Touchtennis

Mitgemacht und ausprobiert: Liebe auf den ersten Schlag

Zwei Kinderschläger, ein Schaumstoffball und ein kleines Tennisfeld – schon kann es losgehen. Die Trendsportart Touchtennis wird in Deutschland immer populärer. Ein Selbstversuch.

13.08.2020

Von Sascha Eggebrecht

Frauen können beim Touchtennis auch sehr gut gegen Männer mitspielen. Bild: Volker Schmid

Touchtennis kann überall gespielt werden – auf Asphalt, auf Kies, im Hinterhof, im Garten, auf dem Parkhausdach und natürlich auf einem gewöhnlichen Tennisplatz. Es ist Samstag, 10 Uhr: Mitko Derderian, Mitbegründer von Powwow, bereitet auf der Anlage des TSV Schmiden gerade die Courts für das nächste Touchtennis-Turnier vor. Die Funsportart erlebt in Deutschland einen Boom. Derderian und sein Powwow-Kollege Ingo Röthele haben im vergangenen Jahr damit angefangen, in Deutschland Turniere zu organisieren. Röthele hat das Spiel in England kennengelernt, das Rashid Ahmad 2002 entwickelt hat.

Die Anlage ist zu dieser Uhrzeit wenig besucht. Auf einem anderen Court hört man das Ploppen der Tennisbälle – eine Trainingsgruppe übt Grundschläge mit ihrem Coach. Derderian misst derweil die Plätze mit einem Meterstab ab. „Das Aufschlagsfeld darf nur drei Meter lang sein“, erklärt er. Auch sonst haben die anderen Maße des Touchtennis-Courts nichts mehr zu tun mit einem gewöhnlichen Tennisfeld, das rund 24 x 11 Meter groß ist. Es ist grob gesagt genau halb so groß. Genau: 12 x 6 Meter. „Obwohl das Spiel besonders für Anfänger und weniger erfahrene Tennisspieler attraktiv ist, die ihre Hand-Auge-Koordination verbessern möchten, können auch geübte Spieler, ihre wahre Freude haben. Mit Slams und Masters-Turnieren hat die Tour für Spieler aller Spielstärken angezogen, die wie Wahnsinnige um Ranglistenpunkte und Preisgeld kämpfen“, sagt der 43-jährige Derderian.

Die Grundlinie des Feldes ist beim Touchtennis nur sechs Meter lang. Bild: Volker Schmid

In Schmiden geht es dagegen nur um Punkte. Derderian und Röthle haben eine eigene Turnierserie gegründet. Nach Anmeldung wird jede Partie des Spielers gewertet. „Wir haben im Moment 60 Spieler in der Rangliste. Wir hoffen, dass Ende des Jahres weitere dazukommen“, sagt der Stuttgarter, der im kommenden Jahr bis zu 20 Turniere anbieten möchte. Wie das gehen soll? Ganz einfach. „Wir suchen derzeit einen Sponsor für mehrere Kisten mit dem ganzen Equipment für das Spiel. Damit können dann in ganz Deutschland Turniere ausgetragen werden. Die Ergebnisse werden – nach Registrierung – auf unserer Website eingetragen und gleich in Punkte umgewertet. So taucht dann auch ganz schnell der Name in der Rangliste auf“, erklärt der 43-Jährige, der nun die Linien auf dem Spielfeld mit einem Kreidewagen zieht. Die Bedingungen sollen schließlich perfekt sein.

Bei mir steigt derweil die Vorfreude auf das erste Touchtennis-Turnier. Ich spiele seit 1982 Tennis und kann mich noch sehr gut an die Anfänge im Kleinfeld erinnert – damals natürlich auf Asphalt an der Ballwand und mit einem Holzschläger. Auch jetzt kommt wieder ein Schaumball zum Einsatz, die Schläger sind zudem weiterhin klein – dürfen nicht länger als 54 Zentimeter sein – und es macht Riesenspaß.

Mit Fabian Haase spiele ich mich ein. Die ersten Bälle landen im Aus. Der Softball hat schon eine andere Flugeigenschaft als ein normaler Tennisball – trotzdem fühle ich mich wieder, als wäre ich sieben Jahre alt. Irgendwie ein schönes Gefühl.

Gelungene Premiere: Mit voller Konzentration bis ins Halbfinale vorgespielt. Dort kam für Sascha Eggebrecht dann aber das Aus gegen den späteren Sieger Mitko Derderian. Bild: Volker Schmid

Mit jedem weiteren Schlag werde ich mehr und mehr angefixt. Mir ist schnell klar, das Spiel hat Suchtpotential. Zudem läuft es ganz gut. Fabian Haase erzählt mir, dass er gar kein Tennisspieler ist und nur aus reiner Freude das Spiel betreibt. Davon, dass er noch nie auf einem Großfeld gespielt hat, merke ich nichts. Er spielt echt gut. „Ja, ich habe schon drei Turniere gespielt und habe mich dort immer ganz gut geschlagen. Einmal bin ich auch ins Halbfinale gekommen“, erzählt Haase mir. Respekt denke ich mir. Und wie es der Zufall so will, muss ich in meinem ersten Gruppenspiel gegen Haase ran.

Doch bevor der erste Schaumball übers Netz fliegt, erklärt Derderian noch schnell die Regeln. Denn es gibt schon einige Unterschiede zum Tennisspiel. Die größten: Es gibt nur einen Aufschlag, es darf das Netz berührt werden, berührt der Ball nach dem Service das Netz wird weitergespielt. Zudem geht ein Satz nur bis vier und beim Tiebreak müssen nur fünf Punkte geholt werden, wobei jeder immer einen Aufschlag hat und der Returnspieler sagen muss, in welches Feld serviert werden soll. Eine ungewöhnliche, aber doch sinnvolle Regel, weil ansonsten der Spieler immer ins gleiche Feld aufschlagen würde.

Immer im Vorwärtsgang: Mitko Derderian beim Vorhandschlag. Bild: Volker Schmid

Nach der Einweisung geht es endlich los. Ich gewinne die Wahl, entscheide mich, aufzuschlagen. Erste Aufschlag: Fehler. Zweiter Aufschlag: Fehler. Ich merke, der Aufschlag von oben ist schon sehr tricky. Da mein Service im Tennis auch nicht gerade der beste ist, habe ich auch hier meine Mühe und Not. Ich entscheide mich fortan, nur noch von unten aufzuschlagen. Selbst das gelingt zum Anfang nicht. Die Aufschlagslinie ist auch echt verdammt nahe dran am Netz. Aber es wird besser. Ich gewinne das Match nach 0:1-Rückstand dann doch locker. Genauso verläuft es mit den weiteren Gruppenspielen, sodass ich ungeschlagen ins Halbfinale einziehe.

Dort werden mir von Derderian schnell die Grenzen aufgezeigt. Er spielt einfach eine Klasse besser als ich. Derderian, der schon geübt in dieser Form des Tennis ist, macht kurzen Prozess – 4:0, 4:1. Bis auf ein paar schön herausgespielte Punkte, habe ich kein Land gesehen. Das ist mir alles viel zu schnell gegangen.

Aber die Niederlage ist kein Beinbruch, denn der Stuttgarter hat am Ende das Turnier gewonnen und ich habe dann noch das Spiel um Platz drei für mich entschieden. Der Lohn: In der neuen Powwow-Rangliste erscheint mein Name auf Platz 5.

Der Erfinder von Touchtennis

Touchtennis wurde 2002 von Rashid Ahmad gegründet. Seine ursprüngliche Vision war einfach – einen Sport zu schaffen, der für jedes Alter und jede Fähigkeit funktioniert und überall gespielt werden kann. Das fördert vor allem Spaß und Verbundenheit und macht die Menschen natürlich fit, energiegeladen und bewegend.

Touchtennis ist eine eingetragene und geschützte Marke unter der in England, Frankreich, Spanien, Korea, Holland, Belgien und auch Südamerika mittlerweile Profiturniere ausgetragen werden. Sponsoren wie Babolat, Wilson, Ssayang, Biosynergy, Yonex, fitbit etc. unterstützen dort seit einigen Jahren die Tour. 2017 wurden die ersten Turniere in diesem Sport im TV auf Skysports übertragen.

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Erstellt:
13. August 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. August 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. August 2020, 01:00 Uhr

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