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Flotte Tour ging in die Hose: 9000 Euro Strafe für Beamte
Polizisten halten Autofahrer von dringendem Bedürfnis ab

Flotte Tour ging in die Hose: 9000 Euro Strafe für Beamte

Zwei Polizisten müssen 9000 Euro Strafe bezahlen, weil sie einen Autofahrer verletzt haben. Einen der Beamten verurteilte das Landgericht Mosbach außerdem zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

22.10.2016
  • HANS GEORG FRANK

Mosbach. Der Hauptkommissar (40) und der Hauptmeister (50) waren am 12. März 2014 in einem zivilen Golf unterwegs, als sie von einem Ford Cougar überholt wurden. Wegen der „forschen Fahrweise“ sollte der Mann kontrolliert werden. Doch erst vor dessen Wohnhaus endete die flotte Tour. Der heute 59-Jährige wollte rasch hinein, wurde aber vom Hauptkommissar gestoppt. Dass der Raser mehrfach bat, auf die Toilette gehen zu dürfen, wurde stets abgelehnt. Stattdessen wurde die Verkehrskontrolle ausgeweitet. Weil angeblich „Ausdünstungen“ wahrgenommen worden seien, zu denen Alkohol gehören könnte, sollte der Mann „blasen“. Falls er sich weigere, werde er zu einer Blutprobe mitgenommen, wurde ihm bedeutet. Der Test ergab 0 Promille.

Die Polizisten verliehen ihren Aufforderungen mit körperlichem Einsatz Nachdruck. Das dringende Bedürfnis wurde als „Schutzbehauptung“ angesehen. Er wurde nicht zum WC begleitet, weil die Dienstvorschriften dies nicht vorsahen. Der Mann wurde zu Fall gebracht und mit zwei Handschließen fixiert. Auf dem Boden liegend, konnte er den Drang des Dickdarms nicht mehr stoppen. Der Chemielaborant war auf dem Heimweg von der Arbeit, hatte 40 Kilometer zurückgelegt. Er war seit sieben Stunden nicht mehr auf einer Toilette gewesen.

Bei dem Prozess ging es jedoch nicht um den verhinderten Gang aufs Klo und die verschmutzte Hose. Die Polizisten waren angeklagt wegen Körperverletzung im Amt. Das Opfer erlitt Blessuren an Fingern, Handfläche und -rücken. Die Staatsanwältin wollte auch noch eine Bestrafung wegen Verfolgung Unschuldiger. Deshalb wollte sie das Verhalten des Kommissars mit einer Bewährungsstrafe von elf Monaten und 1500 Euro Schmerzensgeld geahndet wissen, für den Kollegen hielt sie acht Monate und 1000 Euro für angemessen. Die Anklägerin war überzeugt, dass die Polizisten keinen Hinweis auf Alkohol hatten und die Kontrolle rechtswidrig war. Das Opfer sei „vor einer Vielzahl von Leuten gedemütigt worden“.

Die Verteidiger forderten Freispruch, ihre Mandanten hätten „rechtmäßig“ gehandelt. Das Gericht stimmt dem nur zu, was den Vorwurf der Verfolgung Unschuldiger betraf. „Dem zeigen wir, wer Herr im Ring ist“, nannte Richter Alexander Ganter als Motiv. Das Opfer wollte keinen Prozess: „Mir hätte eine Entschuldigung genügt.“ Hans Georg Frank

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22.10.2016, 06:00 Uhr

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