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Busse standen still

Fahrer forderten vor der Streikpause mehr Lohn

Gestern war wieder Streiktag: Zum zweiten Mal in diesem Monat legten Busfahrer in der Region die Arbeit nieder und gingen zur Urabstimmung über einen unbefristeten Streik.

26.07.2014
  • Ute Kaiser

Tübingen/Reutlingen. Anders als Anfang dieses Monats lief es gestern „selbst zu den Stoßzeiten ab 6 Uhr sehr, sehr ruhig“, sagt Johannes Fritsche von den Stadtwerken. Die hatten diesmal nicht nur per Mail die Tübinger Schulen benachrichtigt, sondern ihnen noch eigens hinterhertelefoniert. Beim Streik Anfang Juni hatten (wie berichtet) Schulen die Informationen nicht weitergeleitet. Schüler warteten vergeblich auf den Transport in die Nordstadt.

Anders als in Reutlingen gab es im Tübinger Stadtverkehr wieder einen Notfahrplan. Der hing in jedem Wartehäuschen aus. Fahrgäste, die aus dem Bahnhof kamen, konnten sich zudem in einem Infozelt der Stadtwerke auf dem Busbahnhof erklären lassen, wie sie beispielsweise zu den Kliniken gelangen.

Dieses Angebot passte nicht jedem der seit dem Beginn der Frühschicht streikenden Busfahrer, die in neongelben Westen hinter dem Ständer mit der Aufschrift „Warnstreik“ versammelt waren. Denn sie wollen möglichst viel Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Die Verhandlungen zwischen dem Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) und der Gewerkschaft Verdi waren am Freitag vergangener Woche gescheitert.

„Der Beruf ist nicht so lukrativ“, drückte es ein Fahrer eher zurückhaltend aus. „Ein Busfahrer wird wie eine Putzfrau bezahlt“, sagte ein anderer. Mit seinem Verdienst von rund 1800 Euro netto könne er sich zumindest in Tübingen keine Wohnung für seine Familie leisten. Viele Kollegen pendelten zum Dienst aus bis zu 40 Kilometern Entfernung ein.

„Wir versuchen, es den Fahrgästen recht zu machen“, sagte ein anderer, der seinen Beruf seit 17 Jahren ausübt. Er mag sein Metier. Doch die vielen Baustellen in der Stadt und der Zeitdruck machten ihnen allen zu schaffen. Auch deshalb sind die Streikenden nicht mit dem Angebot der Arbeitgeber zufrieden. Über dessen Höhe gibt es unterschiedliche Angaben. Der WBO spricht von 4,6 Prozent mehr Lohn, Verdi von 4,3 Prozent auf zwei Jahre und einer Einmalzahlung von 100 Euro. Dem setzt die Gewerkschaft ihre Forderung von einem Euro mehr pro Stunde und einer Zulage entgegen.

„Angesichts der harten Arbeitsbedingungen und der niedrigen Löhne der Busfahrer“, so Gerlinde Strasdeit im Namen des Kreisverbands der Linken in einer Pressemitteilung, sei die Forderung von Verdi „mehr als angebracht“. Am kommenden Montag gehen die Busstreiks in anderen Landesteilen weiter. Am Mittwoch will Verdi dann das Ergebnis der Urabstimmung bekannt geben.

Verdi-Bezirkssekretär Martin Gross war auf Nachfrage mit der Beteiligung an der Urabstimmung und der „großen Geschlossenheit“ sehr zufrieden. In den Sommerferien wird die Gewerkschaft die Streiks aussetzen. Sie erwartet, dass sich die Arbeitgeber bewegen. Wenn nicht? Die Vereinbarung über den Notfahrplan, deutete Gross an, habe eine Kündigungsfrist von drei Werktagen.

Siehe auch Ludwigsburg : Hunderte Busfahrer streiken für mehr Gehalt 28.07.2014 Busse standen still: Fahrer forderten vor der Streikpause mehr Lohn 26.07.2014 Tarifstreit: Busfahrer streiken für mehr Geld 25.07.2014 Tübingen/Reutlingen : Warnstreiks der Busfahrer gehen weiter 25.07.2014 Göppingen/Heidenheim : Wegen Busfahrer-Warnstreiks droht erneut Chaos im Berufsverkehr 23.07.2014 Freitag ist Streiktag: Pendler müssen mit Behinderungen rechnen: Busfahrer in der Region legen die Arbeit nieder 23.07.2014 Böblingen : Verdi ruft zu neuen Warnstreiks der Busfahrer auf 22.07.2014 Verhandlungen abgebrochen: Weitere Streiks der Busfahrer vor den Sommerferien wahrscheinlich 18.07.2014 Böblingen : Arbeitgeber bringen Lohnplus für Busfahrer ins Gespräch 11.07.2014 Stuttgart/Böblingen : Neue Sondierungsgespräche im Tarifstreit der Busfahrer 09.07.2014 Ruhig, fair und respektvoll: Bus-Warnstreik in Reutlingen verlief ohne Zwischenfälle 08.07.2014 Streik am Bussteig (Video): Am Dienstag ging nicht viel für die Tübus-Fahrgäste 08.07.2014 Reutlingen/Heidenheim : Busfahrer wollen mit Warnstreik Druck im Tarifkonflikt erhöhen 08.07.2014 Reutlingen/Heidenheim : Busfahrer wollen mit Warnstreik Druck im Tarifkonflikt erhöhen 07.07.2014 Bus-Streik am Dienstag: Beide Verhandlungsführer aus Reutlingen 07.07.2014 Am Dienstag ist auch in Tübingen Bus-Streik: Notfahrplan deckt nur zwei Prozent des Stadtverkehrs ab 07.07.2014 Busfahrer streiken am Dienstag: Tarifstreit trifft auch Tübingen: Stadtverkehr richtet Notfahrplan ein 04.07.2014

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26.07.2014, 12:00 Uhr

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