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Neckar-Alb-Vorstoß mit geteilten Zügen

Flügelkonzept könnte am Stuttgarter Veto scheitern

Falls der „Filderdialog“ über das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ mit der Empfehlung enden würde, dass Tübingen und Reutlingen an den Fernverkehr zwischen Zürich und Stuttgart angebunden werden sollen, droht das an einem Veto des Verbandes Region Stuttgart zu scheitern.

02.07.2012
  • Andreas Ellinger

Stuttgart/Horb/Tübingen. Der Interessenverband Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn, dem Kommunen, Kreise und Regionalverbände entlang dieser Zugstrecke angehören, fordert „eine umstiegsfreie, schnellere Direktanbindung der Gäubahn an den Stuttgarter Flughafen“. Die „zwingende“ Forderung soll am 7. Juli in den Filderdialog einfließen. Diesem Beschlussantrag des Vorsitzenden Guido Wolf hat die Verbandsversammlung am Montag im Landtag zugestimmt (zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen).

Der Tübinger Landrat Joachim Walter ließ ins Protokoll aufnehmen, dass der überarbeitete Vorschlag für eine Fernverkehrs-Trasse über Tübingen und Reutlingen die „bisherigen Interessen des Interessenverbandes mit berücksichtigt“. Dieser Vorschlag werde deshalb aufrechterhalten. Es geht um ein „Flügelkonzept“, das Angela Bernhardt, die Direktorin des Regionalverbandes Neckar-Alb, vorgestellt hatte: Es sieht vor, dass zwei gekoppelte ICE-Neigetechnik-Züge auf der Strecke Zürich-Stuttgart verkehren. Der eine soll ab Horb das Neckartal entlang über Tübingen, Reutlingen und den Flughafen zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren, der andere wie bisher – aber mit Halten in Böblingen und Vaihingen – direkt zum Hauptbahnhof. Damit hätten die südlich gelegenen Gäubahn-Gemeinden inklusive Horb einen umstiegsfreien Anschluss an den Flughafen und die Verbindung von Zürich nach Stuttgart würde schneller, wie das die Bundesrepublik und die Schweiz anno 1996 in einem Staatsvertrag vereinbart haben.

Angela Bernhardt erinnerte daran, dass sich ihre Region als Mitglied des Interessenverbandes mit 50 000 Euro an der Ausbau-Planung für die Gäubahn beteiligt habe. „Wir haben keinerlei Interesse, diesen Konsens aufzukündigen.“

Der Vorschlag, den Fernverkehr durchs Neckartal weiterzuführen und gleichzeitig Böblingen und Sindelfingen mit einzubeziehen, sei „nicht ganz blöd“, sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). „Das hat seinen Charme und seine Vorteile.“ Am Ende solle entschieden werden, „ob das geht oder nicht“, falls dieser Vorschlag im Ergebnis des Filderdialogs enthalten sei. Mit bürgerlicher Beteiligung werden dort sechs Alternativtrassen zur bisherigen S21-Planung diskutiert.

Die Stadt Stuttgart, die Region Stuttgart, der Bund, das Land und die Bahn AG, die S21 finanzieren, müssen anschließend entscheiden, ob sie die Anregungen aus dem Filderdialog übernehmen. Laut Landtagsvizepräsident Rudolf Drexler (SPD) haben sich Stadt und Region Stuttgart für den Direktanschluss der Gäubahn an den Flughafen ausgesprochen – was mit dem neuen Vorschlag aus der Region Neckar-Alb erfüllt wäre. Drexler hatte vor dem Kompromissvorschlag auf einen Dissens zwischen der SPD-Landtagsfraktion auf der einen und der Grünen-Fraktion samt Verkehrsminister auf der anderen Seite hingewiesen: „Wir tragen nicht mit, dass wir die Gäubahn nicht am Flughafen anschließen.“

Thomas Bopp, der Verbandsvorsitzende der Region Stuttgart, hatte vor der Vorstellung des „Flügelkonzepts“ deutlich gemacht, dass es ihm auf den Bau der „Rohrer Kurve“ ankommt, welche die Gäubahn aus Richtung Böblingen mit dem Flughafen verbinden soll. Sie sei Teil der Finanzierungsvereinbarung für S21. „Das ist gesetzt“, sagte Bopp. Hinter „neuen Trassenvorschlägen“ vermutete er die Hoffnung von S21-Gegnern, damit „den Kostendeckel zu reißen“.

Die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Nicole Razavi, merkte bezüglich des Flügelkonzepts an: „Der Vorschlag würde einen doppelten Ausbau bedeuten“ – inklusive der Elektrifizierung der Bahnstrecke Horb-Tübingen: „Dafür gibt es kein Geld.“

Im Filderdialog gelte „selbstverständlich der Kostendeckel“, hatte Minister Hermann erklärt. Was das Ergebnis betreffe, habe jeder Projektpartner „faktisch ein Vetorecht“. Sollte die Region Stuttgart – entsprechend ihrer bisherigen Position – ein Veto einlegen, wäre die Neckartal-Trasse für den Fernverkehr demnach nicht durchsetzbar.

Ob eventuell auch die Bahn AG ein Veto einlegen würde, das ließ Konzernbevollmächtigter Eckart Fricke bei der Verbandsversammlung offen. Er sagte, dass sich der teilweise zweispurige Ausbau der Gäubahn aus Konzernsicht nicht rechne: Ohne die Fahrgäste, die zur Neuen Messe und zum Flughafen fahren wollten, werde die wirtschaftliche Legitimation des Ausbaus „noch schlechter“. Das werde die Bahn AG nach dem Filderdialog inhaltlich einfließen lassen.

Der Horber Oberbürgermeister Peter Rosenberger fragte nach, ob es nicht besser wäre, diese Information in den Dialog einzubringen und jetzt schon zu erläutern, wann der Kostendeckel überschritten werde. Fricke antwortete, dass die Kosten-Nutzen-Betrachtung für die Gäubahn eine betriebswirtschaftliche sei. Die volkswirtschaftliche Betrachtung könne positiv ausfallen, „insbesondere wenn man den Güterverkehr hineinrechnet“. Die Bahn warte erstmal das Ergebnis des Filderdialogs am 12. Juli ab – in der Folge werde geprüft, ob die Gäubahn überhaupt noch auf den bisher geplanten drei Abschnitten zweigleisig ausgebaut werden müsse. Die Strecke Horb-Neckarhausen stelle er jedoch nicht mehr infrage: Der Zeitplan der Bahn sieht vor, dass im 1. Quartal 2015 die Finanzierungsvereinbarung abgeschlossen wird – dann könnte dort gebaut werden.

Patrick Altenburger vom Kanton Schaffhausen betrachtet den Rückstand der Deutschen, was eine Beschleunigung der Strecke Zürich-Stuttgart auf eine Fahrzeit von 2 Stunden und 15 Minuten angeht, kritisch. Zur neuen Trassendebatte sagte er: „Wir in der Schweiz verstehen diese Diskussion nicht.“

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02.07.2012, 12:00 Uhr

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