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Flieger vor der Linse
Für ein gutes Motiv harren die Planespotter am Stuttgarter Flughafen lange aus. Foto: Lukas Wunderlich
Hobby

Flieger vor der Linse

Planespotter stehen stundenlang mit ihren Kameras am Rand des Flugfelds und lassen sich weder von Lärm noch von Kälte, Regen oder stechender Sonne abschrecken.

10.04.2017
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Für viele sind Flugzeuge Massenverkehrsmittel, für Planespotter aber technisch faszinierende Maschinen, an denen man sich nicht satt sehen kann. In ihr Hobby investieren die – oft männlichen – Fotografen jede freie Minute und viel Geld für eine anspruchsvolle Kameraausrüstung. So wie andere Urlaubs- oder Familienbilder aufnehmen, kommen Planespottern nur Flugzeuge vor die Linse: oben in den Wolken oder unten auf den Start- und Landebahnen der Flughäfen. Der Begriff Planespotting stammt aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Bewohner der englischen Küsten wurden angehalten, Registriernummern der deutschen Flugzeuge zu notieren, also zu spotten. Damit wusste man, welche Maschinen einflogen und wann sie das Land wieder verließen.

„Das ist mein Leben“, sagt der 14-jährige Timo Jakisch aus Leonberg ganz unpathetisch. Er ist an diesem Morgen um fünf Uhr früh aufgestanden, um mit Bus und Bahn an den Rand des Fluggeländes in Bernhausen zu kommen. Hier befindet sich einer der beliebtesten Spotterplätze für den Stuttgarter Flughafen. Die Ausbuchtung des Grünstreifens an der Plieninger Straße liegt – nur durch einen Drahtzaun getrennt – knapp 300 Meter von der Start- und Landebahn entfernt. Dahinter sieht man die Flughafen-Gebäude: ein willkommener Bildhintergrund, weil er die Identifizierung des Flugorts ermöglicht.

„Spotter sind gern gesehene Zaungäste“, zeigt sich Flughafen-Sprecherin Beate Schleicher angetan. „Wir freuen uns, dass diese Fans so viel Begeisterung für unser Business mitbringen.“ Viele Informationen würden nicht abgefragt: „Die kennen sich aus und wissen oft schon lange im Voraus, welche besonderen Maschinen Stuttgart überfliegen oder hier landen.“ Regelmäßig unterstützt der Flughafen die Hobbyfotografen mit Führungen durch den Flughafen sowie mit Ausstellungen und Wettbewerben zu den besten Flugbildern.

Timo ist eines der jüngsten Mitglieder der Stuttgarter Forumsgruppe, die im Internet ihre eigenen Seiten hat. Fast 1000 Mitglieder sind hier gelistet, aber nicht alle sind aktiv, meint Markus Veit aus Plattenhardt. Er ist mit Flughafenluft aufgewachsen und hat als Steuerfachangestellter sein Flugzeugfaible nur zum Hobby gemacht. Dem geht er aber so oft wie möglich nach: Jedes Wochenende trifft man ihn hier zum Fotografieren. 80 Spotter bilden den harten Kern der Stuttgarter Szene. Man kennt und trifft sich regelmäßig, informiert sich über interessante Starts und Landungen und fährt auch schon mal nach Rammstein, München oder Frankfurt, wenn dort besondere Maschinen vor die Linse zu bekommen sind. Der 16-jährige Lukas Wunderlich aus Waldenbuch war extra während der Sicherheitskonferenz am Münchner Flughafen, um eine seltene Tupolew zu fotografieren, die kirgisische Regierungsmaschine.

Ein Hobby, das Eltern mögen

Nicolas Wollet, ebenfalls 16 Jahre alt und aus Neuhausen, gehört wie Lukas und Timo zum aktiven Teil der Spottergruppe. Eindeutiger Berufswunsch der drei Jungs: Pilot natürlich oder zumindest irgendwas am Flughafen. Wenn sie in der Freizeit nicht Flugzeuge fotografieren, machen sie am PC Probeflüge an einem Flugsimulator, tauschen Fotografien mit Spottern aus aller Welt aus und kontrollieren auf einer speziellen Flug-App, ob sich eine „coole“ Maschine dem Flugraum Stuttgart nähert. Die Eltern finden es übrigens ganz gut, „dass wir nicht nur vor dem Computer sitzen, sondern viel mit anderen draußen sind“, erklärt Nicolas.

Ist Stuttgart ein guter Flughafen fürs Spotting? Auf jeden Fall, sind alle überzeugt. Die Mischung aus Zivil- und Militärflughafen bringt viele unterschiedliche Flugzeugtypen auf das Gelände. Außerdem landen hier auch Jumbojets. Nicht um Passagiere zu transportieren, sondern um neue Porsche- oder Mercedes-Modelle für Tests und Fotoaufnahmen zum Beispiel nach Südafrika zu fliegen. Bis zu 25 Autos passen in einen solchen Fracht-Jumbo.

Internet-Forum www.strforum.de

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10.04.2017, 06:00 Uhr

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