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Vermissen Erstklässler den Unterricht?

Ferienfreitag mit etwas Schule

Gibt es etwas Schöneres als Ferien? Ja, Schule! Oder wie sehen Kinder das nach ihren Erste-Klasse-Erfahrungen? Wir sprachen mit zwei Mädchen und zwei Jungs über ihr Verhältnis zu Schule, dem Leben ohne sie, über Taschenmesser und Komodowarane.

07.08.2012
  • Ulla Steuernagel

Tübingen / Rottenburg. Luis Janßen und Ole Besenfelder sind beide sechs Jahre alt und gehen in eine altersmäßig gemischte Klasse in der Französischen Schule. Sie sind erst ein halbes Jahr Schüler, denn ihre Schule nimmt Erstklässler auch während des laufenden Schuljahres auf. Kaum in der Schule angekommen, werden die Schüler also schon wieder in die großen Ferien geschickt. Das kann bitter sein. Vermissen die beiden die Schule schon?

Luis räuspert sich bedeutungsvoll: „Hmmhmmmh! Nööö!“ Die beiden Freunde kämpfen gerade mit einem anderen Problem: Sie sind mit dem Öffnen von Gummibärchentüten beschäftigt. Ole schleudert den Inhalt versehentlich auf den Boden. Beim Aufsammeln braucht er keine Hilfe. „Ich hab schließlich gute Augen!“ antwortet er souverän.

Luis greift währenddessen die Schulfrage auf. „In der Schule müssen wir immer diese Einser-, Einser-, Einser-, Einser-Sachen machen!“ mault er. Immer gebe es da Extras für die Erstklässler: Einser-AGs und Einser-Zeiten. Was bitte sind Einser-Zeiten? „Da müssen wir immer spielen!“ sagt Luis. Und Ole: „Irgendwann geht einem das auf die Nerven!“ Er setzt hinzu: „Schule ist doch kein Kindergarten. Wir wollen arbeiten!“ „Wir wollen arbeiten“, fällt auch Luis ein und lacht. Oles großer Bruder habe ihnen aber verraten, dass die „Schule schon noch besser“ werde. Dass sie dann auch endlich Hausaufgaben bekommen.

Man könnte meinen, die Ferien kämen den beiden gar nicht gelegen. Er werde da ganz viel schreiben, behauptet Luis. Er habe auch schon mal eine Postkarte an seine Klasse, die „roten Füchse“, mit ganz langem Text verfasst. Darauf sei gestanden: „An alle roten Chaoten im Meer. Hier gibt’s nicht viel Verkehr. Der Campingplatz ist toll und auch gar nicht voll!“ Ja, er schreibe auch immer ganz viele Karten, sagt Ole nun ebenfalls. Währenddessen versucht er, mit dem Taschenmesser ein Gummibärchen zu zersäbeln. „Gummibärchen kann man nicht durchschneiden“, lautet das Ergebnis dieses Versuchs.

Das Messer darf er mit in den Urlaub nehmen. Die Familie fährt auf einen Bauernhof in den Vogesen. „Und da schnitz‘ ich den ganzen Tag“, so Ole. Mit seiner Schule ist er in dieser Hinsicht sogar zufrieden. Da gebe es nämlich Zeltlager. „Und da kann man schnitzen.“

Und Luis – wo fährt er in den nächsten Wochen hin? „Das ist unterschiedlich“, erklärt er. „Manchmal dahin, manchmal dahin und manchmal dahin!“ Seine Mundharmonika nimmt er jedenfalls mit. Er setzt sie an die Lippen, bläst hinein und saugt die Luft wieder an.

Hannah Gaus geht in die 1. Klasse der Hohenbergschule in Rottenburg. Zum Gespräch hat sie ihren Komodowaran, ihre Taucherbrille und einen Schnorchel mitgebracht – all das wird in der kommenden Zeit wichtig für sie sein. Und ihre Bilanz nach dem ersten Jahr Schule: „Ich mag die Schule gern!“ Kann sie sich dann überhaupt über Ferien freuen? „Ahämmm!“ sagt sie und nickt.

Die Plastikechse wird derweil hin und her gebogen. „Das ist ein Komodowaran“, erklärt Hannah. Die Echsen könnten drei Meter lang werden, aber wenn sie eine treffen würde, hätte sie keine Angst. „Ich kann dir auch einen Grund nennen, warum Ferien schön sind“, sagt sie dann. „Da fahre ich nämlich mit meinen Eltern weg.“ Und schön ist auch, dass ihre Freundin Erja Goretzky und deren Familie mitkommt. „Ich find‘ Ferien voll schön“, sagt Erja. Sie ist ebenfalls sieben Jahre alt, geht in die Waldorfschule und ist nicht ganz so schulbegeistert wie ihre Freundin. „Früher wollte ich immer Hausis (Hausaufgaben) haben, jetzt find‘ ich sie blöd“, sagt Erja.

Nur die Hausaufgaben aus Wolle mag sie gerne. Handarbeit ist nämlich ihr Lieblingsfach. „Ich hab schon ein Puppenbett gestrickt, ein Stickbild mit einem Wal gemacht und jetzt bin ich gerade bei einer Flötenhülle.“ Bei Hannah ist „MNK“ (Mensch, Natur, Kunst) das allerliebste Lieblingsfach. Das hat sie immer freitags. Am liebsten würde sie dieses Fach mit in die Ferien nehmen. Oder wie wär’s, wenn die Ferien immer freitags Pause machen würden?

Hannah und Erja werden mit ihren Eltern in Frankreich und Spanien auf Campingplätze gehen. „Wir haben den extremen Vorteil“, erzählt Erja, „wir können auch im Auto schlafen.“ Hannah ist mit ihren Bedingungen aber auch extrem zufrieden: „Ich habe ein Riesenzelt“, sagt sie stolz. Und schwimmen, können sie das auch schon? „Klar!“ sagt Hannah, hebt ihr T-Shirt und zeigt das Seepferdchen-Abzeichen am Badeanzug. Erja kann selbstverständlich ebenfalls schwimmen, nur mit dem Tauchen hat sie Probleme, seit sie sich mal verschluckt hat.

Ferienfreitag mit etwas Schule

Ferienfreitag mit etwas Schule

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07.08.2012, 12:00 Uhr

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