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Historisch neue Lebensphase

Familienministerin würdigt Engagement des Kreisseniorenrats

Als Kristina Schröder ihren Besuch ankündigte, war Hansjürgen Stiller ganz aus dem Häuschen, verriet sein Vorstandskollege Ernst-Werner Briese. Die Bundesfamilienministerin informierte sich gestern über ein Projekt des Kreisseniorenrats zur Vorbereitung auf den Ruhestand.

30.10.2012
  • Renate Angstmann-koch

Tübingen. Bevor Kristina Schröder am Nachmittag mit zwanzig Minuten Verspätung im Landratsamt eintraf, hatte sie in Backnang eine Kinder-Uni eröffnet und in Altbach bei Esslingen eine Kindertagesstätte besucht. Ihr Auftrag als Familienministerin erstrecke sich eben von Kindern und Jugendlichen bis zu Senioren, sagte sie.

In Tübingen wollte Schröder vor allem lernen. Obwohl die Stadt mit einem Durchschnittsalter von vierzig Jahren zu den jüngsten Deutschlands gehöre, liege sie mit ihren Vorbereitungen auf eine älter werdende Gesellschaft „ganz weit vorn“. Das zeige sich etwa am Stadtseniorenplan oder dem System der Vergabe von Kita-Plätzen. Oberbürgermeister Boris Palmer, der mit Landrat Joachim Walter und Vertretern des Kreisseniorenrats in der ersten Reihe saß, dürfte es mit Freuden vernommen haben.

Insgesamt verfolgten rund 140 Interessierte den knapp einstündigen Auftritt der Ministerin – unter ihnen viele Kreistagsmitglieder und Beschäftigte des Landratsamts. Das Alter zwischen 65 und zirka 80 Jahren sei heute in Deutschland „eine historisch neue Lebensphase“, sagte Schröder: „Die meisten haben das Glück, diese Phase in guter Gesundheit zu erleben.“ Viele wollten sich nicht ausruhen, sondern ihre reiche Lebens- und Berufserfahrung weiter nutzen. „Diese neue Lebensphase ist ein riesiges Geschenk und ein Potenzial für die ganze Gesellschaft“, findet die promovierte Politikwissenschaftlerin.

„Der Zusammenhalt zwischen den Generationen und in der Familie war noch nie so groß“, verwies Schröder auf Großeltern, die ihren Kindern beim Umzug oder der Betreuung ihrer Enkel helfen. Überdies würden zwei Drittel der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt. Schröder führte diesen Zusammenhalt vor allem darauf zurück, dass „Beziehungen heute meist Wunschbeziehungen“ seien.

Der demografische Wandel habe auch für die Gesellschaft positive Aspekte. Als mit dem Wehrdienst der Zivildienst ausgesetzt wurde, hätten viele befürchtet, dass Fahrten für Kinder mit Behinderungen oder Essen auf Rädern wegfallen würden. Doch nun boome der für alle Altersgruppen geöffnete Bundesfreiwilligendienst. Es gebe 35 000 „Bufdis“ und sogar Wartezeiten. 55 Prozent der „Bufdis“ seien Männer und 20 Prozent über fünfzig Jahre alt. „Jetzt haben wir also den Schreinermeister im Kindergarten, der mit den Kindern Vogelhäuschen baut.“ Das Europäische Jahr für aktives Altern knüpfe an das Engagement und die Tatkraft der Älteren an, die nach dem Erwerbsleben wieder über mehr Zeit verfügten. „Viele wollen ihre Kraft und ihr Wissen weiter einsetzen und gebraucht werden“, erklärte sie.

Stiller, der wie Landrat Walter bereits zur Begrüßung gesprochen hatte, verabschiedete Kristina Schröder mit einer „herzlichen Bitte“ zum Flughafen, von wo sie nach Berlin zurückkehrte: Der Kreisseniorenrat hoffe auf Unterstützung des Familienministeriums für ein Projekt für Großeltern und Enkel. „Uns würde freuen, wenn sich da was ergeben würde, Frau Ministerin. Und wir würden auch gut miteinander auskommen.“

Familienministerin würdigt Engagement des Kreisseniorenrats
„Eigentlich bin ich für alle verantwortlich, außer für mittelalte kinderlose Männer“, zitierte Kristina Schröder, 35, gestern in Tübingen ihren Lieblingsspruch. Bild: Sommer

Das Projekt „Vorbereitung auf die nachberufliche Lebensphase als Aufgabe betrieblicher Personalfürsorge und als Werbeplattform für das Bürgerschaftliche Engagement“ ist ein Beitrag des Tübinger Kreisseniorenrats zum „Europäischen Jahr für aktives Altern“. Das Projekt wurde zusammen mit 45 weiteren aus über 300 Bewerbungen bundesweit ausgewählt.

Als Projektmoderatorin erläuterte Prof. Ursula Weber die Einzelheiten. Zielgruppen des Projekts sind Beschäftigte von Behörden und Unternehmen um die sechzig und die jeweiligen Personalabteilungen. Als praktisches Beispiel dienen das Landratsamt und Kommunalverwaltungen, für deren Mitarbeiter zwei Seminare geplant sind. Sie sollen die Teilnehmer schon im Beruf auf die neue Lebensphase vorbereiten und dafür gewinnen,
sich ehrenamtlich zu engagieren.

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30.10.2012, 12:00 Uhr

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