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Feuer absichtlich gelegt?
Drama in der Nacht: Zahlreiche Feuerwehrkräfte waren im Einsatz, um die Flammen zu löschen. Foto: dpa
Mindestens zwei Tote nach Brand in Bochumer Bergmannsheil-Krankenhaus

Feuer absichtlich gelegt?

Mitten in der Nacht schlagen Flammen aus dem Dach der Bergmannsheil-Klinik in Bochum. Zwei Menschen sterben. Wurde der Brand gelegt?

01.10.2016
  • CLAUS HAFFERT, DPA

Bochum. An einem Balkongitter im sechsten Stock des Bettenhauses im Bochumer Bergmannsheil-Krankenhaus hingen noch zwei aneinander geknotete Laken. Jalousien waren geschmolzen, sie hingen an der Fassade, Fenster waren herausgedrückt. Die Bilder von Freitagmorgen lassen die Dramatik erahnen. Wenige Stunden zuvor waren bei dem Großbrand zwei Menschen in der Klinik umgekommen, 15 weitere erlitten Verletzungen.

Schrecklicher Verdacht: Der verheerende Brand könnte nach Angaben der Dortmunder Polizei von einer Patientin gelegt worden sein. „Suizidale Absichten sind nicht auszuschließen“, teilte die Polizei am Freitagabend mit. Im Zimmer der 69 Jahre alten Frau war das Feuer entfacht worden, sie war in den Flammen ums Leben gekommen.

Die Polizei war nachts um 2.35 Uhr alarmiert worden: Ein Brandmelder schlug an, gleichzeitig ging ein Notruf in der Leitstelle ein. Als erste Retter sechs Minuten später eintraffen, war der Brand schon „untypischerweise viel weiter fortgeschritten, als zu erwarten gewesen wäre“, wie Einsatzleiter Gottfried Wingler-Scholz gestern erzählte. Die Lage sei „sehr, sehr brenzlig“ gewesen.

An zwei Fenstern standen Patienten. „Man hat im Hintergrund schon den Flammenschein gesehen“, berichtete Wingler-Scholz. Sie wurden per Drehleiter in Sicherheit gebracht. Feuerwehrleute hasteten mit schwerem Atemschutzgerät das Treppenhaus bis in den sechsten Stock hinauf. Zum Glück waren in der siebten und achten Etage, die das Feuer komplett zerstörte, keine Patienten untergebracht.

Viele bettlägerige Patienten aus der Station für Infektionskrankheiten mussten heruntergetragen werden. Unter den Geretteten war auch der Patient, der sich wohl mit den zusammengeknoteten Laken vom Balkon abseilen wollte.

Nach 45 Minuten war das Gebäude evakuiert. Pflegekräfte, Ärzte, Polizisten hätten „beherzt an allen Ecken und Enden mitgeholfen, die Leute in sichere Bereiche zu bringen“, berichtete der Einsatzleiter. 126 Patienten wurden aus dem Haus geholt, 4 davon so schwer verletzt, dass sie mit Hubschraubern am Vormittag in Spezialkliniken geflogen werden mussten.

Für zwei Patienten kam der Rettungseinsatz zu spät. In dem Krankenzimmer, in dem das Feuer möglicherweise gelegt worden war und in einem Zimmer daneben.

Auch das Krankenhaus selbst löste Großalarm aus. Alle Ärzte und Pflegekräfte eilten zum brennenden Gebäude, sie halfen dabei, die Patienten aus den nicht vom Feuer betroffenen Etagen zu holen. Darunter Patienten mit Querschnittslähmungen. Sie konnten alle auf anderen Stationen auf dem großen Klinikgelände untergebracht werden. Um Platz für sie zu schaffen, wurden andere Patienten früher entlassen.

Für eine solche Notlage gebe es „festgelegte Pläne, die immer wieder geübt werden“, sagte Klinikdirektor Prof. Thomas Schildhauer. 2014 habe es eine große Übung mit der Simulation einer ähnlichen Lage gegeben. Ärzte, Schwestern, Pflegekräfte seien „betroffen und erschöpft, aber auch froh, dass sie so viele Patienten retten konnten“.

Die Klinikleitung muss jetzt den Weiterbetrieb des wichtigen Unfallkrankenhauses organisieren. „Es ist einsatzfähig, die Notfallversorgung nicht eingeschränkt“, versicherte Klinikdirektor Thomas Schildhaur. Wichtige Bereiche wie Operationssäle und Intensivstationen seien nicht betroffen.

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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