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Parteitag

FDP will die „vergessene Mitte“ erreichen

Spitzenkandidat Michael Theurer soll die Liberalen zurück in den Bundestag führen.

21.11.2016
  • ANDREAS BÖHME

Donaueschingen. „15,4“ hieß die Maßzahl. Nicht etwa Prozent, sondern Kilometer: So weit weg tagt der Konvent diesmal von der Villinger Tonhalle, in der die Liberalen vor vier Jahren in heillosem Streit ihre Anwärter für den Bundestag nominierten – und mit dem umstrittenen Kandidaten Dirk Niebel an der Spitze hernach aus dem Bundestag flogen.

Villingen und seine Misstöne vergessen machen, lautet seither das Ziel. Doch ganz ohne verbale Rempler kommt man im Schwarzwald augenscheinlich nicht hin: Vor allem Nachwuchskräfte wie der Chef der Jungen Liberalen, Marcel Aulila, oder der Ulmer Unternehmer und Funktionärssohn Alexander Kulitz übten Kritik an der vorformulierten, von den Kreisverbänden koordinierten Liste, die sechs bis acht aussichtsreiche Plätze bietet. Ja, entgegnet Landeschef Michael Theurer, „es hat Absprachen gegeben und Versuche einzelner Kandidaten, sich Mehrheiten zu verschaffen.“ Illegitim sei das nicht, die 400 Delegierten hatten schließlich die freie, geheime Wahl.

Weitgehend unumstritten ist Theurer selbst. Mit knapp 92 Prozent Zustimmung führt er nun die Landesliste an. „Wir wollen uns für die vergessene Mitte einsetzen“, versprach er angesichts der populistischen Welle, die durch Europa schwappt. „Machen wir uns nichts vor, überall in Europa müssen die offene Gesellschaft und der liberale Rechtsstaat verteidigt werden.“ Seine FDP sei pro-europäisch, weltoffen, marktwirtschaftlich und dem Rechtsstaat verpflichtet. Ziel des „Teams Theurer“ sind acht Prozent im Land, das wären rund anderthalb Prozent mehr als bei der vergangenen Bundestagswahl.

Nachwuchs wird durchgereicht

Schon um den zweiten Platz gab es eine Kampfabstimmung, die Generalsekretärin Judith Skudelny aber klar gewann. Das beste Ergebnis mit fast 96 Prozent fuhr Schatzmeister Michael Link ein, der unter Schwarz-Gelb Staatsminister im Auswärtigen Amt war. Heute arbeitet er bei der OSZE in Warschau und mahnt angesichts des US-Wahlergebnisses: „Wir brauchen die transatlantische Partnerschaft trotz Trump, wir müssen dem Streben nach starken Personen starke Institutionen entgegenstellen.“

Auch auf die folgenden Plätze werden Kandidaten mit Parlamentserfahrung gewählt: Der Militärpfarrer Pascal Kober, der Anwalt Florian Toncar und Marcel Klinge, der derzeit die Geschäfte der Bremer FDP-Fraktion besorgt. Erst auf Platz sieben schafft es mit der in Tschechien aufgewachsenen Renata Alt eine Quereinsteigerin. Sie kam Anfang der 90er-Jahre als Wirtschaftsattaché nach Deutschland. Der drängende Nachwuchs hingegen wird durchgereicht: Kulitz auf Rang elf, der etwas zu zornig auftretende Aulila sogar auf den aussichtslosen Platz 17.

Während Theurer die politische Konkurrenz kritisiert und Kanzlerin Angela Merkel vorwirft, sie verweigere den demokratischen Diskurs und verkörpere mit der großen Koalition den Stillstand, warnt Ex-Parteivize Hosam el Miniawy: „Es hilft nichts, auf den anderen Parteien herumzuhacken.“ Trotzdem herrscht Optimismus. „Gemeinsam können wir die Bundestagswahl mindestens genauso erfolgreich gestalten wie die Landtagswahl“, so der Stuttgarter Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Das wären dann mindestens 8,3 Prozent. Andreas Böhme

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21.11.2016, 06:00 Uhr

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