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Geldanlage

Flüssige Schätze in Weiß, Rot oder Rosé

In Zeiten des Zinstiefs lockt bei Luxusgütern die Rendite – auch bei Wein. Ein riskantes Geschäft.

12.04.2017
  • DPA

Mainz. Das Etikett kann darüber entscheiden, ob ein alter und seltener Wein so viel wert ist wie ein Golf oder ein 3er BMW. Deswegen herrschen in den Kellern von Steven Buttlar immer optimale 60 bis 65 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dabei meint Buttlar nicht die Räume unter seinem eigenen Haus, sondern die Gewölbe der Winebank, in der andere Menschen edle Tropfen lagern. Sieben solche Banken verwaltet Buttlar schon – in Hamburg, Frankfurt, der Pfalz, dem Rheingau, Wien, Basel und nun auch im Kupferberg in Mainz.

Buttlar führt in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vorbei an Schließfächern, in denen hinter Gittern exquisite Weine liegen, in rot, weiß oder rosé. Er bleibt vor einem Fach mit Flaschen vom Weingut Keller im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim stehen. Der Weinführer Gault&Millau urteilt dazu, dass der „Ausnahmewinzer“ souverän in Deutschlands Spitze mitspiele. Schon neu abgefüllt kann eine Auslese von Klaus-Peter Keller 125 EUR kosten, eine Trockenbeerenauslese vom Westhofener Morstein sogar 395 EUR. Trinkbar ist sie bis zum Jahr 2060.

Das macht die Weine interessant für Anleger. Klassiker wie Sparbuch und Festgeld werfen wegen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit kaum Zinsen ab. Bei Wein hingegen, meldet die Londoner Immobilienberatung Knight Frank in ihrem aktuellen Wealth Report, ging es im vergangenen Jahr bei einem von der Beratung beobachteten Portfolio um 24 Prozent nach oben.

Besonderes Aufsehen erregen immer wieder einzelne Wein-Raritäten, etwa eine 2003er Trockenbeerenauslese vom Weingut Egon Müller in Wiltingen an der Saar. Für 12 000 EUR wurde die Flasche mit dem flüssigen Schatz versteigert. Weinberater Herbert Egner aus Mainz kauft hingegen lieber junge Weine um 10 EUR die Flasche. „Die brauchen ein Jahr Flaschenreifung und gewinnen dabei auf jeden Fall an Qualität“, sagt er. Dann verkaufe er sie für 12 EUR. Ein Plus von 20 Prozent kann sich sehen lassen im Vergleich zum Tagesgeld, das vielleicht 1 Prozent abwirft.

Wertsteigerungen bei Weinen sind aber kein Naturgesetz. „Wenn der Wein seinen Höhepunkt der Entwicklung erreicht hat, baut er von Jahr zu Jahr ab, bekommt Alterungsnoten“, sagt Egner. In Deutschland seien es vor allem Wein-affine Menschen und Menschen mit Sammlergeist, die in Wein investierten, sagt der Weinfachmann und Unternehmensberater für Weingüter, Valentin Brodbecker. Große Weinfonds wie in London gebe es nicht.

Aber kleine. Spezialwissen sei nötig, um Geld in Wein anlegen zu können, sagt Christian König, der in der Pfalz einen Weinfonds im Wert von 100 000 EUR eingerichtet hat. Das Urteil von Verbraucherschützer Niels Nauhauser ist eindeutig: „Wein ist keine Geldanlage, Wein ist ein Konsumgut.“ Zwar könne Wein im Preis steigen, wenn er als Gut knapp werde – aber die Aussichten seien völlig unvorhersehbar. „Ich würde das niemandem empfehlen. Das ist eher etwas im Bereich Liebhaberei.“ dpa

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12.04.2017, 06:00 Uhr

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