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Mit der Spritze zur Hand

Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen

HIRRLINGEN (rum). Es gibt sie wahrscheinlich schon länger, ganz sicher aber seit 150 Jahren. Dieses Jubiläum feiert die Freiwillige Feuerwehr Hirrlingen am Wochenende mit einem großen zweitägigen Fest.

17.06.2004

Sie geben sich bescheiden und feiern nur 150-Jähriges, obwohl es in Hirrlingen schon vor fast 200 Jahren eine Art Feuerwehr gegeben haben muss. Denn das älteste in Hirrlingen noch vorhandene Brandbekämpfungs-Utensil ist ein lederner Löscheimer mit der eingebrannten Jahreszahl 1809. „Es muss damals schon eine organisierte Löschgruppe dagewesen sein“, sagt Komandant Anton Neher. Die Quellen aus dieser Zeit sind allerdings dünn gesät, so dass es gewagt wäre, die Linie bis dorthin zu verlängern.

Immerhin mussten die Hirrlinger schon 1808 zeigen, dass sie einer großen Feuersbrunst gewachsen waren. Damals, so ist in einem Bericht von 1958 zu lesen, der seine Informationen offensichtlich aus Gemeindeakten bezog, ging im Ort ein Brandstifter um, den man das „Brandjörgle“ nannte. Er steckte eine Scheune in Brand, und das Feuer griff schnell um sich. Innerhalb von zwei Tagen brannten sechs Häuser und zwei Scheunen ab.

Ein Feuer am herrschaftlichen Viehhaus konnte von „Leuten“, die mit „der herrschaftlichen Spritze zur Hand waren“ gelöscht werden. Geschnappt wurde der Brandstifter von einer Hauseigentümerin, die ihn nachts in ihrer Scheune ertappte, als er gerade Stroh anzünden wollte. Sie „fiel ihn rücklings an, umklammerte ihn mit den Armen und rief um Hilfe“. Der Brandstifter selbst war übrigens stets als erster vor Ort und beteiligte sich an den Löscharbeiten.

Danach deuten zwei Jahreszahlen auf eine Art Feuerwehr hin. Von 1847 existiert noch ein Lieferschein der Eutinger Firma Karl Ackermann. Damals kauften sich die Hirrlinger eine Feuerspritze für 1022 Gulden. Die gibt es immer noch, und am Samstag dürfen die Vereine ihren Spritzenwettbewerb damit austragen. Aus dem Jahr 1850 stammt eine Feuerwehrfahne, die, wie es in der vor zwanzig Jahren erstellten Chronik heißt, zumindest „auf geordnete Verhältnisse im Löschwesen“ schließen lasse.

Zwischen diesen beiden Daten hat die Hirrlinger Feuerwehr lange Zeit ihre Gründung verankert. 1958 etwa wurde das 110-jährige Jubiläum gefeiert. Verbürgt ist jedenfalls der 6. Juni 1926. An diesem Tag nämlich gründete sich die Freiwillige Feuerwehr. Schon zwei Jahre später richtete sie einen Bezirksfeuerwehrtag aus und führte eine Hauptübung vor, „welche von einer trefflichen Schulung bestes Zeugnis gab“, wie es in der Chronik heißt.

Weil es so wenig gesicherte Daten gibt, ist man bei der Feuerwehr jetzt etwas vorsichtiger. „1984 haben wir das 130-Jährige mit einem Kreisfeuerwehrtag gefeiert. Daran haben wir uns jetzt orientiert“, sagt Neher. Weil bisher auch noch keine historischen Bilder im Archiv aufgetaucht sind, machte die Feuerwehr zum vorigen Jubiläum kurzerhand selbst Fotos: Dazu zogen sie sich alte Uniformen an, setzten sich auf den Pferdekarren und präsentierten sich in den Posen von damals.

Seit den Anfängen des organisierten Löschwesens hat sich einiges geändert. Waren die Leute früher vor allem für das Löschen von Bränden zuständig, so hat die Feuerwehr heute neben dem Brandschutz viel technische Hilfe etwa bei Unwettern oder Unfällen zu leisten. Die größten Einsätze der letzten Jahre forderte der Sturm „Lothar“, ein schwerer Verkehrsunfall, sowie das Hochwasser vor zwei Jahren. „Man ist viel auf der Straße“, fasst Neher zusammen, der schon über 20 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr ist.

Die Hirrlinger Wehr zählt momentan 47 Aktive und ist damit laut Kommandant „ganz gut besetzt“. Auch mit dem Nachwuchs ist Neher zufrieden, zumal mehr als die Hälfte der Aktiven aus der 1987 gegründeten Jugendabteilung aufrückten.

Feuerwehr feiert ihr 150-jähriges Bestehen
1958 – damals entstand dieses Foto – beging die Hirrlinger Feuerwehr schon einmal ein 150er-Jubiläum: Das der großen Brandserie von 1808. Archivbild: Göhner1958 – damals entstand dieses Foto – beging die Hirrlinger Feuerwehr schon einmal ein 150er-Jubiläum: Das der großen Brandserie von 1808. Archivbild: Göhner

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17.06.2004, 12:00 Uhr

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