Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Interview mit Kriminologen

Fehlende Bleibeperspektive erhöht das Risiko

24.12.2016
  • ELISABETH ZOLL

Herr Professor Pfeiffer, Sie sprechen sich für Familiennachzug aus, um die Kriminalität zu senken. Warum?

Christian Pfeiffer: Unsere guten Erfahrungen mit der Integration von Türken. Da konnten wir sehen: Männer, die für eine Familie sorgen müssen, sind anders aufgestellt als Alleinlebende. Am deutlichsten wirkt sich das bei der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen aus. In allen Kulturkreisen – auch dem deutschen – ist bei diesen jungen Männern die Gewaltbereitschaft besonders hoch. Danach geht sie mit wachsender Verankerung im Arbeitsleben und der Verantwortung für Frau und Kinder deutlich zurück.

Vorausgesetzt, sie haben Arbeit.

Selbstverständlich. Für den Familiennachzug braucht es einen gesicherten Aufenthaltsstatus und Arbeitsmöglichkeiten. Für Menschen ohne feste Bleibeperspektive macht es keinen Sinn, ihren Familienmitgliedern die Einreise zu erlauben. Wir brauchen eine Doppelstrategie: Förderung der freiwilligen Ausreise oder Ausweisung für jene, die nicht bleiben dürfen, und Integrationsangebote sowie die Aussicht auf Familiennachzug für die, die bleiben können.

Sind Flüchtlinge krimineller als Deutsche?

Menschen, die hier keine Chance auf regulären Aufenthalt haben, sind besonders in Gefahr, in Kriminalität abzugleiten. Um zu überleben, gehen manche in die Schwarzarbeit, andere werden kriminell. Ein völlig anderes Bild zeigt sich dagegen bei den jungen Migranten, die in unserem Land aufgewachsen sind. Ihre Gewaltrate hat parallel zu der der einheimischen deutschen Jugendlichen abgenommen. Insgesamt ist die Jugendgewalt in Deutschland in den letzten acht Jahren um 50,4 Prozent gesunken – und dies bei einem Migrantenanteil von einem Drittel. Offenkundig gelingt hier die Integration immer besser. Vor allem aber werden Kinder heute weniger geschlagen und mehr geliebt als früher.

In Folge der Kölner Silvesternacht ist der Eindruck entstanden, dass es gerade bei Sexualdelikten Unterschiede zwischen Männern mit und ohne Migrationshintergrund gibt.

Besonders Männer aus arabischen Ländern sind stark von deren Kultur männlicher Dominanz geprägt. Aber erneut gilt: Zu einem Problem wird das dann, wenn sie wie die Nordafrikaner der Kölner Silvesternacht zu den Verlierern der Zuwanderung gehören. Wenn dann Enttäuschung und Wut über die mangelnden Bleibeperspektiven mit Machokultur zusammentreffen, entsteht ein erhöhtes Risiko von sexuellen Übergriffen. Noch ist das kein Massenphänomen. Auch 2015 war besonders die Zahl vollendeter Vergewaltigungen wie schon in den zehn Jahren vorher weiter zurückgegangen (insgesamt minus 20 Prozent). Aber wir sollten darauf achten, dass die Zahl der Migrationsverlierer nicht weiter ansteigt. Elisabeth Zoll

Christian Pfeiffer ist ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.12.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball