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Tübinger Mietspiegel kommt im Herbst

Familien und Alleinerziehende leiden unter Wohnungsnot

Starke Nachfrage, hohe Mieten: Die Lage auf dem Tübinger Wohnungsmarkt ist nach wie vor angespannt. Familien mit Kindern haben es bei der Wohnungssuche schwer, ebenso Alleinerziehende, Arbeitslose und alle, die nicht viel Geld haben.

23.09.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen. Die Stadt wächst weiter: Gut tausend neue Einwohner/innen zählte Tübingen im vergangenen Jahr – und da sind die rund 3000 Neubürger, die sich dank Zweitwohnsitzsteuer anmeldeten, gar nicht mitgezählt. Familien, Studenten, Ältere – alle wollen in die Stadt. Und der Trend zu Singlehaushalten ist angesichts von veränderten Lebensentwürfen und einer älter werdenden Gesellschaft ungebrochen, konstatiert die Stadtverwaltung in ihrem neuesten Wohnraumbericht. Kurz: Es gibt in Tübingen nach wie vor einen „hohen Bedarf“ an Wohnungen.

Familien und Alleinerziehende leiden unter Wohnungsnot
Die Uni will exzellent werden, ein doppelter Abi-Jahrgang steht vor der Tür: FDP-Stadtrat Dietmar Schöning regt an, die Stadt Tübingen möge mit dem Land über Hilfe bei der Unterbringung der erwarteten zusätzlichen Studenten reden. Derweil wird im Französischen Viertel ein Wohnheim renoviert.Bild: Metz

Zwar wurde gebaut – vor allem in Südstadt, Mühlenviertel und auch im Rahmen der städtisch gewollten Nachverdichtung. „Aber das reicht nicht“, sagt Thomas Keck vom Mieterbund Reutlingen-Tübingen. Mindestens 350, besser 400 bis 500 neue Wohnungen jährlich braucht Tübingen, damit die hohe Nachfrage sowohl nach Eigentums- wie auch nach Mietwohnungen gedeckt werden kann – so steht es im Wohnraumbericht. Fertiggestellt wurden vergangenes Jahr 368 Wohnungen – „und das war ein gutes Jahr“, sagt Stadtplaner Andreas Linsmeier, der die Informationen zum Wohnraumbericht zusammentrug und jetzt im Planungsausschuss den Stadträten vorstellte. Zum Vergleich: 2008 wurden 363 Wohnungen fertig gebaut, 2007 nur 196.

Wer genug Geld hat, findet auch was. Die anderen haben Probleme. Wer das ist? „Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum für Familien“, weiß Thomas Keck. Wenn nur ein Elternteil arbeitet und dabei nicht zu den Gutverdienern zählt, ist häufig nicht genug Geld übrig, um im Konkurrenzkampf gegen teils deutlich solventere Studenten-WGs zu bestehen. „Da ziehen Familien fast immer den kürzeren.“

Schwer haben es auf dem Tübinger Wohnungsmarkt auch Alleinerziehende, zudem ausländische Familien, Langzeitarbeitslose, Behinderte. Und auch viele Studierende sind auf der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe. Zugleich nimmt das Angebot an günstigen Wohnungen mit Sozialbindung seit Jahren kontinuierlich ab. Waren es im Jahr 2000 noch über 1500, so sank die Zahl der geförderten Wohnungen in der Unistadt im vergangenen Jahr auf 1009. Aus Sicht von Mieterbund-Geschäftsführer Keck ist das „eine mittlere Katastrophe“.

Und immer noch ist die von der Stadt geführte Liste mit Bewerber(inne)n für eine Sozialwohnung lang: Derzeit sind der Verwaltung 376 Menschen bekannt – immerhin ein paar weniger als im vergangenen Jahr, als ständig zwischen 400 und 415 Namen auf der Warteliste standen.

Im Herbst kommt der Mietspiegel

Nicht nur schwierig, sondern „fast aussichtslos“, heißt es im Bericht, ist die Wohnungssuche für Obdachlose – vor allem dann, wenn noch eine chronische oder Suchterkrankung hinzu kommt, oder wenn jemand gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und wieder Fuß fassen möchte.

Erstmals werden im Wohnraumbericht, der die Jahre 2007 bis 2009 umfasst, auch Empfehlungen an die Verwaltung abgegeben. Vor allem wohnungslose Frauen und Männer brauchen dringend (einfachen) Wohnraum. Hier soll die Stadt aktiv werden. Aber auch sonst muss viel gebaut werden – Entlastung versprechen geplante Quartiere wie Egeria, Güterbahnhof, Wennfelder Garten. Künftig werden verstärkt kleinere Wohnungen gebraucht – was die Stadt bei ihren Planungen berücksichtigen möge.

Ein Manko allerdings hat der von vier städtischen Abteilungen, Gutachterausschuss und GWG erstellte Wohnraumbericht: Er kann keine genauen Aussagen über die Entwicklung des Mietniveaus machen. Darüber werden Bürger/innen und Gemeinderat wohl erst im November oder Dezember mehr wissen. Dann nämlich soll der vom Rat beschlossene qualifizierte Mietspiegel fertig sein. Derzeit läuft noch die Befragung der Hauseigentümer.

Von Privatinvestoren und Bürgerbaugenossenschaften

Lob von SPD und AL/Grünen, Kritik im Detail aus dem bürgerlichen Lager gab’s für den Wohnraumbericht 2010, der im Planungsausschuss vorgestellt wurde. Ulrich Latus (CDU) und Dieter Barth (UFW) bemängelten die „Einseitigkeit“ der Vorlage. Befragt worden seien nur Wohnungsbaugesellschaften wie die städtische GWG, aber keine privaten Bauträger. Doch „ohne die geht es nicht“, so Latus. Dietmar Schöning (FDP) forderte Stadt und GWG auf, stärker als bisher die Landeswohnraumförderung in Anspruch zu nehmen: „Gibt’s nicht genug Nachfrage, werden solche Programme nicht mehr aufgelegt.“ Helga Vogel (AL) regte eine „Initiative zur Gründung von Bürgerbaugenossenschaften“ an, Amely Kraft (SPD) berichtete aus eigener Erfahrung vom Kampf auf dem Wohnungsmarkt, wo sich nicht selten 30 Studenten oder mehr auf ein Zimmer bewerben würden.

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23.09.2010, 12:00 Uhr

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