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Fröhlichkeit als Demonstration gegen Hass

Fasnetseröffnung der Horber Narrenzunft am Samstagabend im Saal des Steinhauses

Mit nachdenklich-melancholischen Tönen hatte die Fasnetseröffnung am Samstagabend begonnen, hatten doch die Terroranschläge in Paris auch die Horber Narren in hilflose Trauer versetzt, doch setzte Zunftmeister Eckard Bukenberger ein klares Zeichen gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit.

16.11.2015

Von Hans-Michael Greiss

Horb. Keinesfalls werde die Narrenzunft vor dem Ansinnen dieser Verbrecher kapitulieren, Kultur und Menschlichkeit aus der Welt zu schaffen. Geteilte Freude und gemeinsames Lachen sei die eindeutige Antwort der Narren darauf.

Den schwierigen Part des Eisbrechers versah Peter Rosenberger als Mann von den Sternen, dessen Raumschiff just in Horb landete, wo Stadträtin Elisabeth Schneiderhan ihm einen Landeplatz am Bahnhof freiräumte. Mit seiner galaktischen Erfahrung riet er dem Unternehmer Kaltenbach, den Dreck doch einfach weg zu beamen. Nachdem er sich am Mannemer Dreck verschluckt hatte, reizte Rosenberger seine Gesangskünste mit Peter Schillings „Völlig losgelöst? aus, wobei sich Vorsänger und Saalfüller beim Einsatz in die Quere kamen. Vocalmania wird ihn wohl kaum als Solisten nach New York mitnehmen, auf dem Horber OB-Stuhl wird er dagegen als Idealbesetzung gelten, zumindest bis zur Schlüsselübergabe an die charmante Gräfin Julia Gunkel.

Wie in den Vorjahren hielten sich die Turmschurken bedeckt, ob sie reden oder singen sollten. Nichts von alledem ? sie strippten, dass der Kreischpegel die Schmerzgrenze erreichte. Mit ihren rosa Tütü-Balettröckchen belegten sie, dass Horb nun mindestens zwei Ballettgruppen hat. Mit leicht schwankenden Trippelschritten die im Vergleich zum Schwanensee im St. Petersburger Mariinsky-Theater eher einem heimischen Gänseweiher ähnelten, doch gemessen an der Breite der Newa gegenüber dem Neckar boten die Turmschurken den wesentlich größeren Unterhaltungswert. Ihre traumhaft athletischen Sixpack-Bodies hatten sie unter schützenden Fettpolstern verborgen.

Mit eingespielter Routine trampelten die alten Fasnets-Schlacht rösser Ralf Brakopp, Achim Hierath, Stefan Fox und Alexander „Locke? Guth auf den Zwerchfellen ihre Zuhörer herum. Aus einer Vorlage der Biermösl Blosn hatten sie in Horber Abgründen gesucht, was sich alles zusammenreime. Der Haugenstein sei multikulturell, die Sparkasse multifinanzell und die Fifa multikriminell. Neckar, von Almsick und die Brücke brachten sie auf einen Reim: D?r Neckar isch da domma, die van Almsick, die isch gschwomma und die Brücke wird nia komma. Ein weiteres bayrisches Gstanzl von Fredl Fesl brachten sie zu der Einsicht: Der Zeitler sprach zum OB: „Hätt? ich dein? Job, wie wär des schee…? Da sprach Rosi ganz gelassen: „Das würde dir so passen.? Als dann noch Stefan Fox, der den Abend lang auch durch das Programm führte, vier Tischtennisbälle in seinem Mund verschwinden ließ, tobte der Saal, sodass die vier gleich noch eine Zugabe brachten, ohne Extra-Aufforderung wohlgemerkt.

Die Hexengruppe suchte verzweifelt nach ihrem Auftrittsort, der sich in den Vorjahren mehrmals zwischen Schiff, Steiglehof und Steinhaus verschoben hatte. Nach vier Jahren in gleicher Besetzung machten sie sich Sorgen um ihre Verrentung und casteten die Junghexe Jule Thomma mit einem schwierigen Begrüßungstext. Den dramatischen Schwund der Kropfergruppe glossierten sie teilnahmsvoll, und nahmen auch das Neckarsträßer Liebesnest, die Dießener Schafsgrippe und die Altheimer Hotpants im Haus der Geschichte aufs Korn. Schließlich stimmten sie noch ein Klagelied über die Situation der Fasnetsbars an.

Die fragende Spannung nach dem streng geheim gehaltenen Namen wich den Fanfarenstößen den Narrenmarsches beim Einzug des neuen Grafenpaares. Mit Narri und Narro geleitete Hofmarschall Thomas Kreidler das Paar in den Saal und ließ beim Verlesen der Reime in sein Gemüt schauen, weil es ihm nicht leicht falle, den Kasper zu geben, aber: „Einen Sieg des fanatischen Terrors wird es mit uns nicht geben.?

Die weiteren Verse seines Gedichtes ließen Anteil nehmen an der aufopferungsvollen Arbeit des Narrenrates bei der Kandidatensuche. Nächtelange Alkoholexzesse erfordern dabei ein strammes Durchhaltevermögen. Da das nichts ahnende Grafenpaar an einem späten Sonntagabend überrumpelt wurde, hatten alle mit Risiken und Nebenwirkungen einen schwierigen Start in die Arbeitswoche zur Folge mit Ausnahme der nominierten Gräfin, die sich als Friseurin eines freien Montags erfreuen durfte.

Mit der Proklamation führte Kreidler Markus Blank als Grafen und Julia Gunkel als Gräfin in ihr Amt ein. Die beiden Regenten versprachen, ihr „Beschtes für euch Narren? zu geben, und sich gern vor den Horber Fasnetskarren spannen zu lassen.

Im Anschluss konnten sich die beiden vor Umarmungen und Glückwünschen nicht mehr retten. Befragt, wie viel Hofstaat erforderlich sei, sie so perfekt zu stylen, erklärte die Gräfin mit einem umwerfend strahlenden Lächeln, dass sie als Expertin dies ganz alleine schaffe.

Stefan Fox ließ gleich vier Tischtennisbälle in seinem Mund verschwinden.

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Erstellt:
16. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2015, 12:00 Uhr

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