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Flucht mit Ansteckungsgefahr
Die Ärztin Nicole Neßling in Schwetzingen behandelt einen Flüchtling in ihrer Praxis. Foto: dpa
Ärzte: Exotische Krankheiten nehmen zu

Flucht mit Ansteckungsgefahr

Nicht alle Flüchtlinge sind gesund, wenn sie nach Deutschland kommen. Unter ihnen sind auch so manche, die exotische Krankheiten mit sich tragen. Deutsche Ärzte kennen diese oft nur aus dem Lehrbuch.

14.04.2016
  • DPA

Mannheim. Viele Flüchtlinge sind bei ihrer Ankunft in Deutschland krank - aus Expertensicht stellen ihre Krankheiten aber kein Risiko für die Allgemeinheit dar. "Am häufigsten kommen normale, allgemeinmedizinische Erkrankungen vor, zum Beispiel grippale Effekte oder Erkrankungen des Bewegungsapparats", sagte Virologe Thomas Löscher anlässlich des 122. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim.

Natürlich gebe es auch Tuberkulose oder Malaria und Einzelfälle von sehr exotischen Krankheiten. Diese Fälle seien in der Regel aber gut behandelbar, sie sollten nur möglichst schnell diagnostiziert werden.

Viele dieser seltenen Krankheiten kennen Ärzte in Deutschland nur aus dem Lehrbuch. Damit sie ihre Patienten angemessen versorgen können, war die Migrationsmedizin eines der Schwerpunktthemen des viertägigen DGIM-Kongresses, der am Dienstag zu Ende ging.

Mit welchen Krankheiten Flüchtlinge nach Deutschland kommen, hängt laut Mediziner Löscher vor allem von Herkunft, Fluchtbedingungen und Fluchtweg ab. Zum Beispiel seien Flüchtlinge aus Afrika fast immer immun gegen die dort enorm verbreiteten Masern, egal ob sie geimpft seien oder nicht. "Junge Erwachsene vom Balkan haben diesen Schutz öfters nicht, im Jugoslawienkrieg wurde eher geschossen als geimpft. Das kann Masernausbrüche wie in Berlin vor etwa eineinhalb Jahren begünstigen", sagte Löscher.

Viele Menschen steckten sich während der Flucht auch mit Tuberkulose an. In Deutschland ist die Zahl gemeldeter Tuberkuloseerkrankungen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das Robert-Koch-Institut führt den Anstieg vor allem auf die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung von Asylsuchenden zurück. Im Südwesten gab es 2015 etwa 700 Fälle. Das sind 48 Prozent mehr als 2014. Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und meist die Lunge befällt.

Die Bevölkerung sei aber nicht gefährdet, sagte Löscher. "Tuberkulose wird durch Tröpfcheninfektion bei engem und intensivem Kontakt übertragen, sie ist also nicht so hoch ansteckend wie Masern oder Influenza. Außerdem bekommt nicht jeder, der sich infiziert, automatisch Tuberkulose."

Eine Rolle spielten auch die genetische Veranlagung und die Abwehrkraft. Der 66-jährige Löscher ist emeritierter Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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