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Zaudern lohnt sich

Florian Werner las aus „Schüchtern“

Aus dem Leben eines Schüchternen las Florian Werner im LTT-Foyer. Bei der vorletzten „Buch und Bühne“-Lesung erklärte der Autor auch, warum es gerade einen schüchternen Menschen auf die Bühne zieht.

02.11.2012

Tübingen. Nach „Die Kuh“ und einer „Kulturgeschichte der Scheiße“ („Dunkle Materie“) hat der Autor Florian Werner nun ein Buch vorgelegt, das sich ganz dem Thema Schüchternheit widmet. „Ein Buch, extrem reich an persönlichen Erzählungen und Episoden “, sagte „Buch und Bühne“-Macherin Sandra Hoffmann am Mittwochabend begeistert. „Hier traut sich jemand, aus dem Leben zu erzählen.“

Zur vorletzten Lesung – bevor Hoffmann mit der „Buch und Bühne“-Mittwochslesung nach München ziehen wird – hatte die Tübinger Autorin einen ehemaligen Studienkollegen in das Foyer des Landestheaters eingeladen. Florian Werner, der in Tübingen studiert hat, lebt seit Jahren als Autor in Berlin. Noch bevor Werner in einem der roten Plüsch-Kinosessel auf der Probebühne Platz nahm, war er bereits zu hören: Aus den Lautsprechern drangen Stücke der Autoren-Musiker-Gruppe „Fön“, deren Mitglied Werner ist.

Den gut 30 Zuhörern kündigte er an, „einige besonders peinliche Passagen“ aus seinem Buch zu lesen, das sowohl auf persönlichem als auch auf kulturgeschichtlichem Weg das Phänomen des verhaltenen Verhaltens, der Schüchternheit, anpackt. So erzählte er von seiner rational unbegründbaren Angst vor dem Telefonieren und dem bösen Zauber, der auf dem Apparat liegen müsse. Sogar seine hochschwangere Frau hatte nach dem Blasensprung selbst den Notarzt anrufen müssen. Angesichts seiner Schüchternheit sei es erstaunlich, dass er überhaupt auf natürlichem Wege Vater geworden sei, gestand Werner.

Doch nicht nur der Eheanbahnung kann die Eigenschaft im Weg stehen. Denn umso verwunderlicher ist es, dass sich ein schüchterner Mensch wie Werner freiwillig einem Publikum stellt. Schüchternheit und Bühne, wie geht das zusammen? Die Bühne sei nicht das richtige Leben, sondern habe viel mit Rollenspiel zu tun, sagte Werner. So sei es sogar für Schüchterne besonders leicht, auf die Bühne zu gehen. „Denn hier werde ich nicht als Person, sondern – hoffentlich – in der Rolle als Autor bewertet“, so Werner. „Die Kritik fällt dann nicht auf das persönliche oder private Ich zurück.“

Schüchternheit versteht Werner als heute unterschätzte Eigenschaft. Statistisch gesehen bräuchten schüchterne Menschen zwar für alles etwas länger (Karriere, Heirat, Vaterschaft). Doch mit Blick auf seine Frau und Tochter meint Werner: „Gut Ding will Weile haben. Das Zaudern hat sich gelohnt.“

Info: Florian Werner: „Schüchtern. Bekenntnis zu einer unterschätzten Eigenschaft.“ Erschienen bei Nagel & Kimche, 176 Seiten, 17,90 Euro.

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02.11.2012, 12:00 Uhr

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