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First Lady des Jazz
Ella Fitzgerald grüßt ihre Fans am 22. Februar 1968 im Carlton Theatre in London. Foto: Bob Dear/dpa
Musikgeschichte

First Lady des Jazz

Ella Fitzgerald gilt als eine der größten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts – berühmt für ihre grandiose Stimme, ihr breitgefächertes Repertoire und ihr uneitles Auftreten. Vor 100 Jahren kam sie zur Welt.

24.04.2017
  • BETTINA THIENHAUS, EPD

Frankfurt. Ich bin kein Glamour-Typ“, sagte Ella Fitzgerald einmal über sich selbst. „Es fällt mir schwer, vor einer Menschenmenge aufzutreten. Aber Gott gab mir dieses Talent, damit ich es nutze. Also stehe ich einfach da und singe.“ Einfach dastehen und singen – mehr brauchte sie nicht, um zur Jazz-Ikone zu werden. In diesem Jahr feiert die Musikwelt ihren 100. Geburtstag. Konzerte ihr zu Ehren sind in der ganzen Welt geplant.

Am 25. April 1917 kam Ella Fitzgerald in Newport News im US-Bundesstaat Virginia zur Welt. Ihre Karriere hatte durchaus märchenhafte Züge: aus schwierigen Verhältnissen ganz nach oben.

Bald nach Ellas Geburt macht sich der Vater auf und davon. Es gibt eine Weile einen Stiefvater und eine Halbschwester in ihrem Leben. 1932 stirbt die Mutter durch einen Autounfall.

Die 15-Jährige ist plötzlich auf sich allein gestellt. Sie zieht zu einer Tante nach New York, nach Harlem, dem „schwarzen“ Viertel Manhattans. Ella schwänzt die Schule, treibt sich herum. Singen und Tanzen gibt ihr Halt. Als sie mit 17 Jahren im Apollo Theatre bei einer „Amateur Night“ die Chance bekommt, aufzutreten, will sie eigentlich tanzen. Aber dann singt sie doch ein Lied. Das Publikum ist begeistert, ruft nach einer Zugabe. Sie gewinnt den ersten Preis.

„Kaum stand ich auf der Bühne, spürte ich, dass die Leute mich mochten“, erinnert sich Ella Fitzgerald später an diesen Abend, ihr Debüt. „Und da war mir klar – ich wollte vor Publikum singen. Für den Rest meines Lebens.“

Ihre Stimme umfasste drei Oktaven und klang mal frech und fröhlich, mal sanft und samtig oder tief und dunkel. Sie konnte krächzen, kichern und kieksen, gackern, krähen und plappern, hieß es in einem Nachruf. Es machte der Sängerin sichtlich Spaß, zu improvisieren und das Timbre ihrer Stimme fantasievoll einzusetzen. Und sie genoss den Austausch mit dem Publikum.

Berühmt wird sie 1938 mit ihrer eigenen jazzigen Version des Kinderlied-Klassikers „A-Tisket A-Tasket“. Der Song stürmt an die Spitze der Charts und hält sich dort wochenlang. Da war sie schon von dem Schlagzeuger Chick Webb engagiert, der mit seiner Band im damals schwer angesagten „Harlem's Savoy Ballroom“ auftritt.

Die junge Nachwuchssängerin begeistert das Publikum mit ihrer Vielseitigkeit. Ella Fitzgerald kann einfach alles – sie singt Swing, den neuen Bebop, Gospel, später auch Blues. „Dream A Little Dream Of Me“ und „It Don't Mean a Thing (If It Ain't Got That Swing)“ gehören zu ihren großen Erfolgen. Zu einer Stärke wird der „Scat-Stil“ – die vergnügte sinnfreie Aneinanderreihung von Silben und Vokalen: Eine jazzige Technik, die Fitzgerald einfallsreich weiterentwickelt.

Die sogenannten „Songbooks“ bekannter Jazzkomponisten wie Cole Porter, Irving Berlin oder George und Ira Gershwin werden zu Fitzgeralds Markenzeichen. „Erst als ich Ella singen hörte, merkte ich, wie gut unsere Songs waren“, kommentierte Ira Gershwin.

Für das „Duke Ellington Songbook“ bekommt sie 1958 als erste Afroamerikanerin einen Grammy. Insgesamt 14 Mal wurde sie mit dem Musikpreis ausgezeichnet, darunter 1967 mit dem Grammy für ihr Lebenswerk.

Mit Norman Granz, dem Gründer des Jazz-Labels „Verve“ unternimmt sie weltweit Tourneen, tritt etwa in Berlin mit dem Programm „Ella in Berlin: Mack the Knife“ auf. Granz, engagierter Verfechter der Bürgerrechte, organisierte Konzerte gegen die bis 1964 gültige Rassentrennung in den USA. Auf Tournee, etwa in den Südstaaten, erlebten Granz und Fitzgerald bisweilen absurde Situationen: „Die Polizisten holten uns aus dem Hotel und besaßen dann die Frechheit, um Autogramme zu bitten.“

Ihre Stiftung hilft Notleidenden

Ihr Privatleben, etwa die Ehe mit dem Bassisten Ray Brown, hielt die Sängerin von der Öffentlichkeit fern. Viele Jahre litt sie unter gesundheitlichen Problemen, so war 1986 eine aufwendige Herzoperation notwendig, ein fünffacher Bypass. Dazu kam Diabetes, der ihre Augen schädigte und 1993 die Amputation beider Unterschenkel nach sich zog. Im selben Jahr gründete die Sängerin die „Ella Fitzgerald Charitable Foundation“, die Menschen in Not unterstützt.

Die „First Lady of Song“ starb am 15. Juni 1996 zu Hause in Beverly Hills. Sie wurde 79 Jahre alt. Bettina Thienhaus, epd

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24.04.2017, 06:00 Uhr

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