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Weltmusik-Diva bereicherte Abschieds-Gala

Fetzig in Musik und Mode

Pfiffige Mode aus Afrika und Weltklasse-Musiker/innen beflügelten die Benefiz-Gala des Afrika-Festivals am Sonntagabend im Sparkassen-Carré. Das Programm hätte mehr als 150 Gäste verdient gehabt.

14.08.2012
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Eine Modenschau war einer der Hingucker der Gala am Sonntagabend, denn Stoffe aus Togo, Ghana oder dem Kongo können schmalen Cocktail-Kleidern einen neuen Wow-Effekt geben. „Es gibt nicht nur Armut in Afrika, es gibt Schönheit und Farbe“, rief die Festival-Organisatorin Susan Tatah vom Kamerun-Kulturverein Reutlingen den Zuschauern zu. Sie moderierte den Abend.

Einmal traten zehn Models gleichzeitig auf, scheinbar im gleichen sommerlichen Trägerkleid mit geometrischen Mustern in Orange, Sand, Türkis und Blau. Der Schnitt war individuell nur ganz leicht variiert, je nachdem, wie hoch geschlitzt frau sich präsentieren wollte.

„Es ist typisch afrikanisch, dass man sich zu einer festlichen Gelegenheit den gleichen Stoff kauft und im gleichen Kleid erscheint – was für Europäerinnen undenkbar wäre“, erläuterte im Publikum Gisela Schneider, Leiterin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen, einem der Festival-Mitsponsoren.

Die drei Musiker der Tübinger Formation Kayra Percu schienen spontan ein scheinbar grenzenloses rhythmischen Gewebe ohne fortschreitende Melodie zu beschwören. Nach wenigen Minuten fielen die Zuschauer ein und klatschten mit. „Je nach Anlass – Hochzeiten, Namensgebung, Initiationsriten – wählt man bestimmte Trommelrhythmen“, erläuterte Aly Bayo, der bei Kayra Percu die Trommel Sourouba spielt, auf Bass gestimmt.

Wie tanzbar dieser Sound ist, zeigte eines der Models, in einem eher traditionellen, bodenlangen Gewand in glänzendem Pink. Bitty Mbaye aus Senegals Hauptstadt Dakar wirbelte so schnell über die Bühne, dass man die einzelnen Bewegungen kaum unterscheiden konnte, und ihre zu feinen Zöpfchen geflochtenen langen Haare flogen nur so. Die Profi-Tänzerin lebt mittlerweile im französischen Angers.

Ein fast träumerisches Klanggewebe aus Querflöte (Alberto Barreira) und akustischer Gitarre (Adrian Reiter) trug die erste Nummer der Sängerin Layori. Die in München lebende Nigerianerin gilt als Weltmusik-Diva. Ihre ungeheuer wandelbare Stimme kann auch deutlich jazzige Tiefen ausloten – beispielsweise bei dem ausnahmsweise englischen Refrain „Life is short“. Gewöhnlich singt Layori in ihrer Herkunftssprache Yoruba.

In einem weiteren Song wirkte ihre Stimme, rhythmisch und lautmalerisch eingesetzt, fast wie ein drittes Instrument neben Querflöte und Gitarre. Weichgespülte Weltmusik-Klischees wird man bei Layori nirgends hören. Erst nach zwei Zugaben ließen die Zuhörer sie von der Bühne.

Am späteren Abend rissen die Extrem-Percussionisten von Mama Afrika die Gäste endgültig von den Sitzen. Mit Gastmusiker Aziz Kuyateh an der Kora, der westafrikanischen Stegharfe, gelangen ihnen unglaubliche Wechselrhythmen, rasant, beinahe sich überstürzend. Die Kora kann hart metallisch klingen oder weiche Kalypso-Klänge hervorbringen. Dann spielte jemand ein härteres Percussion-Motiv dagegen, und jeder Anflug von Kalypso-Duseligkeit war schnell verschwunden.

Eine Comedy-Note brachte der Allroundkünstler Dr. Ibou ins Programm. „Ursprünglich aus dem Senegal“, lebt er seit 25 Jahren im Saarland. Als Germanist sei er „ein großer Fan von Goethe, Schiller, Thomas Mann“. Denn: „Ich liebe diese Schachtelsätze.“ Einmal beschloss er, sich an Fasching als Goethe zu kostümieren, vom Kopf bis zu den Schnallenschuhen. „Nur die Hautfarbe hat mir gefehlt. Ich war Goethe in Schwarz.“

In seiner Anfangszeit in Deutschland 1987 soll ein Junge in einem Saarbrücker Geschäft ihn einmal gefragt haben: „Bist du echt?“ Manchmal beneide er die deutschen Kinder, sagte der bikulturelle Kabarettist. „Sie bestimmen alles.“ In Afrika dagegen seien Eltern „heilig“. Einmal „dumme Kuh“ gesagt – „das überlebst du nicht“, so Dr. Ibou.

Fetzig in Musik und Mode
Die nigerianische Weltmusik-Diva Layori hat auch jazzige Klänge im Repertoire. Sie war einer der Stars bei der Afrika-Gala am Sonntagabend im Tübinger Sparkassen-Carré.Bild:Faden

Das Afrika-Festival Tübingen ruft noch bis Oktober zu einer Spendenaktion auf. Fünf Euro reichen, um fünf Kinder in Afrika gegen Malaria zu behandeln oder um ein Moskitonetz zu kaufen, sagt Susan Tatah vom Kamerun-Kulturverein Reutlingen, eine der Haupt-Initiatorinnen des Festivals. Eine Hebamme, die eine Geburt begleitet, bekommt ebenfalls fünf Euro Honorar. Wer spenden möchte, sendet eine SMS an die Kurzwahl-Telefonnummer 8 11 90. Als Textnachricht bitte das Wort „Festival“ eingeben. Pro SMS werden automatisch fünf Euro eingezogen. Der Erlös kommt außer dem Afrika-Festival der weltweiten medizinischen Arbeit des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen zugute.

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14.08.2012, 12:00 Uhr

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