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Eutingen

Fliegen im Schlepptau

Die heutige Mitgliederversammlung des Flugsportvereins Rottenburg-Horb-Eutingen könnte die letzte unter diesem Namen sein. Ein Zusammenschluss mit der FSG Hanns Klemm Böblingen wird konkreter.

14.02.2020

Von Maik Wilke

Bild: Karl-Heinz Kuball

Eine Fusion der beiden Vereine, die sich das Fluggelände in Eutingen teilen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehrfach diskutiert. Letztlich blieb es dabei: der Flugsportverein (FSV) Rottenburg-Horb-Eutingen und die Flugsportgruppe (FSG) Hanns Klemm Böblingen sind eigenständige Vereine. Bis jetzt zumindest: Vergangenen Freitagabend haben die Mitglieder der Böblinger Fliegergruppe Satzungsänderungen, die einen Zusammenschluss ermöglichen sollen, abgesegnet. Am heutigen Freitagabend soll die Rottenburg-Eutinger Gruppe nachziehen.

„Wir wollen mit den Mitgliedern besprechen, in welche Richtung wir uns als Verein weiterentwickeln wollen“, sagt Michael Sinner, Vorsitzender des FSV Rottenburg-Horb-Eutingen auf Anfrage unserer Zeitung. Es gehe um konkrete Rahmenbedingungen, unter denen man sich einen Zusammenschluss vorstellen könne. „Wir hatten mehrere Infoveranstaltungen mit unserer Mitgliedern – die Resonanz war durchweg positiv“, sagt Sinner, fügt aber den Beisatz an: „Von denen, die da waren.“

Eutingen fällt aus der Namensgebung

Denn nicht alle Flieger befürworten die Satzungsänderungen, die eine Auflösung des FSV vereinfachen. Eine Gruppe aus ehemaligen und aktuellen Mitgliedern suchte am gestrigen Donnerstag das Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Sie kritisierten das Vorgehen der neuen Vorstandschaft und erheben den Vorwurf, dass viele Mitglieder, die gegen eine Fusion mit der FSG Böblingen sind und sich für den Erhalt des eigenständigen Vereins stark gemacht haben, aus dem Verein ausgeschlossen oder zu einer Abmeldung gedrängt wurden.

Im Flugsportverein Rottenburg-Horb-Eutingen haben sich schon seit mehreren Jahren zwei Lager gebildet: eine Fraktion mit Mitgliedern, die für einen Zusammenschluss mit der FSG Böblingen sind, und eine mit Gegnern der Fusion. Die SÜDWEST PRESSE berichtete vor einem Jahr über die „Heftigen Turbulenzen“ im Verein, die teils sogar vor Gericht ausgetragen werden. Die beiden Seiten werfen sich zudem vor, kurz vor der damals einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung jeweils gut zwei Dutzend passive Mitglieder angeworben zu haben, um die Vorstandswahl zu beeinflussen. Die passiven Mitglieder haben beim FSV das gleiche Stimmrecht wie aktive.

Zudem wird Sinner persönlich vorgehalten, bei der Wahl zum neuen Vorsitzenden vor einem Jahr selbst für Transparenz geworben zu haben – dieses Versprechen nun aber nicht einzuhalten. Von den Ausschusssitzungen und den Infoveranstaltungen gebe es keine Zusammenfassung in schriftlicher Form. Bedeutet: Die Mitglieder, die an den Terminen verhindert waren, verfügten nie über den aktuellen Kenntnisstand zum möglichen Zusammenschluss. Sinner widerspricht den Vorwürfen: „Wir haben bereits im Vorfeld der Veranstaltungen tatkräftig um Beteiligung aufgefordert. Niemandem wurde verweigert, einen Beitrag abzugeben.“

Die Gegner des Zusammenschlusses betonen unserer Zeitung gegenüber, dass sie nicht einmal strikt gegen eine Kooperation mit der FSG Hanns Klemm gewesen seien. Allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Der Verein hätte noch einige Jahre gebraucht, um zu wachsen, weitere aktive Flieger auszubilden und dann auf Augenhöhe mit den Böblingern über eine Fusion verhandeln zu können. So werde der Verein schlicht vom mitgliederstärkeren und finanzkräftigeren Verein aus Böblingen geschluckt, der, so die Aussage der Gegner, vor etwa 30 Jahren auf dem Eutinger Fluggelände aufgenommen wurde.

Die Ortsnamen Rottenburg, Horb und Eutingen würden bei einem Zusammenschluss wohl tatsächlich entfallen. In der Satzungsänderung, die der SÜDWEST PRESSE vorliegt, ist von der „Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm“ die Rede. Den Sitz hätte der fusionierte Verein in Böblingen – nicht mehr wie bisher in Rottenburg. Weil zudem die Ortsnamen entfallen, sehen die Fusions-Gegner die Ausübung ihres Hobbys in Eutingen an sich gefährdet. Bei möglichen Diskussionen über ein Gewerbegebiet anstelle des Fluggeländes schwäche dies die Argumentationskraft: „Ob sich ein Eutinger Bürgermeister für den Erhalt eines Vereins mit Sitz in Böblingen einsetzt, ist zu bezweifeln.“

Dass Eutingen aus der Namensgebung des künftigen Vereins rausfällt, dementiert Michael Sinner nicht. „Es verschwinden aber alle Ortsnamen (folglich auch der Böblinger, Anm. d. Red.). Ohne direkten Ortsbezug wollen wir den Verein für potenzielle Mitglieder aus der ganzen Umgebung öffnen.“

Wie viele Mitglieder der Verein aktuell hat, möchte Sinner im Vorfeld der Mitgliederversammlung nicht sagen. Die Fusions-Gegner dagegen erklären, dass so viele aktive Flieger, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen und vor allem den Fluggebühren einen Flugsportverein finanziell tragen, freiwillig ausgeschieden sind oder ausgeschlossen wurden, dass ein Erhalt des Vereins nun tatsächlich wirtschaftlich nicht mehr tragbar wäre und einen Zusammenschluss nötig mache. Auch die Motorflugausbildung, die die finanzielle Grundlage des Vereins bilde, sei eingestellt worden.

Sinner widerspricht auch diesen Aussagen: „Wir haben eine ausreichende Anzahl aktiver Mitglieder. Das ist kein Grund dafür, die Vereinsgemeinschaft zu bilden.“ Zudem verweist der Vorsitzende auf die Ausbildungsgemeinschaft beim Segelfliegen mit der Hanns Klemm, die nach vier Jahren Pause nun eben wieder reaktiviert worden sei: „Es ging schlicht um die Sicherstellung des Ausbildungsbetriebs. Zwei Ausbildungsleiter haben ihre Tätigkeit niedergelegt, und wir konnten mit der FSG das Angebot in diesem Bereich auf den Motorflug, die Motorsegler und die Ultraleichtflugzeuge erweitern.“

Fusion würde doppelte Ausgaben verhindern

Doch was spricht überhaupt für einen Zusammenschluss, bei dem die Integrität eines Vereins mit dem Standort, an dem die Mitglieder das Hobby ausüben, verloren geht? Kein Sitz mehr in Rottenburg, kein Namensbezug mehr auf Eutingen, auf dessen Gemarkung gestartet und gelandet wird. Michael Sinner und Edgar Müller, Vorsitzender der Flugsportgruppe Hanns Klemm Böblingen (siehe Infokasten), haben eine klare Meinung: „Es ist doch klar, dass es bei einer Fusion einfacher wird, ein tatkräftiges Team auch im Vorstand zu bilden“, sagt Sinner. Bei einer Zusammenführung wäre die Ämterbesetzung leichter. „Außerdem können wir wirtschaftlich effizienter agieren, um künftig Kostensteigerungen zu vermeiden.“

Das sagt die FSG Hanns Klemm Böblingen

Bei der Flugsportgruppe Hanns Klemm Böblingen sieht Vorsitzender Edgar Müller aus Eutingen klare Vorteile einer Fusion mit dem FSV Rottenburg-Horb-Eutingen: „Es ist doch völlig logisch, dass man auf einem Fluggelände nicht zwei Verwaltungen braucht und sich auch eine doppelte Infrastruktur wie beispielsweise mit Hochstartwinde für die Segelflugzeuge sparen kann.“ Zu den Auseinandersetzungen der Mitglieder des FSV möchte sich Müller nicht äußern, erklärt aber: „Wir wollen uns da draußen keine Konkurrenz machen, sondern Synergieeffekte erzielen. Letztlich wollen wir doch alle einfach nur fliegen.“

Fliegen im Schlepptau VereineDie heutige Mitgliederversammlung des Flugsportvereins Rottenburg-Horb-Eutingen könnte die letzte unter diesem Namen sein. Ein Zusammenschluss mit der FSG Hanns Klemm Böblingen wird konkreter. Mitglieder und ehemalige Mitglieder erheben Vorwürfe gegen den aktuellen Vorstand.

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Erstellt:
14. Februar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Februar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 01:00 Uhr

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