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Sportschießen: Beate Gauß aus Reusten will in London aufs Treppchen

Feinjustierung für die Medaille

Beate Gauß aus Reusten hat sich erstmals für die Olympischen Spiele qualifiziert. In London wird die Sportschützin mit dem Luftgewehr auf der Zehn-Meter-Distanz antreten. Und nur dabei sein, das ist der Sportsoldatin zu wenig: „Ich will eine Medaille“, sagt die 28-Jährige.

19.07.2012
  • PETER WÖRZ

Reusten. Beate Gauß hatte eigentlich keine Wahl. Die Sportschützin ist mit dem Geruch von Pulverdampf und Waffenöl in der Nase aufgewachsen. Ihr Vater Roland Walter Gauß ist Büchsenmachermeister und hat in Reusten ein Waffengeschäft. Er war Schütze in der Schützengesellschaft Seebronn, ebenso wie der Bruder von Beate Gauß.

Und dort hat auch die Laufbahn der 28-Jährigen begonnen, die heute eine der weltbesten Sportschützinnen ist. „Ich bin sehr froh, dass ich eine Familie habe, die mich so unterstützt hat“, sagt Beate Gauß im Rückblick. Die Kilometer sind ungezählt, die sie auf ihrem sportlichen Weg – auch im Familienauto – zurückgelegt hat. Dieser Weg führt sie nun nach London, zu ihren ersten Olympischen Spielen.

Ihr Ziel auf der Insel: den Vorkampf überstehen, aus dem die besten acht Schützinnen in das Finale kommen. „Wenn ich das geschafft habe, dann greife ich voll an“, sagt Beate Gauß. Dass ihr das gelingt, daran hat auch Frank Köstel keine Zweifel. „Das Finale kann sie auf jeden Fall schaffen“, sagt ihr Partner, der seit vier Jahren auch ihr Trainer ist.

Seit 2005 lebt Beate Gauß in Bruchsal, wo sie sich als Soldatin in der Sportfördergruppe ihrem Sport widmen kann. Gleichwohl hat sie sich neben ihrer Schießsportkarriere inzwischen auch ein zweites Standbein geschaffen und ein Fernstudium in Gesundheit- und Pflegemanagement abgeschlossen. „Ich wollte für die Zukunft vorbauen“, sagt sie und betont gleichzeitig: „Ich betreibe das Schießen immer noch mit Leidenschaft.“

Zwei Sätze genügen ihr, um den Kern dessen zu beschreiben, womit sie den Großteil ihrer Zeit verbringt: „Schießen ist eine einfache Sportart. Man erkennt die Leistung sofort an der Ringzahl auf der Zielscheibe – und die will man immer verbessern.“ Etwas komplexer ist es, dieses Vorhaben zu verwirklichen.

Für die Spiele in London absolviert sie indes kein spezielles Vorbereitungsprogramm. Beate Gauß wüsste auch gar nicht, wo sie noch mehr tun könnte. „Ich fliege und fahre von Wettkampf zu Wettkampf, bin eh kaum zu Hause und trainiere sowieso viel“, sagt sie. Neben Köstel vertraut sie dabei ihrem Mentaltrainer Rainer Hatz („Mit seiner Hilfe habe ich mich wesentlich weiterentwickelt“) und der Physiotherapeutin Meike Müller („Ihr Mann ist ein Schütze, sie weiß also, worauf es ankommt“).

Unter anderem kommt es auf das gewisse Gleichgewicht zwischen Kopf und Körper an. Neben einer perfekten Technik entscheidet auch die Fähigkeit, in sich hineinhorchen zu können und das taktische Verhalten entsprechend anzupassen. Diese Feinjustierung bringt den Erfolg. „Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeigen, dass sich Beate immens gesteigert hat“, sagt Frank Köstel. Neben Spitzenplatzierungen bei diversen Weltcups sind es in erster Linie die zweiten Plätze bei den Europameisterschaften 2009 und 2010, die sie selbst als die schönsten Erfolge einstuft.

Das wurde bislang nur noch vom Weltcupfinale 2010 überboten. Da hat Beate Gauß den Weltrekord eingestellt. 400 Ringe – mehr geht nicht. 40 Schuss in die Zehn, das ist das Optimum in ihrer Sportart. 400 Ringe hat sie auf die Zehn-Meter-Distanz schon öfter geschossen, aber die Kunst besteht darin, es im entscheidenden Moment in die Tat umzusetzen.

Bei der Olympia-Qualifikation für die Spiele in Peking 2008 ist ihr das nicht gelungen, den verbandsinternen Ausscheidungswettbewerb hat sie auf Platz drei beendet. Bei den Frauen gibt es nur zwei Startplätze. Für die Spiele in London hat der Deutsche Schützenbund (DSB) die Qualifikationskriterien geändert und nominierte die Schützinnen, die für den DSB die Quotenplätze sicherten. Mit dem Luftgewehr gelang dies neben Jessica Mager (Solingen) Beate Gauß mit Rang sechs bei der Weltmeisterin 2010 in München.

Seither arbeitet die Reustenerin für einen Traum, den sie sich in London erfüllen möchte: „Ich will eine Medaille.“

Feinjustierung für die Medaille
Beate Gauß hat den Weltrekord schon eingestellt, eine olympische Medaille fehlt noch.Bild: Baumann

In der August-Ausgabe des Playboy lassen fünf Olympia-Starterinnen die Hüllen fallen – darunter auch Beate Gauß. Nur ein Gewehr darf noch aufs Foto mit der Sportschützin. Außerdem posierten Wasser-Springerin Christin Steuer, Sportgymnastin Regina Sergeeva, Hockey-Spielerin Christina Schütze und Schwimmerin Angela Maurer nackt für das Männermagazin.

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19.07.2012, 12:00 Uhr

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