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Fledermäuse bremsen Pläne für Hesse-Bahn
Eine Mopsfledermaus. Tausende Flattertiere leben in zwei Tunneln der Hesse-Bahn. Foto: dpa
Nahverkehr

Fledermäuse bremsen Pläne für Hesse-Bahn

Calw will für einen besseren Anschluss Richtung Stuttgart eine stillgelegte Strecke wiederbeleben. Doch in zwei Tunneln leben geschützte Fledermäuse.

28.10.2016
  • ALFRED WIEDEMANN

Calw/Stuttgart. Tausende Fledermäuse, darunter die bedrohten Arten Graues Langohr, Hufeisennase, Mopsfledermaus und Bechsteinfledermaus, könnten bei der Hesse-Bahn Calw–Renningen unter die Räder kommen. Der Naturschutzbund hat deshalb im Sommer Klage gegen den ersten Planfeststellungsbeschluss für die Strecke eingereicht. Jetzt gibt es die Klagebegründung – und ein neues Gutachten. Es stuft den Hirsauer Tunnel bei Calw als „bundesweit bis international bedeutsames Winterquartier“ für bedrohte Fledermäuse ein und den Forsttunnel bei Althengstett als „überregional bedeutsam“. Die Tunnel gehörten zu den wichtigsten Fledermausquartieren im Land, beide seien durch den geplanten Bahnbetrieb in Gefahr.

Durch das Gutachten sei klar, dass die Strecke nicht wie geplant in Betrieb gehen könne, sagt Nabu-Landesvizechef Hans-Peter Kleemann. Laut Gutachten leben in den Tunneln 1700 bzw. 5000 der Tiere. Das Calwer Landratsamt war von 700 im Hirsauer- und 300 im Forsttunnel ausgegangen. Komme die Sanierung der Röhren und der Bahnbetrieb wie geplant, wäre die Population zerstört, so das Gutachten. Die geschützten Tiere würden durch Kollision mit Zügen und durch Lärm und Abgase „in Massen zu Tode kommen“.

Bisher fehlten Vorschläge des Landratsamtes, um Bahnbetrieb und Fledermausvorkommen zu ermöglichen, kritisiert der Nabu. Ein Umquartieren in andere Tunnel wie vorgeschlagen sei keine Option. Das brauche Jahre, zudem sei der Erfolg fraglich. Die Naturschützer hatten ein Durchfahren der Tunnel mit höchstens Tempo 30 vorgeschlagen und eine sensible Sanierung der Röhren. Laut Gutachten können Züge, die schneller als 30 km/h fahren, vom Echoradar der Fledermäuse nicht rechtzeitig wahrgenommen werden. „Tödliche Zusammenstöße wären unvermeidlich“, sagt Kleemann.

„Wir sind nicht gegen die Hesse-Bahn, aber es braucht eine Lösung, die Bahnbetrieb und Fledermäusen gerecht wird“, sagte Nabu-Sprecher Hannes Huber. Bis der Verwaltungsgerichtshof entscheide, könnten die Arbeiten nicht beginnen.

Wegen der Zuschüsse eilt es aber: Die Kreise Calw und Böblingen einigten sich 2015 mit Land und Verband Region Stuttgart auf die Reaktivierung der vor 33 Jahren für den Personenverkehr stillgelegten Strecke von Calw nach Weil der Stadt. Die Hesse-Bahn plus S 6 und S 60 brächten dem Nordschwarzwald eine bessere Verbindung nach Stuttgart. Die Kosten: 50 Millionen Euro. Das Land will 25 Millionen zuschießen.

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28.10.2016, 06:00 Uhr

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