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Ganz nah an Sissi heran

Filmstar Romy Schneider im Urlaub begegnet

Ein Urlaub in den 1950er Jahren hatte schon etwas Besonderes. Wenn einem dann noch ein Promi über den Weg lief, blieb er unvergessen. Die Tübinger Familie Müller traf während einer Rast auf Filmstar Romy Schneider. Sie drehte gerade eine „Sissi“-Szene auf dem Großglockner.

28.08.2011
  • Manfred Hantke

Tübingen. Der 2006 mit 87 Jahren verstorbene Werner Müller war ein umtriebiger Mann: Friseur-Obermeister der Innung, Bezirksvorsitzender der Imker, Stabstrompeter bei der Stadtgarde zu Pferd und Abteilungskommandant der Feuerwehr Tübingen-Mitte. Als Friseur war Werner Müller durch seine Kunden nicht nur bestens über die Stadt informiert, er suchte auch die kleinen und größeren Geschichten, die das Leben so angenehm machen.

Und manchmal kam auch der Zufall zu Hilfe. Wie in jenem Urlaub. Es war die Wirtschaftswunder-Zeit. Anfang/Mitte der 1950er Jahre kam nicht nur der Kühlschrank in die Küchen, der Nierentisch in die Wohnstuben. Auch das erste Auto stand vor der Haustür und sorgte für Mobilität. Bella Italia war nicht mehr fern. Der Schlager-trällernde Rudi Schuricke hatte es den Deutschen mit seinen Capri-Fischern bereits nahe gebracht. Auch „Marina“ von Rocco Granata lockte die Teutonen über die Alpen.

Ob mit dem Heinkel- oder Maico-Roller, mit der Isetta oder dem Goggomobil: Die Deutschen zog es in den Süden. Auch Familie Müller. Es war wohl 1957, vermutet Ulrich Müller, als sie für zwei Wochen an den südlichen Gardasee reiste. Die Route wählten die Müllers über den Großglockner.

So manchen Kühler sahen sie am Straßenrand wohl kochen. Doch der vollgepackte 1200er Käfer mit seinem luftgekühltem Motor schnaufte sich bravourös die Hochalpenstraße hoch und die engen Haarnadelkurven hindurch. Bei einem Blick aus dem Autofenster konnte es ihnen schon schwindlig werden, denn die Straßen hatten keine Seitenbegrenzung, hunderte Meter ging es da in die Tiefe. „Das war eine Abenteuer-Tour“, sagt Ulrich Müller. Der Sohn war damals sechs Jahre alt.

Am südlichen Gardasee blieben die Müllers zwei Wochen auf ihrem Zeltplatz. Im Zwei-Personenzelt lagen die Eltern Gertrud und Werner längs auf der Luftmatratze, Sohn Ulrich am Kopfende lag quer. Ein kleines Vordach schützte vor der prallen Sonne. Die Waschräume hatten damals noch keine Duschen, das Wasser war kalt, gekocht wurde natürlich selbst – und zwar mit einem Benzinkocher.

Vom südlichen Gardasee aus machten die Müllers ihre Touren ins Land – nach Venedig ging’s und nach Verona in die Oper. Nach zwei Wochen war Schluss. Es waren auch die einzigen beiden Urlaubswochen im Jahr. Einen längeren Urlaub hatte sich Werner Müller in jener Zeit nie gegönnt.

Auf der Rückfahrt nach Tübingen krabbelte der Käfer wieder emsig den Großglockner hoch. Werner Müller war einst bei den Gebirgsjägern, die Alpenlandschaft liebte er. Am Gipfel angekommen, machte er eine Pause.

Während der Großglockner dem Sohn die Attraktion einer Schneeballschlacht mitten im Sommer bot, hatte er für den Vater eine Riesenüberraschung parat. Plötzlich sah er in einiger Entfernung eine Gruppe stehen. „Da ist was los“, sagte er. Sofort rannte er hin.

Ein Fernsehteam war bei der Arbeit – samt Star Romy Schneider. Das Team drehte einen Teil der Historientrilogie „Sissi“, jenen Kinokassenschlager der späten 1950er, in dem sich Herz und Schmerz der Kaiserin Elisabeth (Romy Schneider) und des Kaisers Franz Joseph (Karlheinz Böhm) mit europäischen Adelsränkespielen mischen. In der Szene auf dem Großglockner steigt Sissi mit Hilfe eines Hockers auf einen Esel, nimmt im Damensitz Platz, lässt sich ein paar Schritte tragen – begleitet von einigen Bergbauern.

Werner Müller handelte rasch. Er holte seine Zeiss Ikon heraus und machte ein paar Fotos vom Filmteam und natürlich von Romy Schneider. „Ganz nah, etwa drei bis vier Meter“ sei der Vater an Romy Schneider herangekommen, erzählt Ulrich Müller. Absperrungen habe es keine gegeben. Mutter Magda Schneider habe an die umstehenden Kinder Bonbons verteilt. Ob der Vater mit Romy Schneider auch gesprochen hat, kann Müller nicht sagen: „Könnte sein. Er machte vor nichts halt.“

Über die plötzliche Begegnung mit Romy Schneider habe der Vater in der Öffentlichkeit nie gesprochen, selten im privaten Kreis. Nicht einmal eine Vergrößerung der Bilder hatte er machen lassen. Erst kürzlich hat Ulrich Müller sie digitalisiert und somit seltene und schöne Foto-Dokumente den Zeitzeugnissen überlassen. Ein paar Jahre nach dem zufälligen Promi-Treff auf dem Großglockner haben sich die Eltern den „Sissi“-Film im Kino angeschaut. Die Bergszene war nur knapp eine Minute lang.

Filmstar Romy Schneider im Urlaub begegnet
Dreharbeiten zu einem „Sissi“-Film in einer imposanten Berglandschaft auf dem Großglockner, fotografiert von Werner Müller. Während die Bergbauern zuschauen, hievt sich Sissi, die Kaiserin Elisabeth (Romy Schneider), mit Hilfe eines Hockers auf den Esel und lässt sich ein paar Meter weit tragen. Das rechte Bild zeigt Romy Schneider, vermutlich in einer Drehpause. Mutter Magda Schneider (in den Filmen die Herzogin Ludovika) war auch dabei und verteilte Bonbons an die umstehenden Kinder. Bilder: Werner Müller

Filmstar Romy Schneider im Urlaub begegnet

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28.08.2011, 12:00 Uhr

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