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Ein Sensor für den Schwefel

FDP besuchte Firma Crinotec, die in die Weinanalyse einsteigt

Wenn zu viel Schwefel im Wein ist, ist das zumindest für Allergiker ungesund. Zu wenig schadet jedoch dem Wein. Für die genaue Analyse bietet eine Tübinger Firma nun eine elektronische Spürnase an.

11.07.2012
  • Mario Beisswenger

Tübingen. Selten sieht man so sachkundigen politischen Besuch. Andreas Fiedler, Chef der Firma Crinotec, spricht über nass-chemische Verfahren bei der Weinanalyse, Erik Schweickert, verbraucherpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, stimmt zu und bekennt: „Titrieren ist schon nervig.“ Beim Besuch der Bezirks-FDP am Dienstag bei der in der Weststadt ansässigen Firma Crinotec traf sich ein Chemiker, der in die Weinanalyse einsteigt, mit einem Professor für internationale Weinwirtschaft.

Es ging beiden um den Schwefel im Wein. „Die Analytik ist im Sinne der Verbraucher“, sagte der Bundespolitiker Schweickert, FDP-Abgeordneter von Pforzheim und Professor im hessischen Geisenheim. Hohe Gehalte von Sulfiten gelten vor allem für Allergiker als Problem. Die Analytik will Fiedler auf neue Füße stellen. Der 35-Jährige entwickelte ein Gerät, das mittels chemischen Sensors in Minutenschnelle den Gehalt an gebundenem Sulfit im Wein und das noch freie Schwefeldioxid bestimmt.

Bekannt ist der Zusatzstoff, seit auf Weinflaschen „Enthält Sulfite“ prangt. Notwendig ist der Stoff schon immer, weil er die Weinbestandteile vor Oxidation schützt und schädlichen Mikroorganismen den Sauerstoff entzieht. Nur die Dosis muss stimmen. „Wenn Sie verschwefeln, können Sie den Wein als Sondermüll entsorgen“, sagt Schweickert. Zu wenig Schwefel tut dem Wein aber auch nicht gut. Deshalb dosieren Winzer und Kellermeister Sulfite dazu und müssen dann immer wieder prüfen, was im Wein noch wirksam ist. Das gebräuchliche Verfahren basiert auf einem Farbumschlag einer Jod-Lösung. Dem nervigen Titrieren. Jede Probe braucht bis zum Ergebnis länger als eine halbe Stunde. Winzer schauen meist nicht nur nach einem Wein, sondern haben viele im Keller. Kleine Winzer nutzen die Dienste eines Weinlabors.

Fiedler verspricht mit seinem Sensor in zwei, drei Minuten ein exaktes Ergebnis. Allerdings kostet das Gerät, das gerade in einer Vorserie entsteht, einen nicht ganz kleinen vierstelligen Betrag. Fiedler schätzt, dass sich im Weinmarkt wegen dessen Größe und Qualität genug Kundschaft findet. Sein Analysegerät mit elektronischem Sensor sei einzigartig. Crinotec könne es nach Kundenwünschen zu einem Minilabor für andere Bereiche der Weinanalytik ausbauen. Absatzchancen dafür sieht er auch in den europäischen Nachbarländern.

Der Weinmarkt sei überhaupt eine wachsende Branche, sagt Schweickert. In traditionellen Weinländern würden pro Kopf und Jahr so um die 50 Liter Wein getrunken, in Deutschland gerade 23 Liter, in China nur ein Liter. „Da ist Luft nach oben, insbesondere was das Volumen angeht.“

Die Firma Crinotec gründete Andreas Fiedler 2004 parallel zu seinem Chemiestudium in Tübingen. Bisher hat sie Aufträge im Bereich Sensorik und Elektronik übernommen.
Mit dem „Winealyzer“ steigt die Firma mit vier Beschäftigten in die Produktfertigung ein. Zunächst kann das Gerät den Sulfit-Gehalt im Wein bestimmen. Es soll zu einem Minilabor für die Weinherstellung werden. Labor und Elektronik-Werkstatt sind in einem Teil der alten Zanker-Hallen in der Weststadt untergebracht.

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11.07.2012, 12:00 Uhr

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