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Zwei Drehkreuze lahmgelegt

Flugbegleiter-Streik trifft zehntausende Lufthansa-Kunden

Die Flugbegleiter der Lufthansa streiken - und legten zwei Drehkreuze lahm. Gestern waren 37 500 Passagiere betroffen. Ufo-Chef Baublies denkt daran, den Streik über die nächste Woche hinaus zu verlängern.

07.11.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt Der größte und längste Streik in der Geschichte der Lufthansa hat gestern um 14 Uhr in Frankfurt und Düsseldorf begonnen. Er sollte bis 23 Uhr dauern und soll auch am Samstag an beiden Flughäfen den ganzen Tag weitergehen. Aufgrund des von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo zunächst für eine Woche bis 13. November ausgerufenen Ausstandes wurden am Freitag 290 Flüge der 1800 geplanten Lufthansa-Flüge von und nach Frankfurt und Düsseldorf gestrichen, davon 23 Langstrecken-Verbindungen.

Davon waren nach Angaben der Lufthansa 37 500 Fluggäste in Frankfurt und Düsseldorf, aber auch im Ausland betroffen, weil deren Maschinen nicht starten konnten. Heute sollen in Frankfurt nur die Kurz- und Mittelstrecke bestreikt werden, Langstreckenjets sollen abheben können, in Düsseldorf sind alle Flüge betroffen. Wie viele Flüge tatsächlich ausfallen, war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht klar.

Von den Streiks ausgenommen ist derzeit München. Das gilt bis einschließlich Sonntag. Ufo hat sich dazu entschieden, weil am Wochenende die Herbstferien in Bayern und Baden-Württemberg enden. Mit Rücksicht auf Privatreisende werde am Sonntag generell nicht gestreikt, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Er betonte aber auch: "Alle Passagiere der Lufthansa müssen damit rechnen, dass ihr Flug kurzfristig ausfällt." Wie viele Ausnahmen es geben werde, hänge nicht zuletzt vom Verhalten der Lufthansa ab.

Diese flexible Taktik von Ufo ohne festgelegte Ankündigungsfristen und ohne Angabe der betroffenen Flughäfen - die Piloten hatten ihre Streiks in der Vergangenheit immer 24 Stunden vorher detailliert bekannt gegeben - macht es für die Lufthansa besonders schwierig, die Kunden frühzeitig über Flugausfälle zu informieren. Zudem ist unklar, wie viele der 19 000 Flugbegleiter sich am Ausstand beteiligen. Ausgenommen von den Arbeitsniederlegungen sind Flüge der Lufthansa-Töchter Germanwings, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines.

Beobachter schätzen, dass jeder Streiktag die Lufthansa etwa 20 Mio. EUR kostet. Für die Pilotenausstände in diesem Jahr musste das Unternehmen bereits Einbußen von 130 Mio. EUR verkraften, für alle 13 Pilotenstreiks seit April 2014 rund 330 Mio. EUR.

Ufo hatte zuletzt vor drei Jahren gestreikt. Deren Chef Baublies übte gestern erneut scharfe Kritik an der Lufthansa. Er bedauere, dass es zu dieser Eskalation habe kommen müssen, die Verhandlungen seien aber an einen Punkt gekommen, an dem es keine Alternative mehr gegeben habe. Personal-Vorstand Bettina Volkens habe entgegen ihren Aussagen kein verbessertes Angebot vorgelegt und sei auch nicht auf alle Forderungen von Ufo zur Neuregelung der Übergangs- und Altersversorgung eingegangen.

"Die Vorstellungen von Lufthansa laufen darauf hinaus, dass es langfristig weder eine Übergangsversorgung noch eine nennenswerte betriebliche Rente gibt", kritisierte der Ufo-Chef. Lufthansa wolle die Risiken an die Mitarbeiter abgeben. Außerdem habe der Vorstand unverhohlen mit der Auslagerung von Arbeitsplätzen gedroht. "Wenn solche Mittel eingesetzt werden, wird es schwer, sich wieder an einen Tisch zu setzen", sagte Baublies. Er betonte, dass Ufo bei der Neuregelung der Übergangsversorgung Zugeständnisse gemacht habe. Darauf sei die Lufthansa nicht eingegangen.

Personal-Vorstand Volkens hatte zuvor betont, die Lufthansa werde die derzeitige Übergangs- und Altersversorgung für alle und auch für neu eingestellte Flugbegleiter für zehn Jahre aufrecht erhalten. Die Pilotenvereinigung Cockpit erklärte sich mit Ufo solidarisch. Der Streik zeige, so Cockpit-Sprecher Markus Wahl, dass es "unmöglich ist, mit Lufthansa am Tariftisch zu Lösungen zu kommen".

Flugbegleiter-Streik trifft zehntausende Lufthansa-Kunden
Die Flugbegleiter der Lufthansa bestreikten gestern neben Frankfurt auch den Flughafen in Düsseldorf (Bild) . Foto: dpa

Kaum Ausfälle Wegen der Lufthansa-Streiks in Frankfurt und Düsseldorf ist es gestern auch zu Ausfällen am Stuttgarter Flughafen gekommen. Zwei Starts nach und zwei Landungen aus Frankfurt waren am Nachmittag und Abend annulliert, wie aus den Angaben auf der Lufthansa-Webseite hervorging. Ob auch am heutigen Samstag Flüge von und nach Stuttgart betroffen sein werden, war zunächst nicht ersichtlich. Am Freitagnachmittag waren für den Folgetag zunächst keine Flüge gestrichen. Das könne sich aber noch ändern, sagte eine Flughafen-Sprecherin. Zum Ferienende im Südwesten können die Reisenden aufatmen. Für den Sonntag hat die Gewerkschaft Ufo eine bundesweite Streikpause ausgerufen, weil an diesem Tag viele Privatleute unterwegs seien. dpa

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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