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Ein Beruf statt 1000 Medaillen

Fechter Steffen Launer studiert Zahnmedizin

Manchmal denkt Steffen Launer an die Olympischen Spiele – allerdings an die im Jahr 2016 in Rio de Janeiro. Die Spiele im Sommer in London hat der Degenfechter aus Böblingen vor einiger Zeit abgehakt. Der Grund: Es ist nicht vereinbar mit seinem Studium in Tübingen.

31.05.2012
  • PETER WÖRZ

Tübingen. Steffen Launer hat sich für eine berufliche Perspektive, für eine Zukunft nach dem Sport entschieden. Dabei ist es nicht so, dass der 25-Jährige ihn nicht versucht hätte, den Spagat zwischen Spitzensport und anspruchsvollem Zahnmedizinstudium in Tübingen. Aber schnell hat er gemerkt, dass „dieser Spagat nicht funktioniert“.

Also hat der Juniorenweltmeister von 2006 den Sport, den er seit seinem sechsten Lebensjahr betreibt, in die zweite Reihe verbannt. Dass er dabei glücklich ist, behauptet er nicht, aber er hat die Gegebenheiten akzeptiert. „Was nützt es mir, wenn eintausend Medaillen an der Wand hängen, ich aber keinen Beruf habe“, sagt er. Das versteht auch Didier Ollagnon. Was der Bundestrainer der deutschen Degenfechter jedoch nicht versteht, ist, warum es in Deutschland so kompliziert ist außerhalb der Sportförderstrukturen der Bundeswehr „die Ressourcen, die es in Deutschland gibt, optimal zu nutzen“.

So war es nicht möglich, dass Launer einen Studienplatz in Würzburg bekommt und damit näher am Bundesstützpunkt der Fechter in Tauberbischofsheim gewesen wäre. „Wenn ein Sportler eine Perspektive für Olympia hat, dann sollte es doch selbstverständlich sein, ihm dies auch zu ermöglichen“, sagt der Franzose. Doch die Erfahrung von Steffen Launer ist eine andere: Freistellungen während seines Studiums sind teilweise mit unüberwindbaren Hürden verbunden. Rücksicht auf seine Sportkarriere – Fehlanzeige. „Das ist ein gesellschaftlicher Hindernis-Parcours“, sagt Bundestrainer Ollagnon, „man verlangt von uns Medaillen, aber wir haben nicht die Bedingungen dafür. Jeder gibt den Ball weiter.“

Steffen Launer befindet sich nun in einer Art langwierigem Wartezustand. Seine gesamte Freizeit widmet er nach wie vor dem Fechten. Zwei, dreimal die Woche trainiert er bei seinem Heimatclub in Böblingen, am Wochenende geht es nach Tauberbischofsheim. Zwangsweise hat er die eigene Erwartungshaltung heruntergeschraubt. „Ich versuche, nicht schlechter zu werden“, sagt er.

Wenn im Sommer die Weltelite in London ficht, beginnt er sein Examen. Dann kommt die Doktorarbeit, dann die Assistenzzeit und mit der möglicherweise wieder etwas mehr Zeit fürs Training. Bis dahin ist fechterische Schmalkost angesagt für eines der größten deutschen Talente im Degenfechten.

Bei den Weltcups startet Launer zwar und merkt auch, dass das Gefühl stimmt – aber um ganz vorne anzugreifen, dafür fehlt die Routine, die Intensität. Und die bekommt ein Fechter nur im Training mit den Besten. Die Vielfalt auf hohem Niveau macht den kleinen, aber entscheidenden Unterschied. Fechten ist ein Partnersport – was die Planungen erschwert. „Marathonläufer oder Mountainbiker haben es da einfacher“, sagt Launer, der immerhin auch nach seinem Studium noch eine sportliche Perspektive hat. Denn ein Fechter hat auch mit 30 Jahren noch die Chance zur Weltspitze zu zählen.

Fechter Steffen Launer studiert Zahnmedizin
Schwitzt momentan häufiger im Hörsaal und beim Lernen als mit dem Degen auf der Planche: Fechter Steffen Launer.

Auch Maximilian Keck galt als großes Degen-Talent. Der Reutlinger war engagiert, aber hat wegen seines Physikstudiums mit dem Sport „radikal aufgehört“, sagt Bundestrainer Didier Ollagnon. Auch der Weg von Steffen Launer offenbart die Misere im deutschen Fechtsport: „Man hat bestimmte Dinge einfach liegen lassen. Dabei könnten wir viel leistungsfähiger sein“, sagt Ollagnon und denkt dabei an kurze Wege, an intensivere Zusammenführung von Spitzenathleten. Dabei ist es ja nicht so, dass es an der Infrastruktur fehlt. In Tauberbischofsheim ist alles da, was das Fechterherz begehrt, dort kann auf 46 Bahnen gefochten werden. „So ein Zentrum ist einmalig in der Welt“, schwärmt Launer: „Aber es gehört eigentlich in eine Universitätsstadt. Da müsste mal umstrukturiert werden.“

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31.05.2012, 12:00 Uhr

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