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Von Tübingen aus sind immer mehr Städte auch per Direktbus erreichbar

Fernbus gegen Fernweh

Ob zum Hauptstadtbummel nach Berlin, zum Feiern nach Düsseldorf oder zum Shoppen nach München: Immer mehr Menschen nutzen den Fernbus. Besonders in Universitätsstädten wie Tübingen ist er ein beliebtes Verkehrsmittel.

28.08.2014

Von Lisa Hellriegel Ellen Skuza

Tübingen. Jeden Morgen ist es voll an Bussteig A am Tübinger Omnibusbahnhof. Denn hier fahren innerhalb kurzer Zeit Busse nach München, Leipzig, Berlin und Stuttgart ab. Zusammen mit anderen Reisenden warten die Tübingerinnen Isabell Schmidt und Jenny Rauscher (beide 20) auf ihren Fernbus nach München. Sie werden zum ersten Mal mitfahren und waren beim Vergleich zwischen Bus und Bahn begeistert von den günstigen Angeboten und „davon, dass man nicht umsteigen muss“.

Wie ihnen geht es vielen Fernbusreisenden: Pünktliche Abfahrtszeiten, unkomplizierte Gepäckmitnahme und niedrige Preise motivieren immer mehr Menschen, von der Bahn auf den Bus umzusteigen. Die hohen Parkgebühren in Großstädten sprechen zudem dafür, das Auto stehen zu lassen. Darüber hinaus ist die Fahrradmitnahme meist gegen eine geringe Pauschale möglich.

Ein weiterer Vorteil von Fernbussen ist ihre Umweltverträglichkeit. So haben sie nach Angaben des Anbieters „Mein Fernbus“ die beste Klimabilanz pro Fahrgast. Das kommt offensichtlich gut an. So verzeichnet beispielsweise die Tübinger Omnibusgesellschaft Kocher-Lutz mit ihrer „Münchenlinie“ laut Pressesprecherin Sonja Kocher einen „deutlichen Aufwärtstrend der Fahrgastzahlen“. Obwohl die Linie erst im zweiten Jahr verkehrt, hat sie „schon viele Stammkunden gewonnen“. Neben der Tübinger Firma fahren noch die überregionalen Unternehmen „Mein Fernbus“, „Dein Bus“, „Flixbus“ und „Eurolines“ Tübingen an. Monatlich ergibt dies 1300 Abfahrten.

Bundesweit wurde laut einer Analyse des Buchungsportals „Fahrtenfuchs“ im August ein Rekordniveau von über 30 000 Fahrten auf 230 innerdeutschen Linien im Monat erreicht.

Berlin ist die weiteste nationale Strecke

Fernbusse gibt es in Deutschland zwar erst seit 2012. In dem Jahr wurde der Fernverkehr erstmals für Busse geöffnet. Die Auswahl der Ziele ist trotzdem bereits groß. Auch Tübingen ist an die meisten größeren Städte angeschlossen. So kommt man in etwa neuneinhalb Stunden für circa 28 Euro nach Berlin. Dies ist die weiteste nationale Direktverbindung ab Tübingen und wird dreimal pro Tag angeboten. Neben Köln und München ist Berlin das erklärte Lieblingsziel der Tübinger und besonders an den Wochenenden meist ausgebucht.

Nimmt man einen Umstieg in Kauf, kommt man sogar bis an die Ostsee: In 18 Stunden kann man bei „Mein Fernbus“ für 43 Euro nach Rügen fahren. Es gibt aber auch Möglichkeiten für Tagesausflüge. So verbindet eine eigene Linie Tübingen mit dem Europapark Rust.

Laufend wird das Streckennetz ausgebaut: Seit Mitte August gibt es bei „Mein Fernbus“ zum Beispiel eine neue Linie von Tübingen nach Köln, Düsseldorf und Essen. Weitere Ziele sind in Planung, denn von Tübingen aus gibt es beispielsweise momentan wenige Direktverbindungen nach Nord- und Ostdeutschland. So bedauert der 25-jährige Student Jonatan Suarez-Palomino: „Mit dem Bus komme ich nie direkt von Tübingen nach Hamburg und eine alternative Verbindung von Stuttgart aus braucht fast zwölf Stunden.“ Deswegen hat er sich nach einer Mitfahrgelegenheit umgeschaut. „Flixbus“ plant jedoch, diese Lücke zu schließen, und in Zukunft unter anderem Hamburg und Dortmund als neue Direktziele ins Programm aufzunehmen.

Laut Angaben des Unternehmens „Dein Bus“ stellen junge Leute und Studenten die größte Gruppe der Fernbusreisenden dar. Deshalb werden besonders viele Universitätsstädte angefahren. So liegen unter anderem Mannheim, Heidelberg, Freiburg und Konstanz im Streckennetz. Der 23-jährige Tübinger Student Florian H. fährt beispielsweise regelmäßig mit dem Fernbus in seine Heimatstadt Leipzig. „Auf die Schnelle ist das die einzige Möglichkeit, günstig und spontan nach Leipzig zu kommen“, sagt er. Während man bei der Bahn häufig auf langfristige Planung wegen der Sparpreise angewiesen ist, lassen sich Fernbusfahrten teilweise ohne Preisaufschlag bis zu einer halben Stunde vor Abfahrt buchen.

Direkt nach Zürich oder Katowice

Wen es weiter wegzieht, der kann von Tübingen aus ohne Umstieg teilweise sogar täglich mit „Eurolines“ in acht polnische Städte, unter anderem Katowice und Opole, fahren. Außerdem gibt es eine Direktverbindung nach Zürich: Mit „Mein Fernbus“ erreicht man in circa sieben Stunden die Schweizer Metropole.

Fast alle europäischen Hauptstädte, wie zum Beispiel London, Paris, Rom und Madrid, sind von Stuttgart aus direkt mit „Eurolines“ zu erreichen. Besonders im internationalen Vergleich fällt allerdings der zeitliche Unterschied zwischen Bus und Bahn auf. So braucht man mit der Bahn von Stuttgart nach Paris etwa vier Stunden, mit dem Fernbus hingegen bis zu zehn Stunden.

Ob nach Berlin oder München – vom Tübinger Omnibusbahnhof starten wöchentlich 324 Fernbusse.Bild: Metz

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Erstellt:
28. August 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. August 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. August 2014, 12:00 Uhr

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