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Familie statt Formel 1
Weltmeister, Frührentner, Privatier: Nico Rosberg hat ab sofort viel mehr Zeit für seine Ehefrau Vivian. Foto: Imago
Weltmeister

Familie statt Formel 1

Nico Rosberg verkündete das Ende seiner Karriere, weil er des Dauerdrucks überdrüssig ist. Wer 2017 neben Lewis Hamilton fährt, ist offen.

03.12.2016
  • THOMAS GRUBER

Hamburg. Wenn noch der Funke einer früheren Leidenschaft in uns glüht, wird sich leichter eine neue Leidenschaft entzünden, als wenn die alte in uns ganz erstorben ist.“ Diese Weisheit stammt von Francois de La Rochefoucauld. Geht es nach dem 1680 verstorbenen Literaten, so wird man Nico Rosberg nicht mehr als Motorsportler erleben. Der Formel-1-Weltmeister hat mit einer nie erwarteten Konsequenz einen prompten Schlussstrich unter seine Karriere gezogen. Bis zum Finale lief sein Antrieb im grenzwertigen, hochtourigen Bereich, mit dem Gewinn der jahrelang herbeigesehnten WM kam es quasi zum „persönlichen Motorenplatzer“. Als ein forsches Kind des Zeitgeistes gab sich Nico Rosberg gestern. Via Facebook, dort, wo ach so häufig Nichtssagendes und Unwesentliches breit getreten wird, teilte er mit:

„Seit 25 Jahren im Rennsport war es immer mein Traum, mein einziges, großes Ziel, Formel-1-Weltmeister zu werden. Ich musste viel dafür opfern, aber trotz all dieser harten Arbeit, dieser Schmerzen, und dem ganzen Verzicht war dies immer mein Ziel geblieben. Und jetzt ist es soweit, ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen und es fühlt sich richtig an.“

Der Abgang des gebürtigen Wiesbadeners hinterlässt manch Fragezeichen. Wie kann einer, der 206 Formel-1-Rennen innerhalb elf Jahren runterspulte, garniert mit 23 Siegen und dem jüngsten WM-Triumph, von Gestern auf Heute lautstark die Tür zur Königsklasse des Motorsports zuknallen? Man mag über Flavio Briatore, den ehemaligen Formel-1-Teamchef und Weggefährten Michael Schumachers, denken, was man möchte, aber eines muss man dem Schlitzohr zu Gute halten: In der Vollgas-Branche kennt er sich aus, auch er wundert sich: „Es ist sehr komisch, unbegreiflich. Wir werden sehen, was geschieht, doch diese Entscheidung kommt mir wirklich sehr seltsam vor.“ Üblicherweise kommt ein Champion noch stärker in die neue Saison als zuvor. Breites Kreuz, unerschütterliches Selbstvertrauen und deutlich besser dotierte (Werbe-)Verträge. Rosberg erklärte:

„Nach den großen Enttäuschungen der letzten zwei Jahre habe ich wie verrückt alles gegeben, habe jeden Stein umgedreht und nichts unversucht gelassen. Diese Enttäuschungen waren der Antrieb auf ein neues Level. Ein Level, was ich bisher noch nicht erreicht hatte . . . Ich spüre eine große Erleichterung. In den nächsten Wochen werde ich bestimmt noch mehr verstehen, was und wie dieses Jahr alles passiert ist . . . Danach werde ich das nächste Kapitel in meinem Leben aufschlagen. Ich bin gespannt, was es bereit hält für mich.“

Das Familienleben wolle er zunächst einmal in vollen Zügen genießen, Ehefrau Vivian samt kleiner Tochter nehmen ab sofort die Pole-Position ein. Anfang der Woche hatte der 31-Jährige die Mercedes-Vorgesetzten von seinem Schritt unterrichtet. Motorsportchef Toto Wolff unternahm erst gar nicht den Versuch, seinen schnellsten Angestellten umzustimmen: „Die Klarheit, mit der er dieses Urteil gefällt hat, hat mich dazu bewegt, seine Entscheidung sofort voll zu akzeptieren.“

Das Team der Silberpfeile muss sich neu orientieren. Mit Pascal Wehrlein wäre ein hauseigenes Talent einsetzbar, aber der Schritt ins Weltmeister-Team käme wohl etwas zu früh. Bleiben noch die Veteranen Jenson Button und Felipe Massa – beide wären jedoch nur Not-Übergangslösungen. Andere wie Sebastian Vettel (Ferrari) oder Fernando Alonso (McLaren) besitzen gültige Verträge. In der Formel 1 ist vieles vorstellbar, manchmal passiert eben das Unvorstellbare. Wie jetzt bei Rosberg. Eine Rückkehr des Weltmeisters in die Formel 1 – irgendwann einmal – ist dennoch ausgeschlossen. Sonst hätte sich ja Francois de La Rochefoucauld geirrt.

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03.12.2016, 06:00 Uhr

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