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Fit für die Neuzeit mit aufgehübschten Maschinen
Mehrere Generationen: Bosch-Geschäftsführer Werner Struth mit Azubis an einer alten Drehbank, die für 2016 fit gemacht wurde. Foto: Bildquelle
Stuttgart

Fit für die Neuzeit mit aufgehübschten Maschinen

Millionen Maschinen weltweit sind zu alt für die vernetzte Produktion. Der Autozulieferer Bosch will sie digital nachrüsten.

07.10.2016
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart. Pumpende Bässe, buntes Laserlicht,Tänzer in bunter Kleidung – wenn etwa auf Messen riesige weiße Tücher von neuen Produkten gezogen werden, überbieten sich Hersteller mit ihren Show-Einlagen. Nicht so bei Bosch. „Dann wollen wir mal“, heißt es und zwei Männer entfernen ein weißes Tuch. Es ist aber auch keine Messe und es erscheint auch kein chromglitzernder Geländewagen unter dem Stoff, sondern eine 129 Jahre alte gußeiserne Maschine mit Pedalantrieb. Ein Jahr nach der Gründung des Unternehmens wurden darauf im Jahr 1887 Teile für den Magnetzünder gefertigt, mit dem Bosch der Durchbruch zum heute weltgrößten Automobilzulieferer gelang.

Jetzt steht das Museumsstück im Scheinwerferlicht, weil damit ein Bogenschlag zur heutigen vernetzten Produktion demonstriert werden soll: Vier Sensoren erfassen Daten an der Drehbank. Hat der Riemen der 300 Kilogramm schweren Maschine etwa zu viel Schlupf und muss ausgetauscht werden? Ein Bosch-Mitarbeiter könnte eine entsprechende Information nun von seiner Daten-Uhr ablesen.

Das ganze ist ein Spielerei – und auch wieder nicht. Denn die Zeitreise aus der Industrie 1.0-Epoche zur heutigen Industrie 4.0 soll zeigen, „dass auch Betreiber älterer Maschinenparks die Vorteile der vernetzten Industrie erschließen können“, sagt Werner Struth, Geschäftsführer unter anderem für die Industrietechnik bei Bosch. „Viele Maschinen im Handwerk oder in der Fertigung sind noch ohne Industrie-4.0-Anbindung.“

An dieses Potenzial im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich allein in Deutschland, wollen die Stuttgarter und Konkurrenten wie Sensortechnik-Hersteller Sick (Waldkirch) oder Automatisierungsspezialist Beckhoff (Verl) ran. Innovationszyklen im Maschinenbau etwa unterscheiden sich von denen anderer Branchen. Maschinen bleiben oft Jahrzehnte im Einsatz. Ein großer Teil des weltweiten Maschinenparks ist daher noch nicht vernetzt. Mit Nachrüstung (die heute Retrofit heißt) soll dies gelingen.

Bosch hat dies selbst an einem Prüfstand für Hydraulikventile aus dem Jahr 2007 in Homburg getestet. Sensoren überwachen dort die Qualität des eingesetzten Öls, das früher in regelmäßigen Abständen automatisch getauscht wurde. Heute kommt nur neues Öl in den Prüfstand, wenn Sensoren die Notwendigkeit anzeigen. Durch die Ersparnis habe sich das „Aufhübschen“ des Prüfstandes bereits nach eineinhalb Jahren amortisiert, lobt Struth. Das Retrofit kostete einen fünfstelligen Betrag, ein neuer Prüfstand bis zu 1 Mio. EUR. „Maschinen sind teuer. Wir müssen sie so effizient wie möglich nutzen. Das Vernetzen hilft uns entscheidend dabei.“ Das galt schon für Robert Boschs Zeiten: Die Drehbank kostete 507 Mark – was etwa 30 000 bis 40 000 EUR heute entspricht.

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07.10.2016, 06:00 Uhr

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