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Das Mittwochs-Interview

Fabio Nappa über seine Radsaison 2012 und seine Zukunft

Fabio Nappa aus Eutingen hat seine erste Saison als Radprofi in dem Fischinger Continentalteam Specialized Concept Store hinter sich. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE erzählt er auch über deren bitteres Ende.

10.10.2012
  • Gerd Braun

SÜDWEST PRESSE: Herr Nappa, Ihre erste Rennsaison in einem Continentalteam ist zu Ende. Ist jetzt erst einmal Pause?

Ja, jetzt ist erst einmal Pause. In einer Woche steige ich dann aber wieder ins Training ein, weil ich Ende November zusammen mit vier weiteren Fahrern des Teams zu einem Eintagesrennen nach Japan fliegen werde.

Die Bulgarien-Rundfahrt, Mitte September abschließendes Etappenrennen über acht Abschnitte, ist für Sie vorzeitig zu Ende gegangen. Was ist passiert?

Auf der siebten Etappe bin ich nach zirka 120 Kilometern an der Verpflegungszone böse gestürzt. Der leere Beutel eines anderen Fahrers ist mir ins Vorderrad geflogen. Natürlich hat dann alles blockiert, und mich hat‘s über den Lenker abgeworfen. Dann haben zwei Zähne gefehlt, der Rücken geschmerzt, das Knie geschmerzt – und damit war der Einsatz beendet.

Autsch! Welche Zähne hat’s denn erwischt, und sind die inzwischen – zumindest provisorisch – wieder hergestellt?

Ein Schneidezahn und einer daneben. Sie waren aber nicht komplett, sondern nur halb abgebrochen. Inzwischen ist das aber soweit repariert.

War das Ihr schlimmster Sturz in diesem Jahr?

Ja, eindeutig.

Bei welchem Tempo ist der Sturz passiert?

Als der Beutel reinflog, sind wir sicher so zwischen 55 und 60 gefahren. Ich bin dann aber nicht gleich gefallen, hab‘ selbst auch noch gebremst. Beim Sturz selbst bin ich vielleicht noch so 30 gefahren – aber dann sind von hinten halt noch zwei Fahrer in mich reingefahren, und die hatten noch so etwa 60 drauf.

War es allgemein ein Jahr mit viel Sturzpech?

Naja, ich würde es als ein normales Jahr bezeichnen. Insgesamt hatte ich vier Stürze. 2011 war es mit nur einem Sturz, das war diesbezüglich eine gute Saison. Im Jahr davor hatte ich aber auch schon vier Stürze.

Abgesehen von den Stürzen, die leider immer wieder passieren: Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?

Ganz positiv. Ich bin zufrieden mit dieser Saison. Es waren ja dieses Jahr richtig große Rennen dabei, bei denen es sehr schwer war, auf Platzierung zu fahren. Mit dem 20. Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Profis und dem sechsten bei der U23-Berg-DM hatte ich aber auch meine Erfolge. Es waren eben Rennen ganz anderer Güte – öfter mal mit 250 Kilometern Länge.

Hätte etwas deutlich besser laufen können?

Natürlich denkt man immer wieder mal, dass vielleicht eine bessere Platzierung drin gewesen wäre, aber alles in allem war die Saison wirklich okay.

Ihr Teamchef Hartmut Täumler merkte zwischenzeitlich an, Ihnen fehle noch etwas der Killerinstinkt. Wie würden Sie Ihre Entwicklung als Rennfahrer im Radsport-Jahr 2012 einschätzen?

Ja, das hat er mir auch so gesagt. In meiner Entwicklung, würde ich selbst sagen, habe ich aber auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht. Gerade die langen, harten Rennen zu meistern, ist schon ein Unterschied. Zum Beispiel nach 200 Rennkilometern noch ein richtig schnelles Finale zu fahren, ist doch etwas anderes als nach 120 Kilometern, wie es früher war.

Hartmut Täumler hat ja bereits angedeutet, dass Sie wohl auch 2013 weiter bei Ihm im Team Specialized Concept Store fahren werden. Sind Sie sich schon vertraglich einig?

Da gibt‘s was anderes als eine vertragliche Einigung: Ich werde 2013 nicht mehr im Team dabei sein. Das liegt mit daran, dass der Anteil deutscher Fahrer reduziert wird; stattdessen kommen soweit ich weiß mehr aserbaidschanische Fahrer ins Team.

Wie geht‘s denn dann weiter für Sie?

Ich stehe im Moment in Verhandlungen mit einem anderen Team und bin da recht optimistisch.

Was versuchen Sie 2013 nochmal ein wenig anders zu machen als in dieser Saison?

Eigentlich brauche ich da gar nicht so viel anders zu machen. Obwohl, doch; eines würd‘ ich anders machen: Ich würde nach dem Frühjahrs-Trainingslager nicht krank werden. Das ist mir nämlich jetzt die beiden vergangenen Jahre jedesmal passiert. Das ist immer blöd so kurz vor der Saison.

Was hatten Sie dieses Jahr?

Eine Magen-Darm-Grippe – das bedeutete eine ganze Woche Zwangspause.

Jetzt mal ein anderes Thema: Wohin sind Sie in Sachen Radsport in diesem Jahr überall gereist?

Die interessantesten Reiseziele waren zum einen Gabun in Afrika und der Iran. Und jetzt kommt ja noch Japan. Der Rest war übliches Rennfahrer-Programm: Italien und so weiter.

Und wie waren die Erfahrungen? Hat bei den Reisen und mit den Unterkünften immer alles soweit geklappt oder gab’s da auch Schwierigkeiten?

Eigentlich lief das für mich alles recht gut. Sicher ist beim einen oder anderen Teamkollegen mal ein Koffer nicht angekommen, aber ich selbst wurde von derlei Problemen glücklicherweise verschont.

Welches Reiseziel ist Ihnen noch am besten in Erinnerung?

Schon die beiden exotischen Ziele Afrika und Iran. Das waren interessante Erfahrungen, und gerade Iran mit seiner eigenen Kultur war recht spannend.

Okay, jetzt mal eine kleine Statistik-Frage: Wissen Sie wie viele Kilometer Sie in dieser Saison auf dem Radcomputer haben?

Ich weiß spontan nur meine Rennkilometer in etwa auswendig. Das waren 7300. Zusammen mit dem Training sind auf jeden Fall mehr als 20.000 zusammenkommen.

Statistik, Teil zwei: Wissen Sie, wie viele Reifen, Ketten und Lenkerbänder Sie verbraucht haben?

Lenkerbänder waren es viele. Wir hatten ja weiße, und die wurden recht schnell schmutzig. Das dürften schon etwa acht Lenkerbänder gewesen sein. Reifen kann ich schwer sagen, weil man immer wieder andere Laufräder bekommt. Bei den Ketten würde ich sagen: drei.

Und wie sieht‘s mit den Defekten aus?

Da habe ich einen in Erinnerung.

Das muss dann aber ein markanter gewesen sein…

Ja, das war eine blöde Situation. Beim Rundstreckenrennen in Bellheim in der Pfalz hatte ich im letzten Renndrittel in der Spitzengruppe einen Defekt. Und da kein Auto und auch sonst niemand vorn dabei war, der mir helfen konnte, musste ich warten, bis das ganze Feld an mir vorbei war. Damit fiel die Entscheidung ohne mich. Natürlich waren es noch ein paar Defekte mehr, aber das war sicherlich der ärgerlichste unter ihnen.

Fabio Nappa über seine Radsaison 2012 und seine Zukunft
Abflug aus der Saison mit Tempo 60: Fabio Nappa

Fabio Nappa ist 20 Jahre als und lebt mit seinen Eltern und zwei Geschwistern in Eutingen. Radrennen fährt er seit er 13 Jahre alt ist, und neben dem 20. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in diesem Jahr zählt die DM-Goldmedaille 2008 mit dem Bahnvierer zu seinen größten Erfolgen. Im Winter fährt Fabio Nappa, der früher mit Lizenz beim RSV Öschelbronn aktiv war, gerne Ski.

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10.10.2012, 12:00 Uhr

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