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Fashion-Branche entdeckt Muslimas
Kleidung für Muslimas hat Dolce & Gabbana präsentiert. Das Luxuslabel will einen neuen Markt erschließen. Foto: Bildquelle
Mode

Fashion-Branche entdeckt Muslimas

Dolce & Gabbana bringt Luxus-Kopftücher auf den Markt. Das Thema schlägt hohe Wellen. In Deutschland dürfte die Nachfrage allerdings begrenzt sein, weil sich wenige Frauen religionsspezifisch kleiden.

15.11.2016
  • DPA

Berlin. Die Kollektion sorgte für viel Wirbel. Ein langbeiniges Model präsentierte im Januar in einer neuen Dolce & Gabbana-Werbung nicht knappe, schwarze Spitzenkleider oder bauchfreie Blumentops – sondern Kopftücher und bodenlange Abajas, muslimische Gewänder. Als eine der ersten großen westlichen Modefirmen brachte das italienische Luxuslabel eine Kollektion für Muslimas auf den Markt.

Das Potenzial scheint da zu sein. Einer Studie von Thomson Reuter und Dinar Standard zufolge gaben Muslime weltweit im vergangenen Jahr 243 Mrd. Dollar (217,4 Mrd. EUR) für Kleidung aus – 11 Prozent der globalen Modeausgaben. Glaubt man den Zahlen, steigen die Ausgaben von Muslimen für Mode bis 2021 auf 368 Mrd. Dollar (341,9 Mrd. EUR).

Es liegt also auf der Hand, warum das Fortune Magazin muslimische Frauen „den nächsten großen unerschlossenen Modemarkt“ nennt. Bislang haben sich wenige westliche Modefirmen auf dem Markt versucht. DKNY, Burberry und Tommy Hilfiger brachten Kollektionen zu Ramadan heraus, dem islamischen Fastenmonat. Mango präsentierte als erste günstigere Modemarke eine Kollektion, ebenfalls zum Fastenmonat. Und der japanische Mode-Riese Uniqlo arbeitete mit der muslimischen Designerin Hana Tajima zusammen.

Allerdings war die Reichweite dieser Linien bislang gering. Die meisten waren nur im Nahen Osten verfügbar. Dolce & Gabbanas Kopftücher und Abajas gibt es dem Unternehmen zufolge nur in den Vereinten Arabischen Emiraten sowie in einigen Boutiquen etwa in Paris und Mailand. Mit ihren Kollektionen sprechen die Luxuslabels zudem nur einen Bruchteil der muslimischen Konsumentinnen an – die, die sich eine Abaja für mehrere Tausend Dollar leisten können.

Muslimas kritisieren Design

Wie gut sich die Kollektion von Dolce & Gabbana bislang verkaufte, gibt das Unternehmen nicht preis. Es präsentierte aber wenige Monate später eine zweite Linie für muslimische Kundinnen. Im Westen zeigten sich allerdings viele Muslimas skeptisch. Kritisiert wurde etwa, dass die Designer ihre Bedürfnisse nicht wirklich verstünden: Die meisten gläubigen Muslimas würden weder ein langes Kleid mit Schlitz noch rückenfreie oder ärmellose Oberteile tragen.

Aus Sicht von Zeynep Mutlu sind Kollektionen eigens für Muslimas in Deutschland nicht notwendig. Mutlu betreibt zusammen mit Makbule Balin den Blog „Makzey“, in dem sie über Mode, Reisen und Essen schreibt. Nicht alle Muslimas würden sich bedeckt anziehen. Zudem entspreche der derzeitige Modestil ohnehin oft ihren Wünschen, und was nicht passt, werde ergänzt.

Der Verband Textil und Mode sieht es ähnlich. Sprecher Hartmut Spiesecke vermutet, „dass der Markt hier in Deutschland nicht sehr groß ist, weil die meisten Muslime keine religionsspezifische Kleidung tragen.“ Zudem sieht Mutlu es als problematisch, würden etwa Firmen wie Zara oder H&M eigene Modelinien herausbringen – „weil es Muslimas von anderen Konsumentinnen trennt“. Firmen könnten ihrer Ansicht nach muslimische Kundinnen viel eher mit Kleinigkeiten gewinnen: Etwa mit blickdichten Stoffen oder mit Schals, die auch als Kopftuch getragen werden können.

Worauf es Mutlu zufolge viel eher ankommt: Werbung. „Es wäre besser, wenn Muslimas mehr durch Werbung angesprochen werden“, sagt die Bloggerin. Damit könnte auch eine Wertschätzung für die Kundinnen gezeigt werden. „Wenn man immer wieder Muslimas in der Werbung sehen würde, wäre es irgendwann selbstverständlich, dass wir zur Gesellschaft dazugehören.“ dpa

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15.11.2016, 06:00 Uhr

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