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Kommentar: Stammzellen aus Hodengewebe?

Fälschungsvorwürfe gegen Professor Thomas Skutella

Die Exzellenz-Universität Tübingen hat eine Leiche im Keller. Sie liegt dort schon seit zwei Jahren. Das Bizarre daran ist: Jeder weiß, dass sie dort liegt; sie ist aber bislang immer noch nicht beerdigt. Seit zwei Jahren stehen Fälschungsvorwürfe gegen Prof. Thomas Skutella im Raum, der 2008 in „Nature“ behauptete, er habe Stammzellen aus Hodengewebe gezüchtet.

04.07.2012
  • Angelika Bachmann

Sollten die Vorwürfe wahr sein, wäre das ein Skandal. Mindestens genau so empörend ist aber, dass der Fall nach zwei Jahren immer noch nicht geklärt ist.



Fälschungsvorwürfe gegen Professor Thomas Skutella
Erst gefeiert, dann mit Fälschungsvorwürfen konfrontiert: Thomas Skutella (hier bei der Präsentation eines Forschungsprojekts in Tübingen 2005).

Was war es nun, was Skutella und seine Mitarbeiterin Sabine Conrad gezüchtet haben: Waren es Stammzellen? Oder einfache Bindegewebszellen? Es ist völlig unverständlich, dass die Debatte im Geheimen geführt wird. Skutella forscht an öffentlichen Universitäten. Sein Gehalt und seine Projekte werden mit Steuergeldern bezahlt. Es gibt ein öffentliches Interesse daran, zu klären, ob die Fälschungsvorwürfe stimmen.



Der Blick in die Laborbücher, die Debatte über die bildliche Aufbereitung von Laborbefunden: All das gehört öffentlich zugänglich dokumentiert. So kann jeder, der etwas von der Sache versteht, Einblick nehmen und zur Klärung beitragen. Er kann einschätzen, ob Abbildungen für die „Nature“-Veröffentlichung aufgehübscht, retuschiert oder gefälscht wurden. Stattdessen gleicht die Arbeit der Untersuchungskommissionen einem Geheimunternehmen. Dokumentationen werden offiziell unter Verschluss gehalten und kursieren allenfalls unter der Hand von Wissenschaftlern, die sich wundern, wie sehr die „Methode Photoshop“, also die digitale Bildbearbeitung, mittlerweile zum Fundament wissenschaftlicher Beweisführung geworden ist.



Sachliche Aufklärung sieht anders aus. Es mag ja sein, dass die alten Verfahrensregeln der Universität, aufgrund derer die erste Untersuchung 2011 eingestellt wurde, nicht brauchbar waren. Aber selbst einige damals mit der Sache befasste Wissenschaftler in Tübingen sind empört darüber, wie bereit die Uni war, sich eine enge Rechts-Auslegung zu eigen zu machen. Und den Fall zu den Akten zu legen. Mehr Mut und Wille zur Aufklärung muss man von einer Exzellenz-Uni erwarten. Immerhin: In einem zweiten Anlauf scheint die Uni zur Besinnung gekommen zu sein. Andererseits muss sie sich die Frage gefallen lassen, ob sie den Fall erneut aufgerollt hätte, wären nicht die Gutachter der Exzellenz-Initiative vor der Tür gestanden.



Wundern muss man sich auch über das Fachmagazin „Nature“, das den Streit allenfalls moderiert und absolut passiv agiert. Ein Fachblatt wie „Nature“, das die wissenschaftliche Korrektheit der Veröffentlichungen im Vorfeld prüft, sollte ein immenses Interesse an der Aufklärung haben. „Wenn selbst eine so renommierte Zeitschrift wie ,Nature‘ noch immer nicht die Konsequenzen aus diesem eindeutigen Sachverhalt gezogen hat, dann wird mir ganz bange, was vielleicht sonst so veröffentlicht wird“, sagt deshalb Skutellas Kritiker, der Münsteraner Stammzellbiologie Hans Schöler.



Nicht nur die Universität als Institution, auch die wissenschaftliche Gemeinschaft hat einen Ruf zur verlieren.

Eine Sonderseite zu den Fälschugsvorwürfen gegen Thomas Skutella lesen Sie am Mittwoch im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT.

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04.07.2012, 12:00 Uhr

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