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Fernbehandlung gegen den Ärztemangel
Elektronische Visite in einer Seniorenresidenz: Ein Pilotprojekt zu Fernbehandlung läuft in Baden-Württemberg langsam an. Foto: dpa
Medizin

Fernbehandlung gegen den Ärztemangel

Sprechstunde am Computer? Das soll ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg ermöglichen. Die Landesärztekammer prüft erste Anträge.

28.04.2017
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Sprechstunde ausschließlich per Skype? Eine ärztliche Diagnose, die nur auf Grundlage von Videochats, Fotos und Telefon zustande kommt? Bisher ist das in Deutschland verboten. Die Ärzte selbst schließen „Fernbehandlungen“ in ihren Berufsordnungen aus. Erlaubt sind sie lediglich als Ergänzung des direkten, persönlichen Arzt-Patienten-Kontakts – wenn man nach dem Arzttermin nochmal telefoniert oder Fotos einschickt beispielsweise.

Doch das Verbot könnte fallen – und Baden-Württemberg vorangehen. Die hiesige Landesärztekammer hat vergangenes Jahr ihre Berufsordnung geändert und damit „den Startschuss zur Bewerbungsphase für Fernbehandlungs-Modellprojekte gegeben“, wie es der Präsident der Kammer Ulrich Clever ausdrückt.

„Erstmals in Deutschland gestatten wir, dass ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden“, sagt er. Auch Landes-Sozialminister Manne Lucha lässt ausrichten, er halte „diese modellhafte Lockerung der Regeln“ für zukunftsweisend und habe sie daher genehmigt.

Viele Bewerber für Versuche

Seit 1. April läuft die Erprobungsphase: Baden-württembergische Mediziner können sich mit Konzepten zur ausschließlichen Fernbehandlung für entsprechende Modellprojekte bewerben. Ob die genehmigt werden, werde sorgfältig geprüft. Clever sagte, es hätten sich seitdem schon „eine Menge“ Bewerber gemeldet, Zahlen wollte er nicht nennen. Laut Lucha könnten die Modellprojekte „neue Versorgungsmöglichkeiten eröffnen und einen wichtigen Beitrag in der Patientenversorgung nicht nur in strukturschwachen Regionen leisten“.

Ziel der Erprobung, sagte Clever, sei nicht eine Verlagerung der ärztlichen Versorgung, es gehe um Ergänzungen. Die Ärzte wollten neue, digitale Möglichkeiten nicht rundweg ausschließen, sondern prüfen, ob und wie das traditionelle Arzt-Patienten-Gespräch ergänzt werden könne. „Wir wollten nicht in die Situation geraten, dass in Baden-Württemberg alles verboten ist, aber zugleich jeder die Möglichkeit hat, sich im Internet an fragwürdige Anbieter oder indische Callcenter zu wenden“, sagte Clever.

Ausschließliche Fernbehandlung ist in vielen Ländern zulässig, etwa in der Schweiz. Es gebe auch deutsche Ärzte, die in die Schweiz pendeln, und von dort aus solche Beratungen anbieten. Der Druck, so etwas auch hier zuzulassen, sei hoch.

Mehr Fernbehandlungen könnten möglicherweise helfen, dem Ärztemangel zu begegnen. In manchen Gegenden fehlen Ärzte; besonders Allgemeinmediziner auf dem Land. „In den nächsten fünf Jahren werden in Baden-Württemberg etwa 500 Hausärzte fehlen“, sagte Clever.

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28.04.2017, 06:00 Uhr

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