Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Unheimlich anders

Filmtage-Nacht mit Monstern und Kannibalen im Kulturinstitut

„Vom Film d’auteur bis zum Film d’horreur“ lautet ein Motto der Französischen Filmtage. Letzteren gab es am Halloween-Freitag bei einer langen Gruselfilmnacht im Institut Culturel Franco-Allemand, das für diesen Anlass schön schaurig hergerichtet war. Ein Ortsbesuch.

03.11.2014
  • Tim Kummert

Tübingen. Das deutsch-französische Kulturinstitut mit seinen weißen Mauern und dem weitläufigen Garten wirkt bei Mondlicht von sich aus schon ein wenig schaurig. Vor der großen, zweiflügeligen Eingangstür stehen an diesem Abend Friedhofslichter. Es ist Halloween, wenige Minuten vor Mitternacht. Der Dielenboden knarrt, es ist dunkel, aus einem Lautsprecher kommen unheimliche Geräusche, die unterbrochen werden von Schreien. Von der Decke hängen Gießkannen, Pappteller, Stofftiere in einem Netz aus fluoreszierenden Fäden. Fahles Licht fällt auf die Alltagsgegenstände. Sie entstammen alle dem Institut und sind Teil der Installation, die der Künstler Serge Le Goff angebracht hat: „Ich wollte den Schrecken subtil zeigen. Deshalb sieht man hier keine Totenköpfe“.

Damit hat er recht, die Alltagsobjekte werden wortwörtlich unheimlich anders dargestellt. Dann sagt Le Goff: „Es gibt noch den Keller . . . “, er lächelt dabei wissend, dann geht der Künstler die Treppe runter. Es riecht modrig, die Wände sind voller Spinnweben. Von der Decke hängen unbekleidete Kinderpuppen, eine Maske bewegt sich im Hintergrund, auf dem Boden steht ein scheinbar achtlos hingeworfener Karton. Matthieu Osmont, der 34-jährige Direktor des Instituts tritt dazu. Auf die Frage, ob sein Haus nicht Gefahr laufe, nach dem Abend den Ruf als „Horror-Institut“ zu haben, muss er herzhaft lachen: „Das wäre doch cool, dann wären wir zumindest in aller Munde!“ Dann wendet er aber ein, dass das Institut durchaus „auch seriös“ könne und „nicht nur Spaß-Veranstaltungen“ mache. Dennoch wolle man durch den Abend junges Publikum anlocken.

Eine Familie kommt rein, schaut sich vorsichtig um. Der Junge fragt seinen Vater, was denn in den Säcken sei, die da in einem Nebenraum von der Decke hingen. Der Vater antwortet auf Französisch, dass sich darin die Körper toter Menschen befänden – und gibt seiner Stimme einen tiefen Unterton. Man bedient sich an den Knabbereien, geht in den Filmsaal.

Der Plan geht auf: Die Jungen kommen!

Es wird voll an diesem Abend. Über 70, vorwiegend junge Menschen kommen, manche müssen an der Tür stehen. Osmont sagt: „Die Franzosen können richtig gute Horror-Filme machen, die denen aus Amerika in nichts nachstehen.“ Allerdings, fügt er grinsend hinzu, „laufen die meisten nicht auf Arte“.

Der Abend beginnt mit Kurzfilmen, in einem geht es um Kannibalen, in einem anderen reißt ein Monster dem Protagonisten ein Ohr ab. Dann folgen drei Langfilme, in einem ist zu sehen, wie ein Autoreifen eine amerikanische Stadt zerstört. Horror bis zum Morgengrauen – um sieben Uhr gab es dann das „blutige Frühstück“, bei dem auch Schinken und Wurst serviert wurde: Kein Menschenfleisch.

Filmtage-Nacht mit Monstern und Kannibalen im Kulturinstitut
Schaurig schön: Serge Le Goff hat die Dekoration für die Horrornacht der Französischen Filmtage gestaltet.Bilder: Kummert

Filmtage-Nacht mit Monstern und Kannibalen im Kulturinstitut

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.11.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball