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24.11.2015

Bei den Thermopylen, der im Altertum einzigen Verbindung zwischen dem Norden und Süden Griechenlands, versuchten im Jahr 480 vor Christus etwa 7000 Griechen, den Durchbruch eines fast 200000 Mann starken persischen Heers zu verhindern. Der Legende nach sollen am Ende der Schlacht 300 Spartaner den Engpass gegen die erdrückende Übermacht der Eroberer verteidigt haben. Letztlich zwar erfolglos, doch begründete ihr vermeintlich heroischer Opfertod den Weltruhm der Militärmacht Sparta.

Bis in die heutige Zeit hat der ungleiche Kampf die Künstler und Literaten beflügelt. Zuletzt widmete ihm Frank Miller eine Graphic Novel, die nun Regisseur Zack Snyder nach dem schon an Millers „Sin City“ erprobten Verfahren in einen Film verwandelt hat. In den USA ist „300“ der Blockbuster des Jahres und hat viele Zuschauer und manche Kritiker zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Tatsächlich ist er an der Oberfläche ein imposantes Gewaltballett mit reichlich Trash-Appeal. Einschätzungen wie „Herkulesfilm fürs Computer-Zeitalter“ oder „unwiderstehlicher visueller Sturmangriff“ kann man nur schwer widersprechen – allerdings verblassen sie vor der unverhohlen faschistischen Gesinnung, die hier an die Leinwand drängt.

Freudig erregt, ohne einen Anflug von Ironie oder Distanz zeigt der Film, wie die Spartaner von früher Kindheit an mit brutaler Erziehungsgewalt zu Kampfmaschinen fürs Vaterland gestählt werden. Wie ihre Macht und Stärke in erster Linie darauf fußt, dass alles Schwache und Artfremde aus ihren Reihen eliminiert wird. Die Körper der Muskelprotze wirken wie aus Leni Riefenstahls Skizzenbuch für Herrenrassen. Dagegen sind die Perser ein aus ostischen und afrikanischen Volksgruppen bunt zusammengewürfelter Multikulti-Haufen. In ihrem Lager herrschen Dekadenz und sexuelle Ausschweifung. Perserkönig Xerxes wird als bösartiger Clown mit betont tuntiger Note gezeichnet.

Einige Kritiker interpretierten dies als ideologischen Flankenschutz zur „Aufpäppelung der Kampfmoral amerikanischer Soldaten im Irak“ – wenn nicht gar zur Unterfütterung des nächsten Waffengangs in Richtung Osten. Viel mehr zielt der Film jedoch ins Innere der westlichen Gesellschaften. Von Sparta lernen, heißt demnach, die Norm des rassereinen, heterosexuellen, militärisch gedrillten und sein Vaterland fanatisch liebenden weißen Mannes zu erfüllen. Vor Schwulen, Schwarzen und Schwächlingen sollte man sich dagegen in Acht nehmen.

Oder ist das zu schweres Geschütz gegen ein vielleicht etwas gedankenloses Filmspektakel über ein zweieinhalb Tausend Jahre altes Gemetzel? Unterschätzen sollte man die Mobilisierungskraft der Thermopylen-Schlacht freilich nicht. Noch Nazi-Feldmarschall Hermann Göring empfahl seinen Jungs in Stalingrad, sich an den Spartanern ein Beispiel zu nehmen.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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