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Die Kuh fliegt weiter

„Fest & Musik“ – Situationist plant großes Spektakel

Wie lang ist es her, dass eine fliegende Kuh gesichtet wurde? Zu lang, meint Albert Günther. „Die Kuh fliegt weiter“, ein großes Fest mit Musik, landet im September in Nehren.

28.06.2012

Von Jürgen Jonas

Nehren. Pressegespräch im Kuhstall der Familie Klett auf dem Nehrener Pfaffenhof. Warum nicht? Stellt sich der neue Bauernpräsident vor? Aber nein, mit der Landwirtschaft direkt hat die kleine Konferenz für Journalisten nichts zu tun. Es geht um „Fest & Musik“ in der Turn- und Festhalle Nehren. Auf einem Vordach wird dort irgendwann eine Kuh aufgestellt, mit Flügeln versehen, aus dem Tübinger Skulpturenpark stammend. Genau fünf Jahre ist es her, dass Albert Günther in der Tübinger Panzerhalle sein „Die Kuh fliegt“-Festival anbot. Jetzt fliege sie eben weiter.

Geistreiches mit frischem Emmentaler

„Das Euter tropft schon“, muss gemolken werden. Am Samstag, 22. September, wird das passieren. In Zusammenarbeit mit Esther Jaißle vom Jugendbüro Steinlach-Wiesaz. Günther wohnt seit vielen Jahren in Nehren, seinen Arbeitsplatz hat er in Tübingen, wo er eine Wohngruppe leitet.

Auf einem kleinen Tisch mit weißer Decke, aufgebaut vor dem Kuhstall, gibt er einen Einblick in seine Gedankenwelt. Da liegt ein großes Stück frischer Emmentaler-Käse aus dem Allgäu für die Journalisten. Fromme Traktätchen wie „Der Rosenkranz und seine zwanzig Geheimnisse“. Und grundlegende Schriften des Situationismus. Guy Debords „Die Gesellschaft des Spektakels“. Auch das neueste Buch des marxistischen Philosophen Oskar Negt. Günther fühlt sich den Gedanken der Situationisten verpflichtet, einer politischen und künstlerischen Aktionsgruppe, die, im „Umherschweifen“, Glückverheißungen und Kunstversprechungen in die Realität überführen wollte. Vor vierzig Jahren gab sie ihre Selbstauflösung bekannt, ihr Geist gespenstert weiter.

Ein prallgefülltes Programmpaket für den September hat Günther, viele Kontakte nutzend, geschnürt. Bürgermeister Egon Betz spricht zur Eröffnung um 16 Uhr freundliche Worte. Danach Tischkickerturnier mit Familie Forna bis um sechs, wozu es „Dosenmusi“ gibt, aufgelegt von Tobias Designy. Schon erscheint die Jugendkapelle des Musikvereins Nehren, dann eine weitere Nehrener Attraktion, die „Young Ladies & Master Alessandro“ vom Zirkus Nehrondo führen Tänze mit Tüchern vor. Es folgt das „Camping-Orchester“, mit „fideler Kreuz- und Quermusik“, dargebracht durch Michael Stoll (Kontrabass, Flöte, Gesang) und Wolfram Karrer (Akkordeon, Gesang). Die „Changeable G?s“ sind, wie Jaißle sagt, eine „Street-Dance-Gruppe mit DuGoNe-Besetzung, wirklich bunt gemischt“, hat schon den Lilli-Zapf-Preis eingeheimst. „Dyankadis“ arbeitet mit Trommeln und stimmt rhythmisch in den Abend ein, der mit der Türkischen Volkstanzgruppe aus Mössingen eröffnet wird. „Alle reden von Integration, wir machen sie“, sagt Günther dazu. Weiter: Die „Teenie Pop Gang“ hieß vormals „ReimReich“, erwuchs aus dem Karl-von Frisch-Gymnasium, stellt sicher Stücke aus der aktuellen CD vor. „Alive in Memories“ ist in der Gegend auch nicht unbekannt. Und „Splice“ kennt man sowieso. Ein rasanter Abend.

Getränke werden natürlich auch angeboten, allerlei Kuhlinarisches ebenso. Doch „es geht nicht um Kommerz!“ Das weist Günther von sich. „Wir machen es umsonst und unterm Dach.“ Er will was für die jungen Leute tun, „mehr Angebot im Dorf reduziert auch den gefährlichen Disco-Tourismus“. Jaißle arbeitet „im Hintergrund“ mit, immer daran interessiert, dass hiesige Bands eine Auftrittschance bekommen. Jugendliche müssen Ausweis und Partypass mitbringen. Den Security-Bereich übernehmen die Mössinger PG?s.

„Pute“ ist gar nicht groß erstaunt

Und für allerlei Überraschungen ist der umtriebige Günther-Geist immer gut. Die Kühe mümmeln gerade eifrig, doch einträchtig ihr zweites kräftiges Frühstück weg. Der Situationist frägt die Kuh „Pute“, eine von 120 in diesem Stall, ob sie mittut. Setzt seine Trompete an des Maules Lippen. Pute ist gar nicht groß erstaunt. Zeigt rechten Situationistengeist. Bläst zart hinein. Günther erwartet durch die coole Kuhlandung, die er inszeniert, bescheiden, „dass in Nehren ein Wunder geschieht, eine Art Erweckung“. Motto der ganzen Sache: „Das beste, was wir tun können, ist, einander freundlich zuzuwinken.“

Info Mehr zum spektakulären Fest unter www.diekuhfliegtweiter.de

Die wohl ungewöhnlichste Pressekonferenz des Jahres fand gestern Morgen im Kuhstall der Familie Klett auf dem Nehrener Pfaffenhof statt: Da blies eine Kuh, ganz sanft, Trompete.

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Erstellt:
28. Juni 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Juni 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2012, 12:00 Uhr

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