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NS-Raubkunst

Flechtheims Erben klagen gegen Bayern

Ein Gericht in New York soll über die Rückgabe von acht wertvollen Werken entscheiden.

07.12.2016
  • DPA

Berlin. Die Erben des legendären jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim haben Bayern vor einem US-Gericht verklagt. Begründung: Der Freistaat soll ihnen acht Werke geben, die die Nazis Flechtheim geraubt hätten. Ihr deutscher Anwalt Markus H. Stötzel sagte, seine amerikanischen Kollegen hätten die Klage am Bundesbezirksgericht für New York Süd eingereicht. Jahrelange Verhandlungen mit der Staatsregierung waren erfolglos geblieben

Flechtheims 70-jähriger Großneffe Michael Hulton aus San Francisco und seine demnächst 90 Jahre alte Stiefmutter Penny Hulton aus England erheben in dem Schriftsatz Anspruch auf acht wertvolle Werke der Klassischen Moderne. Darunter sind sechs Gemälde von Max Beckmann (1884–1950).

„Diese Bilder waren Teil der großen privaten Kunstsammlung Flechtheims“, heißt es in der vom Anwalt zur Verfügung gestellten Klageschrift. „Er verlor sie wegen der Politik von Rassenverfolgung und Völkermord.“

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) habe sich einer gütlichen Einigung mit den Erben verweigert, sagte Stötzel. 2015 hatten 29 Abgeordnete des US-Kongresses in einem Brief an Horst Seehofer (CSU) ein stärkeres Engagement für die Rückgabe von NS-Raubkunst aus Bayern gefordert.

Die beiden Erben liegen seit Jahren mit Bayern und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Streit. Der Freistaat hat die Ansprüche stets zurückgewiesen. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Bilder dem Galeristen Flechtheim von den Nazis weggenommen oder abgepresst wurden, hieß es wiederholt. Die Beziehung zwischen Flechtheim und Beckmann sei schon 1931, also deutlich vor Beginn der NS-Zeit, beendet worden.

Noch 1934 ein Verkauf

Die Kläger machen dagegen geltend, Flechtheim sei noch 1933 Besitzer der Werke gewesen. Erst nach seiner erzwungenen Flucht aus Deutschland hätten sich die Nazis ihrer bemächtigt. Das könne durch Dokumente aus dem Nachlass des NS-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt und seines Sohnes Cornelius belegt werden. Die halte der Freistaat Bayern allerdings unter Verschluss. Sie verweisen auf Beckmanns Gouache „Der Löwenbändiger“. Die habe Hildebrand Gurlitt erst 1934 von Flechtheim gekauft.

Alfred Flechtheim (1878–1937) gehörte zu den bedeutendsten Figuren der deutschen Kunstszene Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Flucht nach London 1933 wurden seine Galerien in Düsseldorf und Berlin liquidiert. Seine Witwe Betti nahm sich 1941 angesichts ihrer bevorstehenden Deportation das Leben. dpa

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07.12.2016, 06:00 Uhr

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