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Interview zu Artensterben

„Faszination und Demut“

Einerseits wird das Aussterben von Tierarten beklagt. Andererseits haben wir wieder Tiere, die als ausgerottet galten. Über das Verhältnis dazu spricht Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung.

22.02.2019

Von ANDRé BOCHOW

Andreas Kinser. Foto: Popular Creative GmbH

Sind wir in Sachen Artenvielfalt auf einem guten Weg?

Andreas Kinser: Leider nicht. Es gibt einige wenige, dafür aber recht prominente, große Arten, die wiedergekommen sind. Wir haben aber Riesenverluste bei vielem, was eher klein ist. Bei Insekten, bei Feldvögeln und auch bei Pflanzen.

Der Eindruck, die Natur kehrt oder schlägt sogar zurück, ist falsch?

Ja. Er ist durch die manchmal fast schon spektakuläre Rückkehr bestimmter Arten verzerrt. Insgesamt geht das Artensterben weiter.

Welche Rolle spielt der Naturschutz zum Beispiel für die Wiederkehr des Wolfes?

Kaum eine. Der Wolf konnte sich in Deutschland erst ausbreiten, als die DDR am Ende war und auch auf ostdeutschem Territorium die Jagd verboten wurde. Selbst bei Kranichen oder Seeadlern, deren Populationen enorm angewachsen sind, liegt das vor allem daran, dass sie mit unseren Kulturlandschaften gut zurechtkommen. Das gelingt aber nur wenigen Arten.

Wölfe sind von allein zurückgekommen, andere Arten wie Luchs und Biber wurden wieder angesiedelt.

Ob man Wildtiere aktiv ansiedelt oder nicht, muss sehr gut überlegt werden. Wir von der Deutschen Wildtier Stiftung glauben, dass man das bei nur sehr wenigen, ausgewählten Arten machen sollte. Beim Luchs war das in Ordnung, weil er sich nur sehr langsam in der Fläche ausbreitet. Wir machen noch eine zweite Ausnahme – und zwar beim Feldhamster. Er ist regional bereits komplett ausgestorben und gleichzeitig gibt es eine sehr erfolgreiche Zucht mit geeigneten Tieren.

Und wozu brauchen wir den Wolf?

Ich antworte mit einer Gegenfrage: Brauchen wir klassische Musik? Für ein imaginäres ökologisches Gleichgewicht brauchen wir den Wolf nicht. An einigen Stellen hilft er dabei, alte und kranke Tiere aus Populationen zu entfernen. Aber die Wölfe werden uns nicht ernsthaft dabei helfen, hohe Schalenwildpopulationen zu reduzieren. Aber neben der schon erwähnten Faszination für Wildtiere sollte es auch so etwas wie Demut geben, angesichts der Tatsache, dass da eine Wildtierart von allein zurückgekehrt ist. André Bochow

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Erstellt:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 06:00 Uhr

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