge des Solidarpakts heftige Konflikt gab.

Richtig. Da kam es vor, dass in einem Bereich sehr viele Stellen geschoben wurden. Das haben wir in unserem Antrag jetzt vermieden. Ich muss sagen, dass ich lieber auf die Exzellenzinitiative verzichtet hätte, wenn es um den Preis gewesen wäre, die Universität in eine Dauerkrise führen zu müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Zukunftskonzepts ist die Internationalisierung.

Die Universität hat weltweit 360 Partnerschaften. Wir gießen nun nicht einfach Geld in diese Vertragsbeziehungen. Wir gründen strategische Partnerschaften. Das heißt, wir suchen die Universitäten, die für unsere Entwicklung einer internationalen Forschungskooperation besonders wichtig sind. Wir prüfen, wo wir besonders starke institutionelle Kontakte haben und wie wir diese für die Neuaufstellung in den Forschungsbereichen einsetzten können. Wir betreiben dafür ein sehr intensives Screening und schauen nach Optimierung unserer Forschungen. Es kann aber auch um Komplementärvernetzung gehen. Das bedeutet einen riesigen Aufwand an Prüfleistung. Am Ende sollen 20 primäre Partner in unseren zentralen Wissenschaftsfeldern ausgewiesen sein.

Welche Folgen hat die Exzellenz-Initiative für die Uni-Verwaltung?

Wir haben eine Stabsstelle ausgeschrieben, die das Projektmanagement, das Controlling und den zeitlichen Ablauf in den Blick nimmt. Darüber hinaus kommt einiges an Arbeit auf die Verwaltung insgesamt zu. Nach dem fast abgeschlossenen Ausbauprogramm „Hochschule 2012“ ist das nochmals eine sportliche Herausforderung.

Wie attraktiv ist die Stadt für die Forscher? Befürchten Sie Wohnungsengpässe?

Tübingen ist eine extrem attraktive Stadt, weil sie lebens- und liebenswert ist. Es sind schon Wissenschaftler aus Mega-Citys gekommen. Die schwärmen von Tübingen und seinem besonderen Charakter. Tübingens Kulturangebot kann sich mit anderen Städten messen. Außerdem ist es nicht weit zu Stuttgart mit Oper, Ballett und Theater, und nicht weit zu einem internationalen Flughafen. Ein großes Problem aber ist der Wohnraum. Unser internationales Dozentenwohnheim müsste doppelt oder dreifach so groß sein.



Eine Doppelseite zu Schwerpunkten und Gesamtkonzept der Exzellenz-Universität Tübingen und einen Kommentar gibt es in der Mittwochsausgabe des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS



In den beiden Etappen der ersten Runde der von Bund und Ländern finanzierten Exzellenzinitiative machte sich die Universität Tübingen vergeblich Hoffnungen, unter die besten zu kommen. Tübingen war zunächst mit sechs Graduiertenschulen und sechs Clustern sowie einem Zukunftsentwurf in den Wettbewerb eingestiegen. Am Ende der ersten Etappe (2006) waren die hiesigen Forscher völlig leer ausgegangen, in der zweiten Etappe (2007) kam das Cluster des „Interdisciplinary Center for Integrative Neuroscience“ (CIN) als einziges Tübinger Großprojekt in den Genuss der Exzellenz-Förderung. Mit neuen und mit überarbeiteten Vorschlägen für drei Graduiertenschulen, drei Forschungscluster und ein Zukunftskonzept nahm die Universität einen zweiten Anlauf. Zwei Graduiertenschulen und zwei Forschungscluster mussten im Verlauf des Wettbewerbs ausscheiden.

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11.07.2012, 12:00 Uhr

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