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Außerdem

Flughafen gegen Telefonzelle tauschen

Zwischen Hannover und hier ist viel Luft. Einzig dieser Luftraum stellt im folgenden Fall die Verbindung her. Das ist ein bisschen wenig für eine lokale Glosse, aber das folgende Ereignis verdient es dennoch, erzählt zu werden. Auf dem Flughafen Hannover saßen schätzungsweise 200 Fluggäste in einer Maschine der Germanwings und warteten auf den Abflug nach Stuttgart.

12.06.2015
  • Ulla Steuernagel

Sie warteten mit dem Fatalismus, den die meisten Flugreisenden entwickeln, wenn sie ihre Plätze eingenommen, das Handgepäck verstaut und sich angeschnallt haben.

Sie wissen, ihr Schicksal liegt nun weniger denn je in ihrer Hand. Sie sind eben nur noch ein winziges Staubkorn im gigantischen Flugverkehrs-Universum. Und dieses Staubkorn hat womöglich auch noch das Pech, direkt gegenüber dem Bord-Klo zu sitzen.

Die Flugbegleiter/innen stakseln den Gang entlang. Man betrachtet ihre hübschen Gesichter und wartet auf das übliche pantomimische Dramolett: Sauerstoffmaske von oben, Schwimmweste unterm Sitz ... Die Blicke saugen sich an diesen Hand- und Kopfbewegungen fest, die so wunderbar zwei an sich unvereinbare Bühnendarstellungen vereinen: die laienhaft übertriebene Präsentation und das routinierte Understatement.

Doch vorher noch sollten die Fluggäste in der Regel vom Flugkapitän in jenem leicht gelangweilten Ton „an Bord des Airbus A 330“ begrüßt, über die voraussichtliche Ankunftszeit und das Wetter am Zielort informiert worden sein. Diese beruhigenden Abflugrituale kamen in der Maschine nach Stuttgart durcheinander. Denn hier meldete sich der Pilot zwar zu Wort, aber nicht in jenem Ton, der signalisiert: Wo ich sitze, haben Probleme keinen Platz! Dieser Pilot verzichtete auf jenen einschläfernden Sprechduktus. Seine Stimme klang präsent und aufgebracht. Er teilte den Passagieren unumwunden mit, was er vom Flughafen Hannover hält: nämlich nichts. „Der Flughafen Hannover läuft mal wieder zu Höchstform auf“, so seine sarkastische Formulierung. Seit 55 Minuten sei die Maschine startklar, aber der Flughafen kriege die Organisation mal wieder nicht gebacken. Es säßen Passagiere an Bord, die dort nicht hingehörten. Aber er, der Kapitän, entscheide nun, dass sie sitzen bleiben sollten. Denn das Gepäck wieder auszuladen bedeute eine noch größere Verzögerung. Sollten die Fluggäste ihre letzten S-Bahnen in Stuttgart nicht erreichen oder die Abholer warten müssen, dann solle sich niemand bei ihm, dem Kapitän, sondern alle sich beim Flughafen Hannover beschweren.

Dass man in Hannover mit Überbuchungen der Maschine zu kämpfen hatte, war schon beim Einchecken deutlich geworden. Aber wo genau es hakte, darüber bekamen die Passagiere keine Auskunft. Der Flugkapitän jedenfalls hatte eine klare Empfehlung für das Bodenpersonal in Hannover: „Die sollten lieber eine Telefonzelle betreiben!“

Und die Fluggäste? Sie schauten sich verblüfft an. Einer flüsterte seinem Nachbarn beruhigend zu: „Depressiv ist dieser Pilot jedenfalls nicht!“ Die Maschine landete sehr sanft und fast schon wieder pünktlich in Stuttgart.

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12.06.2015, 12:00 Uhr

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