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FICKENDE FISCHE
Deutschland

Regie: Almut Getto
Mit: Tino Mewes,Sophie Rogall

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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Film bewerten

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24.11.2015
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Nach einer Viertelstunde könnte eigentlich alles klar sein. „Ich habe Aids“, brüllt Jan einen Wachmann an, der ihn und seine Freundin Nina beim nächtlichen Einbruch in den Zoo ertappt hat „und wenn Sie nicht verschwinden, beiße ich zu.“ Als die beiden wieder glücklich draußen sind, meint Nina: „Mensch, das war eine tolle Idee mit dem Aids.“ Damit ist die Sache erledigt, und das Drama nimmt seinen Lauf. Aber was heißt schon Drama?

In erster Linie erzählt „Fickende Fische“ von der keimenden Liebe zweier Teenager. Die 15-jährige Nina lebt in einer proletarischen, Wohngemeinschafts-ähnlichen Rumpffamilie, von der sie zwar viel Coolness mitbekommen hat, deren rustikaler Nestwärme sie sich aber standhaft entzieht. Ihr großer Traum ist die Rückkehr der Mutter, die seit Jahren selbstverwirklichend durch die Welt tingelt und nur ab und zu per Postkarte von sich hören lässt. Jan, der seit einer Bluttransfusion HIV-infiziert ist, wird von seinen gut situierten, aber heillos überforderten Eltern in einer Art Schutzhaft gehalten. Die dauerverkrampfte Mutter behandelt den 16-Jährigen wie ein Kleinkind, das es vor der bösen Welt abzuschirmen gilt. Dem Vater fehlen meistens die Worte. „Die Krankheit bringt mich um, aber sie macht mich nicht blöde“, schreit Jan, als es ihm irgendwann zu bunt wird. Schon diese mit knappen Strichen äußerst präzisen Charakter- und Milieuzeichnungen machen den Film zu einem Erlebnis.

Mitten auf der Straße prallen Jan und Nina bei einem Unfall buchstäblich aufeinander. In erzählerischer Zeitlupe berichtet der Film nun von der Explosion der Gefühle, die auch die Mauern als bedrückend empfundenen Lebens sprengt. Mit anarchischer Lust werfen die beiden zum Entsetzen der Eltern Jans spießige Spielsachen auf den Müll, zelebrieren Körperpainting und rücken sich dabei immer dichter auf die Pelle. Doch je näher der erste Sex rückt, desto stärker wird Jan von Angstschüben überwältigt, die Nina verwirren und schließlich tief verletzen. Als Jan ihr, wir sind schon fast am Ende des Films, die Wahrheit sagt, reagiert das Mädchen so falsch wie nur irgend möglich.

Wer nun an einen bleischweren Problemfilm denkt, liegt völlig daneben. Von der ersten bis zur letzten Einstellung halten die Kölner Debüt-Regisseurin Almut Getto und ihre brillanten Jungdarsteller Tino Mewes und Sophie Rogall traumhaft sicher die Balance zwischen existenziellem Ernst und komödiantischer Leichtigkeit. Authentische Lebensfreude, emotionale Zartheit und Tragik fließen unmerklich zusammen und sorgen erst recht durch den überraschenden und mehrdeutigen Schluss dafür, dass man auf einer Wolke der Melancholie aus dem Kino schwebt. Die Philosophie des Films haben die Protagonisten da bereits selber auf den Punkt gebracht. Jan: „Auf den Tod zu warten, ist verdammt beschissen.“ Nina: „Aufs Leben zu warten auch.“

Spielplan

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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08.10.2005

12:00 Uhr

Michael schrieb:

Einer der besten Filme, die ich je gesehen habe !!



14.01.2005

12:00 Uhr

micha22 schrieb:

lecker zum anbeisen



31.12.2004

12:00 Uhr

David schrieb:

Lecker Fetzig würd ich mall sachen!



15.11.2004

12:00 Uhr

Simon schrieb:

Prädikat: Sehr Gut



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