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Naturerlebnis

Fluffiges zum Liebhaben

Das Kükenschlüpfen beim Horber Kleintierzuchtverein entzückte gestern die Besucher. Nur der Regen war mehr als lästig.

18.04.2017
  • Dagmar Stepper

Kleintierzuchtvereine – so könnte man meinen – gehören im 21. Jahrhundert zu einer aussterbenden Spezies. Wer hat heute noch Zeit, sich täglich um Hasen, Hühner und Co. zu kümmern? Außerdem hängt den Kleintierzüchtern auch ein wenig der Verdacht auf Spießertum an. Doch das ist ein Irrtum. Zumindest was den Horber Verein betrifft.

Es ist Ostermontag, so gegen 12 Uhr. Die Leute haben sich am Tag zuvor satt gegessen und bei Familienfeiern drin gesessen. Jetzt drängt es sie nach draußen. In die Natur. Auch wenn das Wetter – gelinde gesagt – wenig einladend ist. Der Regen ist eisig, die Sonne ein seltener Gast. Doch die Anlage des Horber Kleintierzuchtvereins am Neckar ist ein Besuchermagnet. Die Kinder sind warm eingepackt, die Erwachsenen auch. Als Erstes fällt der Blick der Besucher auf einen Glaskasten. Darin wimmelt es von kleinen, fluffigen Lebewesen. Es sind Küken, gerade erst geschlüpft. Die Kinder pressen die Nase an die Scheibe, ganz gebannt von einem Naturschauspiel. 160 Eier wurden zum Kükenschlupf vorgebrütet, damit aus ihnen pünktlich am Ostermontag zarte Küken entweichen können. Die Besucher sind fasziniert. Nicht nur die Kleinen, sondern auch die Großen. Eine Frau hält verliebt ein Küken in den Händen: „Ich hab mir wegen dem Wetter überlegt, ob ich überhaupt kommen soll“, erzählt sie, „aber jetzt bin ich ganz verliebt.“

Silke Wüstholz (45) lacht. Die umtriebige Vorsitzende des Horber Kleintierzuchtvereins weiß um diese Magie. Daher hat sie vor vier Jahren den ersten Kükenschlupf veranstaltet. Seit acht Uhr ist sie auf den Beinen, wirbelt durch die Menge. Ja, das Wetter ist bescheiden, aber die Leute kommen trotzdem. Die 150 Würste sind schon fast weg. Es gibt ja auch viel zum Gucken. Da sind die flauschigen Küken, die an schwarze, braune und gelbe Knäule erinnern. Wer gedacht hat, Bibbele sind immer gelb, hat sich getäuscht. Sieben unterschiedliche Rassen werden ausgebrütet. Wenn sie groß sind, leuchtet ihr Gefieder in schillernden Farben.

Doch die Vögel haben auch Konkurrenz: kleine niedliche Hasen. Sie tummeln sich im Gehege, in das die Kinder reindürfen. Schnell wird Löwenzahn gesammelt und den Häschen unter die Nase gehalten. Die lassen sich nicht zwei Mal bitten. Fürs Leckerli dürfen die Kindern dann auch die Hasen streicheln. Doch ähnlich wie bei den Küken, haben die Erwachsenen ebenso ihren Spaß dran. Ein Mann im mittleren Alter sitzt auf einer Bank und krault glückselig ein schwarzes Kaninchen. „Der schnurrt – oder er zittert – aber ich glaube, er schnurrt“, sagt er und lacht. Die kleinen Hasen gibt es auch zum Kaufen. Max ist einer der Glücklichen, der seine Eltern dazu bewegen konnte. Jetzt trägt er stolz den Karton zum Auto.

Das Kükenschlüpfen ist also eine Erfolgsgeschichte für den Verein. Die Leute kommen trotz Nieselregen und Temperaturen im einstelligen Bereich. Und bei dem einen oder anderen wird sicherlich die Saat aufgehen: Kleintierzuchtvereine sind alles andere als spießig und Hasen, Hühner und Co. sind einfach zu knuddelig. Willkommen im 21. Jahrhundert, wo Kleintierzuchtvereine noch eine Zukunft haben.

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18.04.2017, 01:00 Uhr

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