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Oper

Feierliches Staatstheater

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn legen ein starkes Bekenntnis zur Generalsanierung ab.

17.03.2018
  • JÜRGEN KANOLD

Stuttgart. Es war eine Haupt- und Staatsaktion in der Stuttgarter Oper, aber ohne barocke Arien. Im riesigen, lichten Malsaal der Staatstheater am Oberen Schlossgarten traten gestern Mittag auf: ein Ministerpräsident, ein Oberbürgermeister, eine Ministerin, eine Staatssekretärin – und alle von den Grünen. Sie legten ein feierliches Bekenntnis ab: das Opernhaus sanieren und ertüchtigen zu wollen.

Das ist freilich ein Repertoireschlager seit Jahren. Es wurden gestern auch keine Verträge vor Publikum unterschrieben, keine Dekrete besiegelt oder ausgetauscht; keiner hatte einen Spaten dabei fürs Gruppenbild. Es war nur ein Zwischenspurt auf dem langen Weg zu diesem Großprojekt des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart (beide bezahlen paritätisch). Selten aber, dass ein Ministerpräsident des Landes derart die Kultur feierte, ja Winfried Kretschmann, der Grüne, sah sich in seiner Ansprache vor der Presse gar in der Nachfolge des CDU-Regenten Lothar Späth, der einst sonnenkönighaft die Kultur favorisiert hatte.

Es steht ja auch eine „Jahrhundertaufgabe“ an, denn die Generalsanierung und Erweiterung der mehr als 100 Jahre alten Littmann-Oper am Eckensee ist unbezweifelt nötig – und wird gut 400 Millionen Euro teuer. Stopp: Nein, die konkreten Kosten wurden nicht genannt. Im Gegenteil: Kretschmann fürchtete den „Fluch der ersten Zahl“. Eine ausgesprochene Kostensumme, die später aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zu halten sei, untergrabe das Vertrauen in die Politik. Er denkt offenbar an Großprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie, die Kölner Oper oder die Berliner Staatsoper – von Stuttgart 21 ganz zu schweigen. Immerhin: Es werde ein „dreistelliger Millionenbetrag“ sein. Klar. Gelächter im Saal.

In Karlsruhe ist man da übrigens weiter: 275 bis 325 Millionen Euro sind für die Sanierung des Badischen Staatstheaters veranschlagt. Was dann, zusammengerechnet, fürs Land und die beiden Städte Stuttgart und Karlsruhe staatstheatermäßig am Ende sogar die Euro-Milliarde kratzen könnte.

Zurück zu den Bekenntnissen: Baden-Württemberg sei nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein weltweit beachteter Kulturstandort. Das Stuttgarter Ballett oder die Oper seien „Aushängeschilder wie der Daimler und sein Stern“, sagte Kretschmann. Deshalb sei die „echte Großinvestition“ für das Opernhaus eine Entscheidung von historischer Tragweite. Ein grüner Ministerpräsident darf freilich in keiner kulturpolitischen Rede die Kultur in ihrer ganzen Breite vergessen („bei uns gibt es keine Provinz, nur ländlichen Raum“), aber gestern war die Weltspitze der Hochkultur der Maßstab: „Wir werden alles dafür tun – was unsere Ressourcen erlauben.“

Auch Kunstministerin Theresia Bauer, die diesem Tag „entgegengefiebert“ hatte, sprach von einer „absolut notwendigen“ Maßnahme, einem „Qualitätssprung“ für die Oper. Dabei geht es bekanntlich nicht allein um eine Sanierung, sondern um moderne Funktionalität, etwa um eine neue, großflächige Kreuzbühne, damit die Oper mehrere Kulissen parallel lagern kann. Und auch die „Durchlässigkeit zur Öffentlichkeit“ ist ein Thema: das Opernhaus gastronomisch dem Stadt-Publikum zu erschließen.

Fritz Kuhn, Oberbürgermeister der Wilhelma-Stadt, bemühte einen tierischen Vergleich: „Wir wären vom Affen gebissen, wenn wir die Oper nicht sanieren würden.“ So schnell „wie irgendmöglich“ solle das geschehen und dann das Haus für die Zukunft, für die nächsten 50 Jahre, abgesichert sein. Kuhn teilte deshalb auch den neuen Ideen des Stuttgarter Architekten Arno Lederer eine Absage. Der schlägt vor, das Katharinenstift abzureißen und dort, in der Achse der Staatstheater, eine Interimsspielstätte zu bauen, die später als Konzerthaus genutzt werden könne. Kuhn: „Der Zug zum Paketpostamt ist abgefahren, und es gibt keine Rückfahrkarte.“

Apropos Zug: Wie sieht der Fahrplan aus? 2021/2022 könnte mit dem Bau des Ausweichquartiers im alten Paketpostamt (nahe Mineralbäder) begonnen werden, das dann von 2023/2024 an bespielt werden könnte. Das Opernhaus würde damit 2024 geschlossen für die Sanierung – und das, sagte Finanzstaatssekretärin Gisela Splett, wäre noch ein „ehrgeiziger Zeitplan“.

Auch der künftige Opernintendant Viktor Schoner, der nach dieser Saison die Nachfolge Jossi Wielers antritt, hörte sich die Bekenntnisse an. Sein Vertrag läuft zunächst bis 2024. Bis dorthin wird er noch nicht mal in eine Interimsspielstätte wechseln müssen. Also die Zeit läuft.

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17.03.2018, 06:00 Uhr

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