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Fritz Bauer

Flugblatt löst Schadenfreude aus

Die Anwohner-Bürgerinitiative habe die Flyer nicht verteilt, betont Scheef-Straßen-Verfechter Dieter Pantel.

12.04.2017
  • Ulla Steuernagel

Dieter Pantel wohnte einst in der Adolf-Scheef-Straße und muss sich nun an die Fritz-Bauer-Straße gewöhnen. Der pensionierte Akademische Oberrat war treibende Kraft der Bürgerinitiative, die auch mit juristischen Mitteln die Neubenennung verhindern wollte. Die beiden Flugblätter, die überschrieben sind mit „Heikle Aktenfunde zu Nazijäger Fritz Bauer“ und „Aktenfunde belasten...“ haben ihn nicht überrascht. Dennoch betont er, dass die BI nichts damit zu tun habe: „Von mir kann ich es auf jeden Fall sagen.“

Er verspüre jedoch „eine gewisse Schadenfreude“ angesichts dieser „Uraltsache“, der Vorwürfe gegen Fritz Bauer und auch darüber, dass der Gemeinderat sich über ihn „nicht richtig erkundigt“ habe. Immer noch tobt in Pantel der Ärger darüber, dass Scheef als Straße abdanken musste. „Der hat niemandem wehgetan, im Gegensatz zu der lachhaften und wirklich gemeinen Machtausübung einer Gemeinderatsmehrheit“, die für die Umbenennung stimmte. Für Pantel ist Scheef ein Opfer: „Er kann doch nichts dafür, dass das Dritte Reich über Deutschland gekommen ist!“

Den auf den Anti-Bauer-Flugblättern zitierten „Mannheimer Morgen“ und den „Spiegel“ achtet Pantel als seriöse Quellen: Die erzählten doch „keine Lügengeschichten“.

Die Artikel beziehen sich auf einen Text, der im Herbst 2015 in „Einsicht“, der Zeitschrift des Fritz-Bauer-Instituts, veröffentlicht worden war. Der OLG-Richter Georg D. Falk kritisiert darin die Einstellung eines von Bauer geleiteten Ermittlungsverfahrens im Jahr 1964. Bauer hatte keine Anklage gegen Richter und Staatsanwalt erhoben, die 1943 in Lemberg eine Frau, die einen dreijährigen Juden versteckt hatte, zum Tode verurteilten und hinrichten ließen. Der Junge war von einem SS-Mann erschossen worden.

Gottfried Kößler, stellvertretender Direktor des Frankfurter Instituts, erklärt auf TAGBLATT-Nachfrage, Bauer habe das Verfahren wegen Aussichtslosigkeit eingestellt, denn Gerichte und Verwaltungen seien damals vorwiegend mit NS-Juristen besetzt gewesen. Bauer setzte überdies auf die „Selbstaufklärung der Gesellschaft“. Er sei „nicht der Typ Nazijäger“ gewesen, er habe große Verfahren angestrengt: die Auschwitz-Prozesse, die Eichmann-Verfolgung. 1968, vor seinem lange vorbereiteten „Euthanasie“-Prozess, starb Bauer. Kritiker Falk, erklärt Kößler, sei übrigens ein großer Verehrer Bauers.

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12.04.2017, 01:00 Uhr

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