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Ist Sex wirklich wie im Porno?

Fachtagung zum Thema Pornographie und Jugendsexualität

Was macht Pornographie mit Jugendlichen und ihrer Sicht auf Sexualität und Beziehungen? Antworten auf diese Frage suchten die Tübinger Vereine Pro Familia, Pfunzkerle und die Initiative für Mädchenarbeit auf einer Fachtagung.

22.04.2016
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Der Kreis derer, für die das Internet zunehmend zum Alltag gehört, wird größer. Gerade Kinder und Jugendliche werden zunehmend in den virtuellen Parallelkosmos hineingeboren, ein großer Teil ihres sozialen Lebens geschieht dort oder wird zumindest durch das Internet organisiert und gestützt. Sie benutzen das Internet noch aus weiteren Motivationen: zur Informationssuche, Kommunikation und Kontaktaufnahme, zur Selbstdarstellung – und zur sexuellen Erregung.

Dabei ist der Vielfalt im Internet keine Grenze gesetzt: „Es gibt nichts, was sich im Internet nicht dargestellt findet“, so die Tübinger Initiative für Mädchenarbeit (Tima), der Verein Pfunzkerle und die Beratungsstelle Pro Familia in einer gemeinsamen Pressemitteilung zum Thema. Sie wollten herausfinden, was das mit Jugendlichen macht und wie von Seiten der Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter ein sinnvoller Umgang mit dem Internet bezogen auf Beziehungen und Sexualität Jugendlicher gefunden werden kann. Aus diesem Grund organisierten sie am vergangenen Freitag eine Fachtagung für Pädagogen, psychologische Fachkräfte und Mitarbeiter von Jugendberatungsstellen.

„Im Facharbeitskreis Mädchenarbeit haben wir einen Vortrag über den Pornokonsum von Jugendlichen gehalten“, sagt Clemens Zeller von Pro Familia. „Es kamen auch immer wieder einzelne Fälle zur Sprache, wo der Konsum zu Problemen führt“, so Zeller weiter. „Und dann haben wir gesagt: Das ist ein spannendes Thema, lass‘ uns da was Ganztägiges machen“, fügte Petra Sartingen von Tima hinzu.

„Ich glaube viele Fachleute kamen mit dem Gedanken, dass Pornographie gefährlich für Jugendliche sei“, sagt Sartingen. Aber gegangen sind viele aus ihrer Sicht eher mit einem differenzierten Blick auf dieses Thema: „Die Grenze zu einem gefährlichen Konsum ist sehr individuell“, so Gudrun Schäfer von Pro Familia. Sie könne ohne einen Blick auf die Entwicklung des Jugendlichen, sein soziales Umfeld und seine Sicht auf zwischenmenschlichen Umgang nicht gezogen werden.

Auf der anderen Seite stehen die Sorgen vieler Fachleute: Pornographie stellt praktische, oft harte sexuelle Handlungen in den Vordergrund, lässt dabei gegenseitigen Respekt und Gefühle füreinander oft außen vor: „Das Wichtigste ist doch, dass bei der Sexualität die Bedürfnisse des Gegenübers berücksichtigt werden“, sagt Sartingen. Kommt es an Schulen zu sexuellen Übergriffen oder sexuell motivierten Nötigungen, passiert aus Sicht von Armin Krohe-Amann von Pfunzkerle oft gar nichts, oder es bricht blinder Aktionismus aus: „Was wir dann stattdessen brauchen können, ist ein überlegtes, gerne auch entschiedenes Vorgehen gegen die Übergriffe.“ Es müsse geschaut werden, ob eine Grenze überschritten wurde – und dann „müssen wir konkret in die Beratungsarbeit mit den Jugendlichen und ihren Eltern gehen.“

Aus ihrer praktischen Arbeit wissen Schäfer, Sartingen, Zeller und Krohe-Amann auch, dass das Thema für Erwachsene sehr heikel sein kann. Immer wieder gibt es Eltern, die ihre Kinder solchen Themen nicht aussetzen wollen – ein Tabu entsteht: „Das kann man ja auch erst einmal verstehen“, so Zeller. „Und dann doch darauf hinweisen, dass Kinder und Jugendliche früher oder später mit solchen Sachen in Berührung kommen und es gut ist, wenn sie es dann richtig einordnen und gut damit umgehen können.“

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22.04.2016, 01:00 Uhr

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