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Leitartikelzum autonomen Fahren

Fehlbarer Mensch

Ein autonom fahrendes Auto von Uber ist in Arizona in einen Unfall verwickelt. Der Fahrdienstanbieter stellt die Tests daraufhin zunächst ein. Diese Nachricht stammt nicht von 2018 sondern von 2017. Damals gab es Leichtverletzte, nun stirbt eine Frau, als sie aus dem Dunkeln vor ein autonom fahrendes Uber-Auto tritt.

26.03.2018
  • Thomas Veitinger

Auch wenn die Umstände nicht geklärt sind, werden Forderungen nach einem Ende der Roboter-Fahrten laut. Dabei ist das Gegenteil notwendig, es muss mehr Erprobungen geben, damit die Technik sicherer wird. Auch wenn es zynisch klingen mag, nicht die Maschinen sind das Problem, sondern die Menschen, die sie entwickeln. Menschen sind nicht perfekt, deshalb sind es Maschinen auch nicht. Bis Maschinen selbst lernen, werden noch viele Jahre vergehen.

Aber: Maschinen können besser sein als Menschen und 90 Prozent der Unfälle verhindern. 1,2 Millionen Tote gibt es jedes Jahr weltweit im Straßenverkehr. Autounfälle sind für junge Menschen in den USA die Todesursache Nummer 1. Eine Welt ohne Unfälle – der sich Automobilhersteller und -zulieferer verschrieben haben – ist ohne Roboterautos nicht denkbar. Diese sind schneller, besser, konsequenter und werden nicht müde. Damit sich eine Technologie durchsetzt, muss sie stets besser sein als die alte – und diese ist es. Die Autobranche steckt Milliarden in die Forschung, fährt mit Versuchsfahrzeugen in gesicherten Bereichen, auf Autobahnen und in Innenstädten. Die Stadt Friedrichshafen hat einer Teststrecke im Stadtverkehr zugestimmt. Das autonome Fahren kommt. Die Frage ist nur wann – und was bis dahin noch alles passiert.

Auffallend an schweren Unfällen mit Roboter-Autos ist: Sie fanden in den USA statt. Auch der erste tödliche Unfall mit einem Roboter-Auto ereignete sich 2016 in Florida. Der Grund: Der Unterschied zu Deutschland im Technologie-, Regulierungs-, Forschungs- und Wirtschaftsverständnis. Tesla-Fahrer prahlten bereits vor zwei Jahren in Videos, dass sie auf dem Rücksitz Harry-Potter-CDs hören – am Steuer: niemand.

Es gibt eine Parallele zur E-Mobilität. Hierzulande halten sich viele große Hersteller auffallend zurück und bringen diese erst nach und nach in den Verkauf. Das wird gerne als „verschnarcht“ kritisiert, hat aber den Vorteil einer gewissen Marktreife. Nach dem Motto: 99 Prozent reichen nicht, vielleicht sind 99,99 noch nicht einmal genug. General Motors, Tesla und Uber wollen dagegen autonome Fahrzeuge schnell auf den Markt bringen. Dabei soll Uber schon länger Probleme gehabt haben, eigentlich kann das Unfall-Testauto Menschen nachts erkennen.

Die US-Hersteller sollten ihre Politik überdenken. Neben technischen gilt es auch juristische und moralische Fragen zu klären. Wer haftet bei einem Unfall? Soll das Auto bei einem unvermeidbaren Unfall Insassen oder besser Fußgänger gefährden? Internationale Standards und Zulassungsregeln sind notwendig. Es wird noch sehr lange dauern, bis man sich hierzulande im Auto ein Nickerchen gönnen kann. Das ist auch gut so.

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26.03.2018, 06:00 Uhr

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