Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Familienvater vor dem Jugendgericht
Nicht öffentlich: Die Zuschauerränge bleiben leer. Foto: dpa
Kriminalität

Familienvater vor dem Jugendgericht

1982 soll er als Jugendlicher einen Raubmord verübt haben. Gestern begann der Prozess gegen den 52-Jährigen.

12.01.2017
  • DPA

Flensburg. Ein erwachsener Familienvater muss sich vor Gericht für einen Mord verantworten, den er als 17-Jähriger begangen haben soll: 1982 hatte er eine 73-Jährige in Schleswig getötet, wie er der Polizei nach seiner Festnahme im Sommer vergangenen Jahres gestand. Die Rentnerin habe ihn beim Diebstahl ertappt.

Der damals drogenabhängige Jugendliche „verschaffte sich Zugang unter dem Vorwand, telefonieren zu wollen“, sagte der Staatsanwalt gestern zum Prozessauftakt. In Wirklichkeit habe er sich nach Bargeld und Wertgegenständen umgesehen. Als es zum Streit kam, habe er die Frau mit einem Sofakissen erstickt. Er habe ihre Kleidung mit einem Messer aufgeschnitten und sich an ihr vergangen. Danach sei er mit rund 20 Münzen geflohen, die habe er später verkauft.

Der heute 52-jährige Familienvater ist vor dem Jugendgericht angeklagt. Da er bei der Tat erst 17 Jahre alt war, findet die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Kammer ließ jedoch einzelne namentlich benannte Pressevertreter zu. Begründung: Anders als ein Jugendlicher sei der Angeklagte durch den Prozess nicht „in seiner weiteren Entwicklung beeinträchtigt“. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm maximal zehn Jahre Gefängnis.

DNA erst 2016 entschlüsselt

Eine Spermaspur hatte den Mann laut Staatsanwaltschaft überführt, allerdings erst im Sommer 2016, als die DNA aus dem am Tatort gefundenen Sperma entschlüsselt werden konnte. Die Polizei bat 1200 Männer zur Speichelprobe. Sie konzentierte sich dann auf die Personen, die dazu nicht erschienen waren. Ermittler stellten schließlich den Verdächtigen auf der Flucht in einem Saarbrücker Hotel.

Der Angeklagte erzählte der Polizei, er habe die 73-Jährige getötet, als sie ihn beim Durchwühlen der Schränke erwischte. Dabei sei es „irgendwie aus dem Ruder gelaufen“, zitierte ein Polizist im Gericht den Mann. Er habe ausgesagt, es sei darum gegangen, „sie zum Schweigen zu bringen, damit sie nicht schreit, nicht die Polizei ruft“.

Der Vater aus Ostholstein nahm gestern die Vorwürfe regungslos auf. Vor Gericht will der Angeklagte, der in den 80er Jahren in Lübeck wegen eines anderen Tötungsdelikts zu einer Jugendstrafe verurteilt worden war, erst später aussagen.

„Er bereut, dass da was vorgefallen ist“, sagte sein Anwalt. Was damals genau passiert sei, müsse der Prozess zeigen. So lange nach der Tat die Wahrheit herauszufinden, sei „für alle Seiten schwierig“. Sein Mandant sei nach Jahrzehnten aus seiner Familie und seinem Alltag herausgerissen worden. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball