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Übrigens

Flughafen gegen Telefonzelle tauschen

Zwischen Hannover und Tübingen ist viel Luft. Einzig dieser Luftraum stellt im folgenden Fall die Verbindung zwischen den beiden Städten her. Das ist ein bisschen wenig für eine lokale Glosse, aber das folgende Ereignis verdient es dennoch, erzählt zu werden. Auf dem Flughafen Hannover saßen schätzungsweise 200 Fluggäste (unter anderem aus Tübingen, also gibt es noch eine weitere Verbindung) in einer Maschine der Germanwings und warteten auf den Abflug nach Stuttgart.

11.06.2015

Sie warteten mit dem Fatalismus, den die meisten Flugreisenden entwickeln, wenn sie ihre Plätze eingenommen, das Handgepäck verstaut und sich angeschnallt haben.

Sie wissen, ihr Schicksal liegt nun weniger denn je in ihrer Hand. Sie sind eben nur noch ein winziges Staubkorn im gigantischen Flugverkehrs-Universum. Und dieses Staubkorn hat womöglich das Pech, direkt gegenüber des Bord-Klos zu sitzen.

Die Flugbegleiter/innen stakseln den Gang entlang. Man betrachtet ihre hübschen Gesichter und wartet auf das übliche pantomimische Dramolett: Sauerstoffmaske von oben, Schwimmweste unterm Sitz... Die Blicke saugen sich an diesen Hand- und Kopfbewegungen fest, die so wunderbar zwei an sich unvereinbare Bühnenhaltungen vereinen: laienhaft übertriebene Präsentation und routiniertes Understatement.

Doch vorher noch sollten die Fluggäste vom Flugkapitän in jenem säuselnden, leicht gelangweilten Ton „an Bord des Airbus A 330“ begrüßt, über die voraussichtliche Ankunftszeit und das Wetter am Zielort informiert worden sein. All diese beruhigenden Abflugrituale kamen in der Maschine nach Stuttgart durcheinander. Denn hier meldete sich der Pilot zwar zu Wort, aber nicht in jenem Ton, der signalisiert: Wo ich bin, haben Probleme keinen Platz!

Dieser Pilot jedoch verzichtete auf jenen einschläfernden Leier-Tonfall. Seine Stimme klang präsent und aufgebracht. Er teilte den Passagieren unumwunden mit, was er vom Flughafen Hannover hält: nämlich nichts. „Der Flughafen Hannover läuft mal wieder zu Höchstform auf“, so seine sarkastische Eröffnung. Seit 55 Minuten sei die Maschine startklar, aber der Flughafen kriege die Organisation mal wieder nicht hin. Es säßen Passagiere an Bord, die dort nicht hingehörten. Aber er, der Kapitän, entscheide nun, dass sie sitzen bleiben sollten. Denn das Gepäck wieder auszuladen bedeute eine noch größere Verzögerung. Sollten die Fluggäste ihre letzten S-Bahnen in Stuttgart nicht bekommen und die Abholer warten müssen, dann sei nicht er der Kapitän sondern einzig und allein der Flughafen Hannover dafür verantwortlich.

Dass man in Hannover mit Überbuchungen der Maschine zu kämpfen hatte, war schon beim Einchecken deutlich gewesen. Aber wo es hakte, darüber wurden die Passagieren selbstverständlich nicht informiert. Der Flugkapitän jedenfalls fällte ein klares Urteil über die Qualifikation des Hannoveraner Bodenpersonals: „Die sollten lieber eine Telefonzelle betreiben!“

Und die Fluggäste? Sie schauten sich eher verblüfft als beunruhigt. Einer flüsterte einem anderen zu: „Depressiv ist der jedenfalls nicht!“ Die Maschine landete sehr sanft und fast schon wieder pünktlich in Stuttgart. Ulla Steuernagel

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11.06.2015, 12:00 Uhr

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